Montag, 5. April 2010

Der Saarner Heinz Weirauch hat jetzt ein Buch über Nonnen und Pistolen im alten Kloster Saarn geschrieben



Über Kloster Saarn (Foto) ist schon viel geschrieben worden. Hier lebten und arbeiteten von 1214 bis 1808 Zisterzienserinnen. Doch wie ging die Geschichte des Klosters weiter, als es keines mehr war. Darüber hat der gebürtige Saarner Heinz Weirauch jetzt ein Buch geschrieben, das unter dem Titel "Von Nonnen und Pistolen" in der Reihe Zeitschrift des Mülheimer Geschichtsvereins erschienen ist.


Spannend und anekdotenreich lässt sich auf 93 Seiten nachlesen, dass das Kloster nach seiner Aufhebung durch Napoleon zunächst von seiner letzten Äbtissin Agathe von Heinsberg gepachtet und bewirtschaftet wurde, aber dann schon bald einer sehr weltlichen Nutzung als Kaserne und Gewehrfabrik zugeführt wurde. Nach den Nonnen kamen zunächst russische und preußische Soldaten und später die Gewehrfabrik des Sylvestre Trinelle ins Kloster.
Der bezahlte seine Arbeiter zwar gut, führte aber auch ein strenges Regiment. Seine Facharbeiter, die er vor allem aus Frankreich und Belgien nach Saarn geholt hatte, büchsten immer wieder aus, wenn ihr Heimweh zu groß wurde. Dann ließ sie Trinelle von der Polizei steckbrieflich suchen und wieder einfangen, denn als Facharbeiter und Geheimnisträger im Dienste der preußischen Armee durften sie Saarn nur mit ausdrücklicher Erlaubnis ihres Dienstherrn verlassen.


1862 war es mit der Waffenproduktion im Kloster vorbei. Weil die militärisch wichtige Produktionsstätte zu nah an der französischen Grenze lag, wurde sie nach Erfurt verlegt. Produziert wurde im Kloster aber weiterhin, jetzt für den zivilen Bedarf. 1865 zog Wilhelm Backhaus mit seinem Holzhandel und Sägewerk dort ein. Außerdem wurden Teile des Klosters jetzt als Tapetenfabrik und Eisengießerei genutzt.


1906 erwarb dann der Industrielle August Thyssen das Kloster, um hier nach Gutsherrenart eine Landwirtschaft betreiben zu lassen, ehe seine Familie die Anlage in den 30er Jahren der Stadt schenkte. Die nutzte das alte Kloster vor allem als Wohnraum für bedürftige Familien. Für reichlich Protest und die Gründung des Saarner Bürgervereins sorgte damals, dass ein Teil des Klosters dem Straßenausbau der B1 weichen musste.


Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel das Kloster in einen Dornröschenschlaf, aus dem es erst Ende der 70er Jahre durch archäologische Ausgrabungen des Rheinischen Landesmuseums geweckt wurde. Sie gaben den Anstoß für die vom Bistum, der Stadt, dem Land und engagierten Bürgern betriebenen Restaurierung von Kloster Saarn, das heute als Bürgerbegegnungsstätte dient und seit 2008 ein Klostermuseum beherbergt, das vom Verein der Freunde und Förderer von Kloster Saarn betrieben wird.


Heinz Weirauchs Buch "Von Nonnen und Pistolen" ist für 5 Euro im örtlichen Buchhandel, im Klostermuseum Saarn und im Mülheimer Stadtarchiv ab der der Aktienstraße 85 erhältlich.
Weitere Informationen im Internet unter:
www.freunde-kloster-saarn.de sowie im Stadtarchiv Mülheim unter der Rufnummer 0208/455-4260

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