Sonntag, 4. Juli 2010

Das Leben ist eine Baustelle, auch beim Sommerfest, zu dem in der vergangenen Woche die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Dümpten einlud. Da wurden zum in einer Legostadt rund 500 000 Bausteine verbaut. Doch die Gemeinde wollte es nicht bei Spiel und Spaß belassen und lud deshalb am Vorabend ihres Sommerfestes zu einer Diskussion über den Wert des Ehrenamtes: „Ehrenamt! Was bringt es?“ wurde da gefragt. Allein der Aufbau des beachtlichen Festzeltes, das war auf den ersten Blick zu erkennen, war nur mit vielen ehrenamtlichen Helfer zu schaffen. Das allein schon war ein großer Kraftakt für eine Gemeinde mit gerade mal 57 Mitgliedern.„Wir sind nur stark, wenn wir hier im Stadtteil zusammenhalten“, machte der Vorsitzende des rund 500 Mitglieder starken Dümptener Bürgervereins, Bernd Lüllau, deutlich: ob Wandergruppe und Bewahrung des Hexbachtales oder Lärmschutz an der A40 und Erhalt von Buslinien. Lüllau sieht vor Ort ein breites Betätigungsfeld für bürgerschaftliches Engagement. Und er sieht vor allem die ältere Generation in der Pflicht, ihr Wissen im Rahmen des Ehrenamtes an die junge Generation weiterzugeben.Dass auch wenige viel erreichen können, zeigte der Beitrag von Horst Schiffmann, der mit fünf Mitstreitern auf ehrenamtlicher Basis die Bürgerbegegnungsstätte im Alten Bürgermeisteramt an der Mellinghofer Straße betreibt und mit einem Frühstückstreff am jedem Mittwoch zwischen 8 und 12 Uhr einen geselligen Anlaufpunkt geschaffen hat, den vor allem viele ältere Menschen im Stadtteil nicht missen möchte.„Dass man sich in der Nachbarschaft und in der Familie gut versteht und sich gegenseitig hilft, das stirbt nicht aus“, gab sich Klaus Beese von der Siedlergemeinschaft zuversichtlich, auch wenn er feststellen muss, dass auch in seiner Vereinigung, der rund 60 Familien mit 200 Personen angehören, das ehrenamtliche Engagement vor allem von den Älteren getragen wird.Christina Hartmann vom Springenden Punkt St. Barbara und André Passmann vom Jugendzentrum an der Nordstraße konnten aber aus ihrer Praxis berichten, dass Jugendliche in ihren Einrichtungen nicht nur passiv ihre Freizeit genießen, sondern sich auch als ehrenamtliche Helfer einbringen und so die hauptamtlichen Mitarbeiter unterstützen. Sei es bei der Organisation eines Nachwuchsbandfestivals oder durch die Leitung eines Tanzkurses. „Es geht für Jugendliche vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln“, betonte Passmann, der selbst in der Jugendarbeit vom Ehrenamtler zum Hauptamtler wurde.Eva Winkler vom Centrum für bürgerschaftliches Engagement machte mit Blick auf Neuntklässler der Gustav-Heinemann-Schule, die im Rahmen ihres Unterrichts regelmäßig als Helfer in Altenheime und andere gemeinnützige Einrichtungen des Stadtteils gehen, deutlich, „dass man Verantwortung lernen kann.“ Sie plädierte grundsätzlich dafür, die ehrenamtliche Arbeit in Gemeinden, Vereinen und Verbänden „in kleine Päckchen zu stückeln und sie so auf möglichst viele Schultern zu verteilen, um niemanden zu überfordern.„Ehrenamt macht Freude“, erklärte Ursula Scholten vom Dümptener Seniorenclub denn auch die Motivation für ihr eigenes Engagement.

Dieser Text erschien am 1. Juli 2010 in NRZ und WAZ

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