Mittwoch, 25. April 2018

Heiland schmeiße Geld herunter

Gestern erschrak ich bei der Zeitungslektüre fast zu Tode. Da sollen die Grabstätten und ihre Pflege auf den städtischen Friedhöfen aus Kostengründen in die Innenbereiche verlegt werden, während die sterblichen Überreste der Verstorbenen auf den dann sich selbst überlassenen Außenbereichen verbleiben. Die Hinterbliebenen  würden dann also an Grabstätten ihren  Vorfahren gedenken, in denen diese gar nicht mehr liegen. Da drehen sich die Verstorbenen todsicher im Grab um und ihre Hinterbliebenen können es nicht glauben, welche Blüten die Haushaltskonsolidierung auf dem Friedhof treibt.

Dass es auch nach dem Tod ums Geld geht und man sich das Sterben kaum noch leisten kann, lässt die christliche Hoffnung auf das Ewige Leben als Kontrastprogramm zum Jammertal des irdischen Materialismus in ganz neuem Licht erscheinen.

Dieser Text erschien am 25. April 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Dienstag, 24. April 2018

Schüler sollen von Schülern digital lernen: 150 Berufsschüler des Berufskollegs Stadtmitte machten mit und stellten ihre Berufs-Videos bei einem Workshoptag an der Kluse jetzt 160 Pädagogen und der NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer vor

Nur 13 Prozent der Schulen im Land haben schnelles Internet: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer  (hier zu Gast am Berufskolleg Stadtmitte) will mit sechs Milliarden Euro dafür sorgen, dass es 100 Prozent werden.
Lernen. Das hieß früher Lesen, dem Lehrer zuhören und aufschreiben. „Wenn ich mich heute über die Grundregeln der Hygienewissenschaft oder über die Krankheitsbilder von Diabetes oder Neurodermitis informieren möchte, rufe ich im Internet entsprechende Lehrvideos auf“, berichtet die angehende Krankenpflegerin Lena Märi Hellriegel. Ihre Mitschülerin und Kollegin Fiona Littmann schreibt sich lieber entsprechende Textstellen aus dem Internet heraus, während sich die angehende Sozialarbeiterin Kim Lorena-Gertsen mathematische Formeln auch gerne per Lehrvideo aus dem Internet erklären lässt.

Die drei jungen Frauen, die das Berufskolleg Stadtmitte besuchen, haben sich zusammen mit 147 Mitschülern an dem von der Europäischen Union geförderten Lernprojekt Digital Insights – World of Work beteiligt. Mit Unterstützung der Techniker ihrer Schule haben sie ein Drei-Minuten-Video über das Thema Pünktlichkeit gedreht. Ihr Video war nur einer von 20 Kurzfilmen, die jetzt bei einem Workshoptag am Berufskolleg Stadtmitte interessierten Pädagogen und NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer vorgestellt wurden und zeitgleich auf die neue Internetplattform workXplorer.net  eingestellt worden sind. Die neue Internetplattform, auf der man nicht nur Kurzfilme, sondern auch Texte und technische Hinweise findet, soll Jugendlichen helfen, sich im Dschungel der derzeit mehr als 350 Ausbildungsberufe zurechtzufinden. „Schüler sollen von Schülern lernen“, beschreibt Lena Märi Hellriegel die Idee, die hinter dem digitalen Lernprojekt steht.

„Wir haben uns durch unsere gemeinsame Projektarbeit intensive damit auseinandersetzt, welche Fähigkeiten und Eigenschaften man im Berufsleben braucht“, beschreibt Fiona Littmann ihren Lernprozess. Für die angehende Sozialarbeiterin Kim Lorena-Gertsen war es spannend, sich mal mit dem Thema Filmschnitt, Drehorte, Requisitenbeschaffung und Selbstorganisation auseinanderzusetzen.“
Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit Situationskomik haben die Berufsschüler gearbeitet, um in ihren Kurzfilmen zu zeigen, was Unpünktlichkeit bedeutet, wenn die Operation einer Patientin verschoben werden muss, weil die eingeteilte Krankenschwester auf sich warten lässt, wenn die Dosis eine Medikamentes in der Apotheke falsch berechnet wurde oder ein Manager seinen Geschäftstermin im Ausland verpasst, weil die Mitarbeiterin im Reisebüro seinen Namen falsch geschrieben und entsprechend falsch an die Fluglinie weitergegeben hat. Und auch wenn  Frau Müller in der Patientenkartei unter D landet, weil es die Arzthelferin in der Ordnung nicht so genau nimmt, kann das für die Praxis und ihren Arzt kleine Ursache, große Wirkung bedeuten. „Wir wollen den analogen Unterricht nicht abschaffen, sondern durch individuelles digitales Lernen ergänzen,“ betont Berufsschulleiter Jörg Brodka.


Sie machten Digital Insight World oft Work erst möglich


Jörg Brodka, Elisabeth Mackscheidt, Martin Borges, Judith Dimke-Schrader, Lehrer am Berufskolleg Stadtmitte, haben die Grundlagen für das digitale Lernprojekt zur Erstellung berufsorientierender Videoblogs in einem internationalen Workshop mit Kollegen aus Danzig und Modena erarbeitet.

Das EU-Programm Erasmus stellte für das Projekt Digital Insight World of Work 250 000 Euro zur Verfügung.

Dieser Text erschien am 24. April 2018 in NRZ & WAZ

Montag, 23. April 2018

Viele Wege führen nach Mintard

Es ist die Frage unseres Lebens: Wie komme ich an mein Ziel. Mein Ziel war gestern Mintard. Gar nicht so leicht, wenn man mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist. Nah kann da ja so weit weg sein. Das fand auch die freundliche Dame von der Ruhrbahn, die sich redlich um eine Fahrplanauskunft bemühte. „Ich komme aus Essen und kenne mich in Mülheim nicht aus“, ließ sie mich wissen. Ob ich mein Ziel noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen würde? Ihr Rat: Fahren Sie von der Innenstadt mit dem Bus 133 bis Alte Straße oder mit der Bahn 102 bis Broich Friedhof und steigen dann in den Bus 134 nach Mintard um.

 Das einzige Problem: Der 134er fährt aber nur im Stundentakt. Mit dem Prinzip Hoffnung im Gepäck machte ich mich auf den Weg zur Haltestelle in der Stadtmitte. Dort erlebte ich nach wenigen Minuten Wartezeit ein Nahverkehrswunder. Denn es fuhr ein Einsatzbus „Richtung Mintard“ vor. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen. „Diese Linie die vormittags- und nachmittags für die Schulkinder fährt, steht auf keinem Fahrplan, so dass sie auch niemand kennt“, ließen mich meine in Sachen Bus und Bahn leidgeprüften Mintarder Gastgeber wissen. Auch unwissend kann man auf Umwegen also zu Ziel kommen.

Dieser Text erschien am 19. April 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Sonntag, 22. April 2018

Migration als Chance für das Ruhrgebiet?! Die Katholische Akademie und der Initiativkreis Ruhr gaben einen positiven Impuls für die Integrationsdebatte



Auf dem Podium in der Wolfsburg: Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck
und Bärbel Berghoff vom Vorstand der RAG-Stiftung (oben),
Man braucht nur durch die Stadt zu gehen, um zu sehen, das Mülheim bunter wird. Wird das unsere alternde Stadtgesellschaft stärken oder überfordern? Die Katholische Akademie und  der Initiativkreis Ruhr zeigten jetzt mit einer Diskussionsveranstaltung in der Wolfsburg auf, wie Zuwanderung zur Chance für das Ruhrgebiet werden könnte.

Unter den Zuhörern waren auch Oberstufenschüler des Gymnasiums Broich, die sich im Rahmen ihres Erdkundeunterrichtes mit dem Strukturwandel im Ruhrgebiet beschäftigen.

Sie hörten zum Beispiel Ruhrbischof Overbeck, der von der Politik in Bund und Land „einen langen Atem“ bei der Integration und mutige Investitionen in die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur forderte: „Wir brauchen hier neue Straßen und neue Wohnungen und eine Stärkung des Mittelstands, der mit neuen Jobs die Integrationsmaschine Arbeit anwirft“, sagte Overbeck.
Bärbel Berghoff, Vorstand der RAG-Stiftung, sprang ihm bei, in dem sie feststellte: „Wir sehen die Not und wir arbeiten daran. Aber unsere Hilfe, etwa durch Schülerstipendien, kann nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Wichtig ist, dass das politische Wollen  da ist. Denn alleine werden wir es nicht schaffen.“

Für Jadrinka Thiel, die im NRW-Familienministerium für die integrationspolitische Infrastruktur zuständig ist, gibt es trotz aller Schwierigkeiten beim Thema Integration und Zuwanderung kein Grund zum Schwarzmalen. „Mit  einer großartige Unterstützung durch ehrenamtlich aktive Bürger haben wir nach dem 

Flüchtlingszustrom ab 2015 als Staat alles getan, was man tun kann. Aber wir können heute viele Lehrerstellen nicht besetzen und das dauert mindestens so lange, wie ein Lehramtsstudium, bis sich die Situation der Seiteneinsteiger entspannen kann“, unterstrich Thiel.

Viel wäre aus ihrer Sicht gewonnen, „wenn wir die Potenziale der zum Teil mehrsprachigen, flexiblen und gut ausgebildeten Zuwanderer anerkennen würden. Diese Menschen haben es geschafft, sich in verschiedenen Kulturen zu bewegen und große Probleme zu bewältigen. Von ihrer Flexibilität und Energie können wir profitieren“, findet die Ministerialbeamtin mit kroatischen Wurzeln.

Ähnlich sieht es der in Ost-Anatolien geborene

Sozialwissenschaftler und Hochschulbeamte Suat Yilmaz vom NRW-Zentrum für Talentförderung. „Wir dürfen nicht nur auf die Troublemaker schauen. Wir müssen uns auch um die Toptalente kümmern. Und wir müssen aufhören, alles und jeden in Deutschland kategorisieren zu wollen“, sagt der Mann von der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen. Gesagt. Getan. Als ihm eine 2012 aus dem Iran geflohene Fachabiturientin von ihren Schwierigkeiten berichtet, eine kaufmännische Lehrstelle zu bekommen, meint Yilmaz nur: „Wir machen gleich einen Termin. Da lässt sich bestimmt was machen.“

Overbeck und Yilmaz sind sich an diesem ertragreichen Abend in der Katholischen Akademie einig, dass es heute in unserem Land nicht um den Gegensatz von Christen und Muslimen oder von Deutschen und Zuwanderern, sondern um „Hoffnung und Lebensperspektiven“ geht, die verhindern, „dass immer mehr Menschen unglücklich werden, in Paralellgesellschaften abtauchen und so Probleme bereiten.“

Für den 17-jährigen Broicher Gymnasiasten Leonard Weier bleibt am Ende des Abends die Erkenntnis: „Wenn wir die Entstehung von Paralellgesellschaften verhindern wollen, müssen wir allen Menschen in unserem Land die gleichen Chancen geben.“ Seine Mitschülerin Jule Hellwig (17) bilanziert den Abend so: „Ich war positiv überrascht, wie viele Menschen an wie vielen Stellen am Thema Integration arbeiten.“ Und ihre Lehrerin Angelika Husemann freut sich, „dass dieser Abend die Botschaft rüber gebracht hat, dass Bildung der Schlüssel für eine gelungene Integration ist, die dazu führt, dass wir friedlich zusammen leben und zusammen arbeiten können.“


Zahlen zur Zuwanderung


Laut Stadtforschung leben in Mülheim aus 140 Nationen zusammen.
15 Prozent der derzeit 173 000 Mülheimer haben keinen deutschen Pass.
8,2 Prozent der Mülheimer haben einen deutschen und einen weiteren Pass.
22,8 Prozent der Mülheimer stammen aus einer Zuwandererfamilie.
Die meisten Mülheimer mit einem Migrationshintergrund stammen aus einer Familie mit türkischen Wurzeln (17,3 Prozent), gefolgt von den polnisch-stämmigen Mülheimern mit 13,9 Prozent und Mülheimern mit familiären Wurzeln in den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens (8,3 Prozent) Auf Platz 4 folgen bereits mit 5,2 Prozent Zuwanderer aus Syrien.
30 Prozent aller neugeborenen Mülheimer haben einen Migrationshintergrund.
Die meisten Mülheimer mit Migrationshintergrund leben in Styrum (35,4 Prozent), Styrum (35,1 Prozen) und  in der Stadtmitte (28,8  Prozent)
14,6 Prozent aller Schüler in Mülheim haben keinen deutschen Pass.

Von den 5 Millionen Einwohnern des Ruhrgebietes haben, laut IT NRW, 24,8 Prozent einen Migrationshintergrund.

Dieser Text erschien am 21. April 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Samstag, 21. April 2018

Hundsgemeine Hitze

Straßenbahnfahren kann gefährlich sein. Vor allem dann, wenn dort ein Vierbeiner nach dem eigenen Hosenbein schnappt und aggressiv kläfft.

Ich muss eine tierische Ausstrahlung haben, dass Bello oder Pfiffi, wir haben uns nicht namentlich vorgestellt, so emotional auf meinen Anblick reagiert. Oder hat der Kläffer schon mal schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht, so dass er eine Aversion gegen Journalisten entwickelt hätte?  Dabei bin ich mir keiner Schuld bewusst. Weder habe ich mich in der Zeitung über Hundehaufen beschwert. Noch habe ich an dieser Stelle eine Erhöhung der Hundesteuer oder die Einführung eines Veggie-Days für Hunde gefordert.

Als ich die Straßenbahn verlasse und der Kläffer den nächsten Fahrgast anbellt und nach seinem Hosenbein schnappt, wird mir klar. Es muss die Hitze sein, die dem Hund aufs Gemüt geschlagen ist.

Kein Wunder. Sind Sie mal bei fast 30 Grad in einem Pelzmantel unterwegs. So viel und schnell könnten sie gar nicht hecheln, dass sie wieder auf Normaltemperatur herunterkommen. Allerdings gibt es auch Zweibeiner, die ihre Mitmenschen anbellen, weil ihnen die Affenhitze zu Kopfe gestiegen ist und das ganz ohne Pelzmantel.

Dieser Text erschien am 20. April 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Freitag, 20. April 2018

MWB-Jubilare: "Hier wird Zuverlässigkeit noch groß geschrieben!"

Die MWB-Zentrale an der Friedrich-Ebert-Straße
Dass ein Vermieter seine Mieter zu einem Jubilarsfrühstück einlädt, weil sie ihm 60, 50 oder 40 Jahre die Treue gehalten haben, ist auf dem heutigen Wohnungsmarkt ungewöhnlich. Doch die Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft (MWB), die vor 120 Jahren von Arbeitern und Handwerkern als Selbsthilfeorganisation zur Behebung der Wohnungsnot gegründet wurde, ist auch kein gewöhnlicher Vermieter. Mit ihren rund 5000 Wohnungen ist die Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft, diesen Namen trägt sie seit 1942, heute nach der SWB der zweitgrößte Vermieter der Stadt. 

Aktuell baut die Genossenschaft unter anderem am neuen Stadtquartier Schloßstraße. Unweit dieser Baustelle lud die MWB jetzt zum Jubilarsfrühstück ins Café Leonoardo. „Sie sind bei der Genossenschaft, die sich als eine Vorteilsgemeinschaft versteht, nicht nur Mieter, sondern als Genossen auch Anteilseigner. Und deshalb werden wir als MWB auch in Zukunft weiter dafür arbeiten, dass Menschen bei uns ein schönes Zuhause für faire Mieten bekommen“, versicherte bei dieser Gelegenheit MWB-Vorstand Frank Esser.
Die Erinnerungen, die beim Jubilarsfrühstück auf den Tisch kamen waren, ein Stück erlebte MWB-Gesichte.

Erlebte Geschichte

„Ich bin der glücklichste Mensch, dass ich bei der Genossenschaft wohne. Wenn ich was habe, dauert es höchstens ein halben Tag, bis es wieder gemacht wird. Der Service ist toll und die Miete ist fair. Die Genossenschaft ist für mich einmalig“, berichtete die am Wiescher Weg wohnende MWB-Mieterin Brunhilde Scharfenberger (90).
Der gleichaltrige, aus Westpreußen stammende, Max Frassunke, der seit 1953 MWB-Genosse ist und seit 1955 in einer Genossenschaftswohnung an der Holter Höhe lebt, erinnerte sich: „Flüchtlinge hatten es nach dem Zweiten Weltkrieg auch nicht so leicht. Damals lag ja alles noch in Trümmern. Es gab viele Arbeitslose. Und jetzt kamen die Flüchtlinge. Die waren nicht gerne gesehen. Wir bekamen damals oft zu hören: Ihr nehmt uns die Arbeitsplätze und die Wohnungen weg“

Umso glücklicher war Frassunke, als er damals bei der AEG einen Arbeitsplatz und bei der MWB für sich, seine Frau und seine kleine Tochter eine bezahlbare Wohnung fand. Endlich konnte die Familie aus der Ein-Raum-Notwohnung an Eppinghofer Straße ausziehen. Anders, als dort, hatte die neue Wohnung bei der Genossenschaft ein Badezimmer und eine Kohlenheizung. Für 56 Quadratmeter Wohnraum zahlte er 1955 eine Monatsmiete von 37 D-Mark . Das hört sich wenig an, war es aber angesichts eines Stundenlohns von 1,25 D-Mark, aber nicht.

Ein Zuhause fürs Leben

„Ich wohnte in einem möblierten Zimmer. Und meine Frau wohnte bei meinen Eltern“, erinnerte sich Edgar Herzog (85) an das Jahr 1952, als er der Genossenschaft beitrat, um die Chance auf eine eigene Wohnung zu bekommen. Drei Jahre später war es so weit. Für den Schlosser, der bei Mannesmann damals 1,43 D-Mark pro Stunde verdiente und seine Frau Ingrid konnten in eine 52 Quadratmeter große Genossenschaftswohnung an der Kirchberghöhe einziehen. Die Straße, an der er bis heute wohnt, ist übrigens nach dem Gründer und ersten Geschäftsführer der Genossenschaft, August Kirchberg, benannt.

„Die Genossenschaft ist für mich einmalig, denn Zuverlässigkeit wird bei ihr nicht nur dann großgeschrieben, wenn es um Reparaturen geht“, erklärt der 90-jährige Rolf Glaser, warum er seit 1950 in einer MWB-Wohnung an der Feldstraße zufrieden lebt. In den ersten Jahren teilten sich der Karosseriebauer und seine Frau Käthe die 73 Quadratmeter große Wohnung noch mit der Schwiegermutter und Großmutter. Wie Glaser, schätzt auch Brigitte Lichtenberger (79), die 1955 mit ihren Eltern und Geschwistern in eine Genossenschaftswohnung an der Oberstraße einzog und seit über 50 Jahren in einer 67 Quadratmeter großen MWB-Wohnung am Bottenbruch lebt, die „gute Nachbarschaft der Mülheimer Wohngenossen, in der jeder jeden leben lässt.“ 

Dieser Text erschien am 28. März 2018 im Lokalkompass und in der Mülheimer Woche

Donnerstag, 19. April 2018

Ein Herz für Bienen

Auf diese Nachricht habe ich schon lange gewartet. Im Rathaus bildet sich eine Große Koalition zur Rettung der Bienen.
Haben wir in unserer Stadt keine größeren Probleme, als uns um die Bienen zu kümmern? 

Doch bitte, kein  vorschnelles Kopfschütteln. Die Bienen sind klein. Aber ihr ökologischer Wert ist groß. Denn sie produzieren nicht nur Honig, sondern erhalten mit ihrer regen Bestäubungsaktivität auch die Pflanzenvielfalt. Schon die Generalversammlung der Uno hat sich mit den ökologischen und ökonomischen Auswirkungen des weltweiten Bienensterbens beschäftigt. Da wurde es wirklich Zeit, dass sich der Rat der Stadt dieses existenziellen Themas annimmt.

Bei der  Pflege ihrer Grünflächen, so die Idee eines Aktionsplanes, soll die Stadt keine Pestizide mehr einsetzen. Außerdem soll sie darauf achten, künftig mehr insektenfreundliche Pflanzen zu setzen und bienenfreundlichen Gärten mit Nisthilfen für Wildvögel anzulegen. Mir ist nur noch nicht ganz klar, ob auch die flotten Bienen in den städtischen Aktionsplan einbezogen werden sollen. Denn wenn sie aussterben würden, wäre das Leben auf diesem Planeten wirklich nicht mehr lebenswert.

Dieser Text erschien am 19. April 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung