Freitag, 2. April 2010

Seit zehn Jahren sorgt der Verein Donum Vitae dafür, dass Frauen und Paare im Schwangerschaftskonflikt nicht alleine gelassen werden


Katholische Schwangerschaftskonfliktberatung gibt es nicht mehr. 1999 verordnete Papst Johannes Paul II. der Kirche den Ausstieg aus der Schwangerschaftskonfliktberatung. Seine Argumentation: Die katholische Kirche dürfe nicht mit einem entsprechenden Beratungsnachweis die Voraussetzung für einen Schwangerschaftsabbruch und damit für die Tötung ungeborenen Lebens schaffen.Dieses Verbot rief vor zehn Jahren auch in Mülheim engagierte Christen auf den Plan, die der Ansicht waren, die katholische Kirche dürfe Frauen im Schwangerschaftskonflikt nicht alleine lassen. Sie gründeten den Verein Donum Vitae, dessen lateinischer Name Programm ist: "Geschenk des Lebens."

Der heute knapp 100 Mitglieder zählende gemeinnützige Verein trägt eine Beratungsstelle, die zu 80 Prozent aus Landesmitteln und zu 20 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert wird. Nur so können Ulla Höhne (Foto) und ihre Kollegin Bettina Bubbat van Hasseln eine Beratung gewährleisten, die, wie sie sagen, "kostenlos, aber nicht umsonst ist."Um ihre anspruchsvolle Aufgabe erfüllen zu können, haben sich die Sozialpädagogin und die Sozialwissenschaftlerin zusätzlich zu Familien- und Gesprächstherapeutinnen ausbilden lassen. Es sind schwere Gespräche, die sie meistens mit Frauen und nur selten mit Frauen und Männern führen, wenn es um die Frage geht: Kann und will ich in meiner jetzigen Lebenssituation Mutter oder Vater werden? Oder: Kann ich die Verantwortung für ein behindertes Kind übernehmen?"Wir beraten ergebnisoffen. Wir wollen niemanden überreden, sondern gemeinsam mit den Betroffenen eine Entscheidung finden, die auch für ihr weiteres Leben gut ist", betont Ulla Höhne.Obwohl Donum Vitae von einem christlichen Menschenbild ausgeht, berät der Verein auch Frauen, die aus dem Islam kommen oder gar keine religiöse Bindung haben.

Dabei stellt Höhne immer wieder fest, dass religiös geprägte Frauen in besonders großer Gewissensnot sind, wenn sie ungewollt schwanger werden. "Ich dürfte eigentlich gar nicht schwanger sein, kann aber auch das Kind nicht bekommen", beschreibt Höhne die moralische und oft auch materielle Zwickmühle, in der viele Klientinnen stecken.Die Frauen, die den Weg zu Höhne und Bubbat van Hassel finden, kommen aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen. "Dabei ist der finanzielle Aspekt nicht unbedingt der Entscheidende, wenn Frauen über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenken", sagt Höhne. Oft seien vielmehr die fehlende Unterstützung durch Partner, Familie oder Arbeitgeber ausschlaggebend..Vor allem die betroffenen Männer verdrängen das Problem viel zu oft. "Ich muss doch nicht zur Psychotante", schilderte eine Klientin Höhne jüngst die Reaktion ihres Partners, als sie ihn bat, mit zur Beratung zu kommen.

Dabei versuchen die beiden Frauen den ungewollt Schwangeren immer wieder klar zu machen: "Sie müssen Ihre Probleme nicht alleine lösen." So helfen die Beraterinnen im Ernstfall auch bei der Beantragung finanzieller Hilfen, etwa in Form des Arbeitslosengeldes II, aber auch mit Geld von der Bundesstiftung Mutter und Kind oder von der katholischen Aktion für das Leben. Sie unterstützen Frauen auch bei der Suche nach einer Wohnung oder vermitteln, wenn es nicht anders geht, einen Platz im Frauenhaus.Trotz aller Aufklärungsarbeit, die auch die Frauen von Donum Vitae etwa vorbeugend in Schulklassen leisten, müssen Höhne und Bubbat van Hasseln oft feststellen, dass ungewollte Schwangerschaften nach wie vor ein angst- und tabubesetztes Thema sind, das in der Gesellschaft gerne verdrängt wird. Am Anfang einer ungewollten Schwangerschaft steht nicht selten ein unzureichendes Wissen über die Wirkung von Verhütungsmitteln. Wer weiß schon, welche Kondomgröße er braucht und wie schnell ein Kondom perforiert und damit unbrauchbar wird, weil Mann es diskret im Portemonnaie mit den Geldmünzen zusammenwirft, oder dass die Wirkung der Pille durch die Einnahme von Antibiotika außer Kraft gesetzt wird.

Stichwort Donum Vitae


Die von der Sozialpädagogin Ulla Höhne und der Sozialwissenschaftlerin Bettina Bubbat van Hassel betreute Beratungsstelle von Domum Vitae findet sich an der Schloßstraße 8-10. Sie ist montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 14 Uhr unter ~ 969 15 15 sowie per E-Mail an muelheim@donumvitae.org erreichbar. Die kostenlosen Beratungsgespräche finden nach Vereinbarung statt.

2009 suchten 259 Frauen und Paare den Rat von Donum Vitae. In 148 Fällen wurde eine Konfliktberatung und in 111 Fällen eine allgemeine Schwangerschaftsberatung durchgeführt. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr bei 557 Beratungsgespräche geführt. Dass der Rat von Donum Vitae zunehmend gefragt ist, macht ein Zahlenvergleich deutlich: So fanden im ersten Beratungsjahr 2001 nur 69 Frauen im Schwangerschaftskonflikt und 28 Schwangere mit allgemeinem Beratungsbedarf den Weg zu Donum Vitae.

Dieser Text erschien am 31. März 2010 in der NRZ

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