Samstag, 15. August 2009

Drum, Mensch sei weise und reise - Ein Gespräch mit dem Globetrotter Wilhelm Schröder über das Reisen und Zurückkommen


Mit den Sommerferien endet die klassische Urlaubs- und Reisezeit. Was bleibt, sind die Erinnerungen an eine schöne Reise oder der Traum vom nächsten Reiseziel. Das nahm ich zum Anlass, um mit dem Globetrotter Wilhelm Schröder, den die meisten Mülheimer noch als Leiter der Wilhelm-Busch-Förderschule kennen, über den Mehrwert des Reisens zu sprechen. Der Pädagoge, der ein Jahr nach seiner Pensionierung jetzt auch außerhalb der Schulferien nach Herzenslust durch die Weltgeschichte reisen kann, darf getrost als weitgereister Mann von Welt angesehen werden.

Der 66-Jährige schätzt, dass er in seinem Globetrotterleben bisher 30 Länder der Erde bereist hat. Thailand und die Türkei kennt er ebenso aus der eigenen Anschauung, wie Südafrika oder die Länder Südamerikas. Wenn man den Weltenbummler nach seiner Motivation zum Reisen fragt, zitiert er Kurt Tucholsky: "Reisen ist Sehnsucht nach Leben" und nennt er seine Neugier, sein Neugier auf Menschen, auf immer neue Länder und ihre Kultur. "Man kann 1000 Seiten über ein Land gelesen haben und kennt es doch nicht, wenn man nicht selbst dort gewesen ist", ist Schröder überzeugt. Hier hält er es mit dem Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827), der gesagt hat: "Anschauung ist das Fundament der Erkenntnis."

Stimmt es also, das Reisen bildet? Lebt und handelt man als Weitgereister auch daheim anders. "Auf jeden Fall", betont Schröder. Insbesondere seine Reisen durch Länder der Dritten Welt, seine nächsten Ziele sind Indien und Vietnam, haben ihn zu der Erkenntnis kommen lassen, "dass wir hier immer noch sehr sicher und wie in einem Paradies leben." Weil er auf seinen vielen Reisen selbst erlebt hat, wie es ist, fremd zu sein, geht er nach seiner eigenen Einschätzung, auch zu Hause "mit Fremden höflicher um, als es vielleicht der Durchschnitt tut."

Die eigene Anschauung der Armut in Entwicklungsländern hat ihn, so glaubt Schröder, auch hierzulande "sensibler und generöser" gemacht, wenn er armen Menschen begegnet. "Die sitzen hier ja auch zunehmend auf der Straße, weil die Wirtschaftskrise viel Armut hervorbringt", unterstreicht der pensionierte Pädagoge, der auf seinen Reisen durch ärmere Länder ganz bewusst auch Arbeiten junger Künstler kauft und hier unter http://www.kudewel.de/ vermarktet, um den künstlerischen Nachwuchs aus der Dritten Welt zu fördern.

Allerdings glaubt Weltenbummler Schröder auch, dass wir in Deutschland von der Mentalität in anderen Ländern lernen können. "Dort hat man weniger Hektik und Stress, geht das Leben gelassener an", schildert er seine Reiseindrücke und fragt sich nach seiner Heimkehr immer wieder: "Muss das hier wirklich immer so sein, wie es ist." Nicht nur das Credo von Sauberkeit und Pünktlichkeit, sondern auch die Regulierungswut deutscher Bürokratie scheint ihm im internationalen Vergleich als reichlich regide und maßlos übetrieben.

Doch was bleibt von einer Reise nach der Rückkehr in den schnöden Alltag? Für Wilhelm Schröder sind es vor allem seine vielen Reisebilder im Kopf, "die ich jederzeit abrufen kann." Und dann sieht er sich zum Beispiel auf einem Elefanten durch den thailändischen Dschungel reiten oder in der südafrikanischen Abendsonne ein Tier an der Tränke beobachten. Solche Phanatsiereisen wären wohl auch seine letzte Zuflucht, sollte ihm das Reisen eines Tages aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich sein. Doch diesen Gedanken schiebt der Globetrotter lieber weit weg und vergleicht das Reisen, frei nach Augustinus, mit dem Lesen in einem Buch: "Die Welt ist ein Buch," wusste schon der alte Kirchenvater: "Wer nicht reist, sihet nur eine Seite." Und Schröder möchte noch viele neue Seiten aufschlagen, ohne dabei das wichtigste Ziel seiner eigenen Lebensreise aus den Augen zu verlieren: "Mit sich selbst im Reinen sein und andere Menschen glücklich machen."

Und als Kronzeugen dafür, dass das Reisen selbst ein wichtiges Lebensziel sein kann, führt der langjährige Leiter der Wilhelm-Busch-Förderschule deren Namensgeber an, der einmal geschrieben hat: "Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele. Gesundheit, reisen und Kultur. Drum Mensch sei zeitig weise. Höchste Zeit ist es: Reise, reise!"







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