Freitag, 30. Juli 2010

Krisen und Kastastrophen: Was soll, was darf mein Kind sehen? Ein Erziehungsberater gibt Tipps



Ob in der Zeitung, im Fernsehen oder im Internet. Man kann derzeit den grausamen Bildern der Loveparade-Katastrophe nicht entgehen. Angesichts der Horrorszenarien, mit denen sie selbst in den Nachrichten konfrontiert werden, mögen sich manche Eltern bangen Herzens fragen, wie wirkt das auf meine Kinder? Was kann ich ihnen zumuten? Wovor muss ich sie schützen, um ihre Seelen vor Schaden zu bewahren?



Der Leiter der der Evangelischen Erziehungsberatungsstelle, Dr. Franz Maurer (52), Diplom-Psychologe und Vater eines zehnjährigen Sohnes, rät Eltern grundsätzlich, auf die Signale ihrer Kinder zu achten und immer gesprächsbereit zu sein, statt restriktiv auf Verbote zu setzen.Während er es für unrealistisch hält, Jugendliche von der zum Teil verstörenden Bilder- und Informationsflut ganz abzuschirmen, ist es aus seiner Sicht notwendig, Kinder vor allzu belastenden Bildern zu behüten und Informationen gezielt zu kanalisieren, zumal Kinder sehr viel emotionaler auf Katastrophenbilder reagierten als Erwachsene.Als ausgesprochen empfehlenswert sieht Maurer die Kindernachrichten Logo in der ARD und im Kinderkanal Kika, weil sie die Ereignisse in Duisburg und andere Katastrophen in der Welt altersgerecht aufbereitet haben.



Die Tagesschau und andere Fernsehnachrichten sollten sich Eltern nur gemeinsam mit ihren Kindern anschauen, um das Gesehene anschließend besprechen zu können.Kinder im Vorschulalter sollte nach Maurers Meinung nur Kindernachrichten anschauen und das auch nur zusammen mit ihren Eltern.„Eltern sind immer ein Modell für ihre Kinder“, sagt der Erziehungsberater sowohl mit Blick auf den Medienkonsum als auch auf den Umgang mit schockierenden Katastrophenbildern. „Man sollte Gefühle nicht wegreden, aber auch nicht in Panik verfallen.

Man sollte mit Kindern über Ängste reden, wenn sie fragen, ihnen aber auch kein Gespräch darüber aufdrängen“, rät Maurer und sieht vor allem den Elternteil als besonders geeigneten Gesprächspartner, der selbst die Ereignisse schon etwas besser verarbeitet hat.“ Es könne, so glaubt er, für Kinder auch etwas Beruhigendes haben, wenn sie sähen, dass zwar etwas Schreckliches geschehen sei, ihre Eltern aber gut damit umgehen könnten. Dass Kinder unter dem Eindruck von Katastrophenbildern Ängste entwickeln, ist aus Sicht des Erziehungsberater nicht besorgniserregend. Psychologischer Rat sollte erst dann gesucht werden, wenn diese Ängste über mehrere Wochen anhalten.

Bei Jugendlichen, die sich vor allem im Internet oft besser auskennen, als ihre Eltern, rät Mauerer Eltern, ihre Vorbildrolle mit dem eigenen Medienkonsum wahrzunehmen und mit ihren Kindern ganz offen darüber zu sprechen, dass es gerade im Internet Bilder und Filme gibt, die man sich auch als Erwachsener besser nicht anschauen sollte, weil sie zu verstörend sein könnten. Nur solche intensive Gespräche und das eigene Beispiel könnten Jugendlichen „ein kritisches Bewusstsein für den Umgang mit Medien vermitteln.“ Über seine eigene Medienentwicklung sagt Maurer: „Auch für mich gab es Bilder, die ich zu einer bestimmten Zeit besser nicht gesehen hätte.“

Die Evangelische Beratungsstelle für Erziehungs- Ehe- und Lebensfragen am Hagdorn 23 ist telefonisch unter der Rufnummer: 32014 erreichbar. Weitere Informationen im Internet unter: www.beratugstelle.kirche-muelheim.de

Dieser Text erschien am 27. Juli 2010 in der NRZ

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