Montag, 7. Dezember 2009

Mehr als nur ein sportliches Großereignis: Die MükaGe richtete ein Qualifikationsturnier für die Deutschen Meisterschaften im Karnevalstanz aus



Hier trafen sich Karneval und Leistungssport. Zum 42. Mal war die Erste Große Mülheimer Karnevalsgesellschaft von 1937 (MüKaGe) Gastgeberin eines Qualifikationsturniers für die Deutschen Meisterschaften im Karnevalstanz. 50 ehrenamtliche Helfer der MüKaGe sorgten vor und hinter der Bühne dafür, dass die Turnierveranstaltung mit 1400 Aktiven aus ganz Deutschland in der Harbecke-Halle an der Mintarder Straße glatt über die Bühne ging. Sportlich hieß es am Ende für die unermüdlichen Gastgeber: "Dabei sein ist alles." Denn ihre 16 Gardedamen fanden sich mit insgesamt 403 Punkten auf einem Platz im hinteren Mittelfeld und konnten sich damit vorerst noch nicht für das Halbfinale der Deutschen Meisterschaften qualifizieren, das im März in Hannover und Ludwigshafen über die Bühne gehen wird, ehe dann das Finale in Stuttgart ausgetragen wird. Die nächste Chance für die MüKaGe-Garde bietet sich bei einem Qualifikationsturnier, das im Februar in Lübeck stattfinden wird. Die Showgarde der MüKaGe trat erst nach Redaktionsschluss auf. Lesen Sie die Reportage auf Lokalseite 2 Die Garde-Damen der MüKaGe zeigten gestern eine ordentliche Leistung, die aber für einen Pokal oder einen Qualifikationsrang nicht ausreichte.

Sonntagmorgen. Zeit zum Kaffeetrinken oder für den Kirchgang. Mit Kaffee, Schnittchen und Co werden die Tanzmariechen und Tanzmajore, die sich in der Saarner Harbecke-Halle tummeln durch die 20 Catering-Damen von der MüKaGe-Müttergarde versorgt. Für den Kirchgang bleibt an diesem zweiten Adventssonntag keine Zeit, nur für ein Stoßgebet: Möge der Auftritt gelingen. Die gehen im Fünf-Minuten-Takt über die Bühne. Jeweils 120 hatte der Vorsitzende der Ersten Großen Mülheimer Karnevalsgesellschaft, Horst Heinrich, für den Samstag und Sonntag eingeplant. Am Ende sind es nicht ganz so viele, weil einige Tänzerinnen und Garden krankheitsbedingt abgesagt haben. Erst sind die Junioren dran und dann die Aktiven. Das bedeutet: Erst die Unter- und dann die Über-15-Jährigen.Karnevalstanz ist eine echte Trendsportart geworden", sagt Heinrich und verweist darauf, dass das Qualifikationsturnier, das die MüKaGe ausrichtet, schon innerhalb von 24 Stunden ausgebucht war. "Je kleiner die Orte, desto größer die Garden", weiß Heinrich aus Anmeldelisten. Während die gastgebende MüKaGe an diesem Sonntag mit 16 Gardedamen antritt, ist die Garde des TV Flerke mit 17 Aktiven angereist. Flerke im Kreis Soest hat gerade einmal 150 Einwohner. Und auch das westfälische Harsewinkel, dessen Rote-Funken-Garde mit 469 Punkten beim klassischen Gardetanz die Nase vorn hat, gehört mit 24 000 Einwohnern nicht gerade zu den Großstädten im Land. Auf dem Land scheint die Welt der Vereine eine innige zu sein, weil dort fast jeder irgendwo mitmacht. Doch das gilt auch für die MüKaGe.

Die aktiven Tänzerinnen (Tänzer gibt es bei der MüKaGe derzeit nicht) bereiten sich nicht nur auf ihren Garde- und Showtanz vor, sondern helfen auch beim Auf- und Abbau in der Halle oder bei der Einweisung der auswärtigen Gäste. Die 26-jährige Stefanie Watta, die seit 14 Jahren in der Garde mittanzt, hat an diesem Sonntag ein besonders strammes Programm. Weil sie im Einzelhandel tätig ist, muss sie zwischen ihrem Gardeauftritt um 11 Uhr und ihrem Showtanzauftritt auch noch von 13 bis 18 Uhr an ihrem Arbeitsplatz, beim verkaufsoffenen Sonntag in der Innenstadt aktiv werden. Vielleicht ist ja auch die Doppelbelastung vieler Gardetänzerinnen ein Grund dafür, dass die Kondition am Ende nur für 403 Punkte und damit einen Mittelfeldplatz reicht.Es ist zwar sehr anstrengend, aber es macht auch viel Spaß, weil wir alles zusammen machen und nicht nur auf der Bühne als Gruppe unser Bestes geben wollen", sind sich Watta und ihre 18-jährige Gardekollegin Melina Weiß nach ihrem guten, aber eben nicht perfekten Tanzauftritt einig. "Das Lampenfieber ist vor dem Auftritt groß, weil man weiß, dass jeder Schrittfehler gewertet wird. Doch sobald wir auf der Bühne sind, ist die Nervosität vergessen und man entwickelt einen Tunnelblick. Man achtet nur noch darauf, dass die Choreografie stimmt", schildern die Gardedamen die Turniersicht eines Tanzmariechens.

Obwohl Punktrichter Peter Schlößl und seine sechs Kollegen von Amts wegen auf Kostüm, Aufstellung, Chroreografie, Schrittfolge, Schwierigkeitsgrad, Originalität und Kreativität achten müssen, sieht er den Karnevalstanz nicht nur als einen Sport, "sondern als eine gesellschaftliche Aufgabe der Karnevalsvereine, die hier eine aktive Jugendarbeit betreiben."Ähnlich sieht das der ebenfalls ehrenamtlich vor Ort aktive Turnierarzt Hans Bodo Schimmelpfeng. "Wir haben ja heute oft das Problem, dass Jugendliche in einem Sinne aktiv werden, der uns nicht erfreut. Aber das Engagement, das die Jugendlichen hier nicht nur beim Training, sondern zum Beispiel auch dann zeigen, wenn gemeinsam Gardeuniformen geschneidert werden, kann einen nur begeistern und Respekt zollen lassen", begründet der Chirurg, der bisher keine ernsthaften Verletzungen behandeln musste, warum er sich zum siebten Mal als Turnierarzt zur Verfügung gestellt hat. Dass nicht nur bei den aktiven Tänzerinnen der MüKaGe der Teamgeist stimmt, zeigt das Beispiel der Familie Weiß. Melinas Mutter Bettina und ihre Tante Brigitte gehören an beiden Turniertagen zu den Küchenfeen der Müttergarde, die für das leibliche Wohl der Turnierteilnehmer und ihrer zahlreichen Begleiter sorgen. Und Vater Manfred legt zum Beispiel beim Auf und Abbau mit Hand an. Drei Stunden nach Turnierende musste die Halle wieder besenrein sein.Es ist vor allem der Zusammenhalt, der uns Kraft gibt. Wir fühlen uns hier wie in einer großen Familie", sagt Melinas Vater Manfred, der beim Turnier auch ein Auge darauf hat, dass keine Tänzerin über verlorene Hutfedern oder Haarklammern auf der Bühne zu Fall kommt. Bettina Weiß, ihre Schwester Brigitte und Doris Stöters von der Müttergarde formulieren es so: "Wir können bei der MüKaGe nicht nur gut zusammen feiern, sondern auch gut zusammen arbeiten, weil wir uns zusammengehörig fühlen."

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