Montag, 3. August 2009

Wohin steuert der Mülheimer Arbeitsmarkt

Haben wir eine Wirtschaftskrise? Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen scheinen in Mülheim auf den ersten Blick eine andere Sprache zu sprechen. Im Juli stieg die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Juli 2008 gerade einmal um 0,4 Prozent auf jetzt 8,7 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet das: 7119 Mülheimer suchen derzeit einen Job, 324 mehr als ein Jahr zuvor. Diese Arbeitslosenzahl setzt sich aus 1817 Arbeitslosengeld-I- und 5302 Arbeitslosengeld-II-Empfängern zusammen.



Während die ALG-I-Empfänger von der Agentur für Arbeit betreut werden, werden die ALG-II-Empfänger in Mülheim von der städtischen Sozialagentur betreut. Neben dem nur moderaten Anstieg der Arbeitslosigkeit fällt auch ein leichter Anstieg der freien Stellen auf, die der Agentur für Arbeit gemeldet worden sind. Das waren im Juli immerhin 653 und damit 45 mehr als im Juni.



Ich fragte bei der Leiterin der örtlichen Agentur für Arbeit, Sibylle Lorke, nach den Hintergründen der aktuellen Arbeitsmarktzahlen. Für die Agentur-Chefin sind es vor allem zwei Faktoren, die derzeit den lokalen Arbeitsmarkt stabilisieren: 1. Die Kurzarbeit und 2. der grundsätzlich breite Branchenmix der Mülheimer Wirtschaft.



"Wir sind nicht monostrukturiert und können deshalb Arbeitsplatzverluste leichter ausgleichen", erklärt Lorke. Sie weist in diesem Zusammenhang auf die großen Einzelhandels- und Gewerbeunternehmen, aber auch auf den breiten Mittelstand der Stadt hin. Ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen ist, laut Lorke, im Juli auch unanbhängig von der Wirtschaftskrise nicht ungewöhnlich. Denn in dieser Zeit drängen viele junge Leute auf den Arbeitsmarkt, die ihre Schul- oder Berufsausbildung abgeschlossen haben und nicht immer gleich eine Anschlussbeschäftigung gefunden haben.



Mit konkreten Zahlen zur Kurzarbeit tut sich die Agenturleiterin schwer. Grund: Unternehmen haben drei Monate Zeit, um ihre Kurzarbeit mit der Agentur abzurechnen. Die Stunde der Wahrheit kommt wohl im September, wenn die ersten Unternehmen, die im März Kurzarbeit angemeldet haben, entscheiden müssen, ob sie die Kurzarbeiterregelung fortführen, ihre Krise überwunden haben oder Entlassungen aussprechen müssen.



Grundsätzlich hat Lorke nach einem deutlichen Anstieg der Anmeldung von Kurzarbeit ab März im Juli einen deutlichen Rückgang bei der Anmeldung von Kurzarbeit festgestellt. Im Juli meldeten 37 Firmen Kurzarbeit an, 20 weniger als im Juni. Im gleichen Zeitraum sank der Anstieg der Kurzarbeiterzahlen von 1200 auf 277.

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