Sonntag, 6. Dezember 2009

Das neue Jahrbuch ist da, so bunt, wie die Stadt: Mit bisher 65 Ausgaben wurde es zu einer Mülheimer Enzyklopädie: Ein Gespräch mit seinem Redakteur




Seit gestern ist es im Buchhandel, im Zeitschriftenhandel und im MST-Infocenter am Medienhaus zu kaufen, das 65. Jahrbuch der Stadt, eine der ältesten Publikationen Mülheims. Ich sprach mit seinem verantwortlichen Redakteur, dem Stadtfotografen Walter Schernstein über das Jahrbuch im Allgemeinen und über seine neuste Ausgabe im Besonderen.

Wer schreibt eigentlich das Jahrbuch?
Das sind ganz verschiedene Leute, die aus allen Schichten kommen: Fachleute, Bürger, Historiker, Journalisten. Meistens ist es so, dass wir bestimmte Leute als Autoren ansprechen oder sie sich selbst bei uns melden, weil ihnen ein Thema am Herzen liegt.

Warum lohnt sich die Lektüre des Jahrbuches 2010?
Ein Schwerpunkt des neuen Jahrbuchs ist ein Ausblick auf die Kulturhauptstadt 2010 mit einem Beitrag über Cinecitta und die Eichbaum-Oper. Zur Kulturhauptstadt 2010 passt auch Hans Georg Hötgers Beitrag: Nur eine Stunde bis zur Türkei, in dem er die Kulturlinie 901 beschreibt, die von Mülheim nach Duisburg führt. Ein weiterer Themenschwerpunkt könnte mit dem Titel Mülheim bildet überschrieben werden. Zu diesem Thema haben Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, aber auch Schüler der Willy-Brandt-Schule und des Otto-Pankok-Gymnasiums größere Texte geschrieben.

Weitere kulturelle Beiträge sind zum Beispiel der Woodhouse Jazzband und dem 100. Geburtstag des städtischen Kunstmuseums gewidmet. Außerdem findet sich im Jahrbuch ein Beitrag aus dem kirchlichen Leben, in dem die Umwandlung der ehemaligen Pfarrkirche Heilig Kreuz in eine Urnenbegräbnisstätte mit Auferstehungskirche und Trauerzentrum beschrieben wird. Dazu passt auch ein Bericht über die erstmals in der Petrikirche abgehaltene Trauerfeier für Verstorbene, die keine Angehörigen mehr haben.

Wer bezahlt eigentlich das Jahrbuch? Kann man so eine Publikation kostdeckend herausgeben?
Das Jahrbuch ist nicht nur kostendeckend, sondern wirft sogar noch einen kleinen Überschuss ab, der wiederum in die Produktion des darauffolgenden Jahrbuches, aber auch in andere lokale Projekte investiert wird. So unterstützt der Mülheimer Verkehrsverein als Herausgeber des Jahrbuchs mit den Verkaufserlösen zum Beispiel den Mülheimer Fassadenwettbewerb, aber auch Veranstaltungen in der Freilichtbühne oder auf dem Kirchenhügel. Neben den Verkaufserlösen, jedes der 4500 Exemplare kostet 14,80 Euro, wird das vom Verkehrsverein und von der Stadt getragene Jahrbuch auch durch Anzeigen finanziert. Was besonders wichtig ist: Wir haben viele Autoren, die kostenlos für uns arbeiten. Das ist auch eine Form der Unterstützung, nach dem Motto: Bürger schreiben für Bürger.

Wird die gesamte Auflage verkauft und wer kauft und liest das Jahrbuch?
Die typischen Käufer und Leser des Jahrbuches sind sicher in der älteren Generation zu suchen, weil sie sich am ehesten mit der Geschichte Mülheims auseinandersetzen. Wir haben ja immer viele historische Beiträge. Das Jahrbuch wird auch von vielen Leuten gekauft, die es seit Jahren sammeln. Es wird aber auch von vielen gekauft, die nicht mehr hier wohnen, aber noch eine Beziehung zu Mülheim haben. Manche verschicken Bücher auch an Freude und Nachbarn, die heute im Ausland leben. Wir haben Bücher, die jedes Jahr nach Frankreich, USA oder Kanada, aber natürlich auch in die Partnerstädte gehen.

Viele Städte haben ihr Jahrbuch eingestellt. Warum braucht Mülheim eins?
Es macht auf jeden Fall Sinn, bestimmte Dinge über den Tag hinaus festzuhalten, weil sie für diese Stadt von Bedeutung sind oder waren. Es macht auch Sinn, das Jahrbuch zu sammeln, weil viele Beiträge der verschiedenen Jahrbücher aufeinander aufbauen, etwa beim Thema Ruhrbania. Wenn dieses Stadtentwicklungsprojekt eines Tages abgeschlossen sein wird, wird man seine Geschichte in den Jahrbüchern nachlesen können.

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