Dienstag, 20. April 2010

Jung, begabt und engagiert: Eindrücke von der Osterakademie in der Wolfsburg



Null Bock. Das gilt nicht für die 25 Oberstufenschüler, die in ihrer zweiten Osterferien-Woche mit Politikern, Managern, Journalisten und Wissenschaftlern über nichts weniger, als über die Zukunft unserer Gesellschaft diskutieren. Sie tun dies im Rahmen einer Osterakademie, zu der die Katholische Akademie Die Wolfsburg mit finanzieller Unterstützung der Landesstiftung Partner für Schule und der Bundeszentrale für politische Bildung hochbegabte Jugendliche aus ganz Nordrhein-Westfalen eingeladen hat.


Energieversorgung, Klimawandel und Mobilität stehen ebenso auf ihrer Agenda wie der Arbeitsmarkt, das Problemkind Schule, die Landtagswahl oder die Erfolgsaussichten von US. Präsident Barack Obama. Ein weites Feld, das die 17- und 18-Jährigen mit Energie und Elan bearbeiten. "Das sind Jugendliche, die viel zu bieten haben. Die Schüler diskutieren mit unseren Referenten und Podiumsteilnehmern auf Augenhöhe", staunt der zuständige Tagungsleiter Matthias Keidel. Das ist nicht selbstverständlich. Denn zu ihren Gesprächspartnern gehören zum Beispiel gestandene Manager, wie etwa der Vorstandschef der RWE Rheinland Westfalen Netz AG, Arndt Neuhaus, oder der Bochumer Werksdirektor von Opel, Manfred Gellrich oder bildungspolitisch versierte Landtagsabgeordnete, wie Klaus Kaiser von der CDU und Renate Hendricks von der SPD.


Letztere müssen sich zusammen mit dem Landeschef der Jungen Liberalen, Marcel Hafke bei der Diskussion über das "Problemkind Schule" zwei Stunden lang auf Herz und Nieren prüfen lassen. Die Diskussion ist sehr dicht und konzentriert. Bei gezielten Fragen nach der Finanzierung von kleineren Klassen, den zum Teil kontraproduktiven Folgen des Turbo-Abiturs oder dem Sinn und Unsinn von Studiengebühren und einem Festhalten am dreigliedrigen Schulsystem oder der zuweilen fraglichen Qualität von Seiteneinsteigern im Lehramt, merken die Politiker schnell, dass sie es hier mit Experten in eigener Sache zu tun haben, die sich nicht mit Wahlkampffloskeln abspeisen lassen.


Am Ende geht die Rechnung der Schüler auf. Neben allen Meinungsunterschieden in strukturellen Fragen gestehen die Politiker parteiübergreifend ein, dass die individuelle Förderung der Schüler durch kleine Klassen, mehr Lehrer und das Aufzeigen konkreter Zukunftsperspektiven verbessert werden muss.


Die Akademieteilnehmerinnen Ramona Raabe aus Königswinter, Sally Rogalla aus Essen und Constanze Kalthoff aus Bochum haben nicht nur nach der Diskussion mit den Landespolitikern das gute Gefühl, "dass unsere Gesprächspartner bereit sind uns genau zuzuhören und unsere Argumente nachzuvollziehen." Das gleiche Kompliment machen sie aber auch ihren Altersgenossen und Akademie-Kollegen. "Wenn wir in der Schule so lernen könnten, wie hier, wäre das mit dem Turbo-Abi gar kein Problem", glaubt Sally Rogalla. Und Constanze Kalthoff resümiert: "Das ist hier ein sehr angenehmer und gar nicht elitärer Kreis von engagierten und interessierten Jugendlichen." Warum opfert man als Schülerin einen Teil seiner Osterferien, um an einer Osterakademie mit dem Oberthema "Begabung und Verantwortung" teilzunehmen?
Ramona, die später als Autorin im Bereich Film und Medien arbeiten möchte ist vor allem "von der Begegnung mit hochkarätigen Persönlichkeiten begeistert, die gar nicht abgehoben sind" und spricht von "einer enormen Horizonterweiterung." Sally, die Wirtschaftsingenieurin werden möchte hat in der Diskussion mit den Wirtschaftsmanagern begriffen, "dass sie nicht nur viel Geld verdienen, sondern auch viel Verantwortung tragen müssen." Für sich selbst zieht sie die Konsequenz, "dass man gerade als Frau frühzeitig Prioritäten setzen muss und zwischen der vollen Ausschöpfung seines Potenzials und einem Familienleben entscheiden muss." Constanze nimmt aus der Osterakademie vor allem den Impuls mit, "dass man seiner Leidenschaft folgen muss." Sie selbst möchte sich beruflich als Juristin mit Recht und Unrecht auseinandersetzen und hat mit einem Praktikum bei der Staatsanwaltschaft bereits den ersten Schritt in diese Richtung unternommen.


Alle drei sind sich aber auch einig, dass man sein Talent auch entfalten sollte, in dem man sich in seinem Umfeld einbringt. Auch das haben sie schon gemacht, sei es in der Obdachlosenhilfe, in der Schülervertretung oder bei den Meßdienern und Pfadfindern.
"Das ist ein ganz wichtiger Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung, der Jugendlichen eine Antwort auf die Frage gibt: Wo stehe ich? und darüber hinaus wertvolle Netzwerke entstehen lässt", beschreibt Tagungsleiter Keidel einen wesentlichen Mehrwert der Oster- und Sommerakademien für begabte Jugendliche.


Dieser Text erschien am 17. April 2010 im Ruhrwort

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen