Sonntag, 11. April 2010

Rückblick: Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen ging in Mülheim vor 65 Jahren der Zweite Weltkrieg zu Ende

Wer Ansichten des alten Mülheims vor 1939 betrachtet, hat manchmal das Gefühl, auf eine andere Stadt zu gucken. Ganze Straßenzüge scheinen verschwunden zu sein. Der historische Fotovergleich macht anschaulich, wie sehr der Zweite Weltkrieg das Gesicht der Stadt verändert hat.

Vor 65 Jahren geht dieser Krieg für die Mülheimer zu Ende, knapp einen Monat vor der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Am 11. April 1945 erreichen amerikanische Soldaten die Stadt. Es sind US-Soldaten der 17. Luftlandedivision und der 79. Infanteriedivision, die die Stadt von Norden und Osten aus kommend einnehmen. Nur vereinzelt, etwa am Dickswall und am Auberg, stoßen sie noch auf den Widerstand des Volkssturms, kommt es zu Schusswechseln und Artilleriebeschuss. Die meisten Männer des Volkssturms legen an diesem letzten Kriegstag einfach ihre Waffen nieder und gehen nach Hause.

Auch die Straßenbahnwagen, die auf der Duisburger Straße als Panzersperren in Stellung gebracht worden sind, stellen für die US-Truppen kein Problem dar. Das gilt auch für die Panzersperren auf der Schloßbrücke. Sie ist die einzige Brücke, die das Kriegsende unbeschädigt überstanden hat, weil Unteroffizier Rudolf Steuer aus Merzig trotz der Drohung mit einem Kriegsgerichtsverfahren ihre Sprengung verweigert hat. Die Stadt wird es ihm später mit der Hilfe beim Wiederaufbau seines Hauses danken.

Mülheim selbst ist eine Trümmerwüste, auf deren Straßen bei Kriegsende 800 000 Kubikmeter Schutt liegen. Fast 5000 Mülheimer haben den Krieg nicht überlebt. Viele erleben das Kriegsende außerhalb ihrer Stadt, etwa in der Kinderlandverschickung oder in der Kriegsgefangenschaft. Bereits am 25. März hatte die Gauleitung die Bürger aufgefordert, die Frontstadt Mülheim zu verlassen. Doch 88 000 sind geblieben, gehen am 11. April 1945 zum Teil sogar ganz normal zur Arbeit.


Mehr Angst als vor den amerikanischen Soldaten, denen sie bevorzugt mit weißen Fahnen und Taschentüchern begegnen, haben die Mülheimer vor den 10 000 Fremd- und Zwangsarbeitern, die das Kriegsende zum Teil unter unmenschlichen Bedingungen überlebt haben. Vereinzelt kommt es jetzt zu Plünderungen und gewaltsamen Übergriffen.
Um die Situation zu entspannen, quartieren die Amerikaner einige Zwangsarbeiter in die vergleichsweise gut ausgestatteten Kasernen an der Kaiser- und an der Zeppelinstraße ein. Als erste Stadtkommandanten übernehmen die US-Majore Mrachek und Keene am Morgen im Rathaus das Regiment und übergeben Oberbürgermeister Edwin Hasenjaeger die ersten Bekanntmachungen der Militärregierung.

Später wird Mülheim Teil der britischen Besatzungszone. Bis 1946 werden 276 Mitarbeiter der Verwaltung entlassen, weil sie als ehemalige Nationalsozialisten als politisch belastet gelten.

Dieser Text erschien am 10. April 2010 in der NRZ

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