Donnerstag, 8. April 2010

Rückblick: Vor 100 Jahren mussten die alten Heißener Mülheimer werden


Nicht nur Dümpten, sondern auch Heißen wurde vor 100 Jahren eingemeindet. Aus den rund 14 000 Einwohnern der Landbürgermeisterei Heißen wurden am 1. April 1910 offiziell Mülheimer. Ihre Eingemeindung sahen die alten Heißener, wenn man der Mülheimer Zeitung glauben darf, „kühl bis ans Herz hinan.“ Das verwundert nicht. Denn was sie an ihrer 32 Jahre zuvor gegründeten Landbürgermeisterei hatten, wussten sie, aber nicht, was sie als Stadtteil im groß gewordenen Mülheim zu erwarten hatten.Zur Landbürgermeisterei hatte nicht nur der gleichnamige Ortsteil, sondern auch Menden, Holthausen, Menden, Raadt, Winkhausen und Haarzopf gehört.


Wer heute nach Spuren der kommunalen Eigenständigkeit Heißens sucht, braucht nur das 1879 errichtete Gebäude der heutigen Sparkasse am Heißener Markt zu betrachten. Dort residierten der erste Landbürgermeister Dietrich Meier und sein Nachfolger Paul Wasse. Als das Heißener Rathaus 1901 auch Sparkasse wurde, zog Bürgermeister Wasse in seine neue Dienstvilla, die gleich neben dem Rathaus errichtet wurde und dort bis heute ebenso steht wie die evangelische Gnadenkirche und die unweit gelegene katholische Josephskirche. Auch die beiden Gotteshäuser entstanden in den 1880er und 1890er Jahren, als Heißen ein selbstständiges Gemeinwesen war.


Dass die Bevölkerung der Landbürgermeisterei von anfangs 8000 auf später rund 14 000 Seelen anwuchs, kam nicht von ungefähr. Denn in Heißen gab es viel zu tun. Allein auf den drei Zechen Rosenblumendelle, Humboldt und Wiesche verdienten um 1900 rund 3000 Bergleute den Lebensunterhalt für ihre Familien. In der ab 1899 entstehenden Colonie Wiesche, die heute allgemein Mausegattsiedlung genannt wird, fanden die meisten ein Heim.Aber auch außerhalb des Bergbaus wurde Geld verdient und ausgegeben, zum Beispiel in der Landwirtschaft oder in einem der rund 300 ortsansässigen Gewerbeunternehmen. Deren Bandbreite reichte von der Bierbrauerei über Schlachthäuser bis zur Schmiedewerkstatt mit Motorenbetrieb.


In einer Zeit ohne Fernsehen und Radio wurde auch in Heißen die Geselligkeit groß geschrieben. 32 Vereine und 33 Gastwirtschaften sorgten um 1900 dafür, dass sich die Heißener nicht nur daheim wie zu Hause fühlen konnten.Bereits elf Jahre vor der Eingemeindung wurde 1899 mit der Einrichtung einer Straßenbahnverbindung eine verkehrstechnische Brücke nach Mülheim geschlagen. Hinzu kamen ein Ausbau der Straßen sowie Post und Sparkasse.


Dieser Text ist am 8. April 2010 in NRZ und WAZ erschienen.

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