Dienstag, 9. März 2010

Der neue Ruhrbischof besuchte die Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt


43 Pfarrgemeinden hat das Ruhrbistum Essen. In dieser Woche lernte sein neuer Bischof die Stadtpfarrei St. Mariae Geburt kennen. Auf dem Kirchenhügel traf sich Franz-Josef Overbeck mit Mitarbeitern, Kirchenvorständen und Pfarrgemeinderäten der 19.000 Katholiken zählenden Groß-Pfarrei, zu der neben Mariae Geburt und St. Joseph auch die Filialkirchen Heilg Geist und Theresia-Heimaterde gehören.

Die Umstrukturierungsprozesse im Bistum, daran ließ Overbeck keinen Zweifel, sind nach dem Weggang seines Vorgängers Genn nicht beendet. "Wir sind nicht am Ende einer Entwicklung, sondern mittendrrin", betonte der neue Ruhrbischof. Dass er in langfristigen Zeiträumen denkt, unterstrich der mit 45 Jahren jüngste Bischof Deutschlands mit der Bemerkung: "Wenn der liebe Gott mich gesund sein lässt, werden Sie mich hier noch 30 Jahre als Bischof ertragen müssen."

Was die Katholiken an der Ruhr weiter ertragen müssen, ist das Schrumpfen ihres Bistums. Overbeck geht davon aus, dass die Zahl der katholischen Christen in den kommenden 20 Jahren noch einmal um bis zu 200.000 zurückgehen wird. Die Konsequenz liegt auf der Hand: Die 2006 bereits schmerzlich umstrukturierten Gemeinden des Bistums müssen mit weniger Menschen, weniger Mitarbeitern und so auch mit noch weniger Kirchensteuern auskommen.

Allein vor dem Hintergrund dieser vor allem demografisch und wirtschaftlich verursachten Entwicklung sieht Overbeck keine Alternativen zu Großraum-Pfarreien und der Bereitschaft "über den eigenen Tellerrand zu schauen." Auch wenn der Realist Overbeck den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der katholischen Stadtpfarrei keine rosigen Zukunftsvisionen präsentieren konnte, strahlte er im Gespräch mit ihnen doch so etwas, wie Gelassenheit und Zuversicht aus. "Wir sind nicht mehr Volkskirche, sondern nur noch Kirche im Volk", beschrieb der Ruhrbischof den grundsätzlichen Wandel. Zum Hintergrund: In Mülheim gibt es derzeit noch rund 60.000 katholische Christen. Im Gebiet des 1958 gegründeten Ruhrbistums stellen die rund 900.000 Katholiken nur noch etwa ein Drittel der Bevölkerung.

Ein verstärktes Engagement in der Erwachsenen-Katechese ist für Overbeck ebenso erforderliche wie eine verstärkte ökumenische Zusammenarbeit bei den karitativen Dienstleistungen. Die Gemeinden müssen nach seiner Amsicht künftig auch noch mehr auf die Menschen zugehen, die nur unregelmäßig am Gemeindeleben teilnehmen, "um ihre Herzen zu gewinnen." Die Gemeindeaktiivitäten, so Overbeck, müssten angesichts gewandelter Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt und in der Ganztagsschule, mehr als früher, auf die Wochenenden konzentriert werden.

Die Mitarbeiter der Gemeinden, vom Kirchenmusiker über die Gemeindereferentin bis zur Erzieherin, sieht Overbeck als "Türöffner für die Menschen, zu denen wir als Kirche keinen Kontakt mehr haben." Mit dem Kuratoriumsvorsitzenden des St. Marien-Hospitals, Bernhard Wirtz, ist sich Overbeck allerdings einig, dass auch in Zeiten struktureller Sprazwänge "Caritas und Ökonomie in der Balance bleiben müssen" und die "Pfarrer mehr sein müssen, als die Manager von Großraumpfarreien."
Das Foto zeigt Stadtdechant Michael Janßen und Ruhrbischof Franz Josef Overbeck in der Begegnungsstätte an der Pastor-Jakobs-Straße

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