Dienstag, 29. Juni 2010

Wie es einer Familie ergeht, weil ein Brandstifter an der Bülowstraße mit dem Sperrmüll zündelte

Weil ein Brandstifter in der vergangenen Woche mit dem Sperrmüll gezündelt und so ein Wohnhaus an der Bülowstraße in Brand gesetzt hat, haben drei Familien, zumindest vorübergehend, ihr Obdach verloren.

Zu den Opfern des Brandstifters gehören auch Melanie H. (35), ihr Mann Manuel (21) und ihre drei Kinder, die fünf Monate sowie sechs und acht Jahre jung sind. Ihren vollen Namen mag die Familie nicht lesen, ihre Bilder nicht in der Zeitung sehen. „Wir sind vorsichtig geworden“, sagt Melanie H.„Manchmal fragt man sich: Oh Gott, was machen wir denn jetzt? Und dann denkt man: Wenn ich dieses Schwein erwische“, beschreibt sie ihre Stimmungslage, die zwischen Verzweiflung und Wut schwankt. Ihren Mann Manuel hat der plötzliche Verlust des eigenen Zuhauses so stark mitgenommen, dass er sich erst mal krank schreiben lassen musste. Die beiden älteren Kinder waren zwischenzeitlich bei Melanies Eltern in Homberg untergebracht.

Jetzt lebt die fünfköpfige Familie vorübergehend im zwölf Quadratmeter großen Arbeitszimmer einer Freundin. Deren Kinder haben Melanies und Manuels Großen Asyl in ihren Zimmern gewährt. „Der Brandsachverständige geht davon aus, dass wir in drei bis fünf Monaten wieder in unsere Wohnung zurückkehren können“, sagt Melanie H. In Kürze kann die Familie auf dem ausgebauten Dachboden einer anderen Freundin unterkommen. „Dann haben wir etwa 50 Quadratmeter und vor allem wieder ein eigenes Bad“. Doch auch dieses Obdach kann nur eine vorübergehende Lösung sein.

Deshalb suchen Melanie und Manuel jetzt eine möblierte Wohnung für die nächsten fünf Monate. „80 Quadratmeter in Broich oder Speldorf wären ideal für uns. Denn hier haben wir auch unser soziales Umfeld, das uns unterstützt“, betont Melanie. Deshalb würden sie und ihr Mann auch nicht so gerne auf eine der städtischen Notunterkünfte in Styrum ausweichen.Im ausgebrannten Haus an der Bülowstraße lebte die fünfköpfige Familie in einer 120 Quadratmeter großen Erdgeschosswohnung, für die sie eine monatliche Warmmiete von 900 Euro zahlte.

„Ich dachte, sie hätte einen Alptraum“, erinnert sich Melanie H. an den frühen Donnerstagmorgen, als ihre Tochter sie mit dem Schrei: „Es brennt“, aus dem Schlaf riss. Es war ein Alptraum, aber einer, der Wirklichkeit geworden war. Kinderwagen, Schlafanzug, Jeans und Bademantel, zwei Meerschweinchen und eine Katze. Das war alles, was Familie H. aus dem brennenden Haus retten konnte.Nicht nur „die sehr kompetente Feuerwehr“, sondern auch Nachbar Dieter Moog empfand Familie H. in den ersten Stunden als große Hilfe. Moog und seine Familie holten die Obdachlosen ins Haus, gaben ihnen zu essen und zu trinken und das eine oder andere Kleidungsstück.Die Möbel, Kleidungsstücke und Spielsachen im Kinderzimmer der Familie H. sind durch das Feuer restlos zerstört worden. Die Möbel und Kleidungsstücke in den anderen Räumen der Wohnung haben den Brand zwar zum Teil überstanden, müssen aber derzeit von einer Reinigungsfachfirma auf ihre weitere Verwendbarkeit überprüft werden. Denn beim Sperrmüllbrand an der Bülowstraße wurde auch Kunststoff entflammt, der wiederum giftige Dämpfe und Substanzen freisetzte, die nicht nur die neue Küche der Familie H. unbrauchbar gemacht hat.

Was Melanie H. in der Stunde der Not erleichtert, ist die überraschend große Hilfsbereitschaft von Freunden und Nachbarn, wie der Familie Moog, aber auch die Zusage ihrer Hausratversicherung, die entstandenen Schäden unbürokratisch zu begleichen. Derzeit machen Manuel und Melanie H. eine erste Auflistung. Die endgültige Schadenshöhe lässt sich aber erst dann ermitteln, wenn die Reinigungsfirma festgestellt hat, welche Möbel und Kleidungsstücke nach einer aufwendigen Reinigung wieder verwendet werden können. Doch viele Dinge, wie zum Beispiel die Familienfotos, sind für kein Geld der Welt neu zu kaufen.

Wer der Familie H. für die kommenden Monate eine möblierte Wohnung vermieten möchte, kann sich per E-Mail unter: lok.muelheim@nrz.de an die NRZ-Lokalredaktion wenden .

Dieser Text erschien am 29. Juni 2010 in der NRZ

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