Freitag, 19. März 2010

Kleine Dinge erhalten die Menschlichkeit oder: Warum Menschen freiwillig ins Altenheim gehen



Wer sich mit Edda Straßburger (rechts) und Jan Dirk Heimbuch unterhält, lernt vor allem eines: Es sind die kleinen Dinge im Leben, die wirklich wichtig sind. Was die beiden zusammen mit 33 anderen ehrenamtlichen Helfern im städtischen Altenheim am Kuhlendahl leisten, hört sich unspektakulär an. Da wird mit Bewohnern gesprochen, gespielt oder einfach nur zugehört. Da wird vorgelesen, gemeinsam gesungen, ein abgerissener Knopf wieder angenäht oder Einkäufe erledigt. Da werden Bewohner im Krankenhaus besucht, Spaziergänge unternommen oder kleine Feste ausgerichtet. Heimbuch, Straßburger und ihre Mitstreiter in Sachen Menschlichkeit können sich die Zeit nehmen, die den 56 hauptamtlichen Pflegekräften im Haus Kuhlendahl oft fehlt.

"Das ist ein sehr harter und schwerer Beruf", sind sich Heimbuch und Straßburger einig, wenn sie bei ihren ein bis zwei Besuchen pro Woche den Arbeitsalltag des Pflegepersonals mitbekommen, das es oft mit altersverwirrten Menschen zu tun hat, die auf Schritt und Tritt Hilfe benötigen. "Sie entlasten die Mitarbeiter und bringen Freude in den Alltag der Bewohner," beschreibt Einrichtungsleiterin Andrea Andres-Lübking (links) den Mehrwert der ehrenamtlichen Unterstützung. Das wichtigste Kapital ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter sieht Anders-Lübking in deren Persönlichkeit und Lebenserfahrung, die sie befähigt, sich auf ganz unterschiedliche Menschen im Altenheim einzulassen.

Natürlich menschelt es auch im Altenheim. "Ich stelle immer wieder fest, dass der Charakter eines Menschen im Alter besonders stark hervortritt, weil er Schwächen weniger gut kaschieren und kompensieren kann." Warum gehen Menschen wie Straßburger und Heimbuch, die mit ihren 80 und 69 Lebensjahren nach einem arbeitsreichen Leben als Medizinisch Technische Assistentin und als Inhaber einer Druckerei selbst das Seniorenalter erreicht haben, freiwillig ins Altenheim? Sowohl Straßburger, die sich bereits seit 20 Jahren als Mitglied eines ökumenischen Kirchenkreises im Haus Kuhlendahl engagiert, als auch Heimbuch, der erst vor einigen Monaten durch das Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) zu seinem Ehrenamt im Haus Kuhlendahl, haben den Wunsch, der Gesellschaft und ihren Mitmenschen etwas zurückzugeben. Beide berichten nicht nur vom guten Gefühl freudig erwartet zu werden oder in strahlende Augen zu schauen. Sie sind sich auch einig, dass ihnen ihr ehrenamtliches Engagement vor allem zwei Dinge beschert hat: den Verlust der Angst vor dem Altenheim und die Dankbarkeit für das eigene Leben.
Dieser Text erschien auch in NRZ und WAZ

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