Sonntag, 30. Januar 2011

Kirche im Umbruch: Evangelischen Gemeinden fusionieren: Zum Beispiel im Norden


"Wir haben erkannt, dass eine Fusion die beste Möglichkeit ist, um langfristig leistungs- und funktionsfähig zu bleiben", betont die Dümptener Pfarrerin Gundula Zühlke (Foto), die den Bevollmächtigtenausschuss der neuen Gemeinde leitet. "Wir haben einen größeren Spielraum," glaubt ihr Ausschusskollege und Finanzkirchmeister Hans-Joachim Behr und verweist darauf, dass die neue Lukasgemeinde mit ihrem 2,5-Millionen-Euro-Haushalt in Person von Simon Sandmann jetzt einen neuen hauptamtlichen Jugendleiter einstellen konnte und fast 40 Mitarbeiter aus den alten in die neue Gemeinde mitgenommen wurden. Nur eine Büro- und eine Reinigungskraft sowie ein Hausmeister haben ihren Arbeitsplatz verloren.

Außerdem hat sich die neue Gemeinde im Zuge des Fusionsprozesses von den Gemeindezentren an der Neustadtstraße in Styrum, an der Helenenstraße in Dümpten und am Goetheplatz im Dichterviertel getrennt. Für 2013 ist auch die Aufgabe des Jugendhauses Oase an der Aktienstraße geplant. Erhalten bleiben die Kirchen und Gemeindehäuser an der Oberheidstraße 231, an der Kaiser-Wilhelm-Straße 21a und der Albertstraße 86 sowie an der Aktienstraße 136. Der Verkauf der aufgegebenen Immobilien sowie eines ehemaligen Gemeindehausgrundstücks an der Mellinghofer Straße sollen neues Geld in die klammen Kirchenkassen bringen. Angesichts sinkender Kirchensteuereinnahmen und Gemeindegliederzahlen geht Finanzkirchmeister Behr davon aus, dass die Lukasgemeinde in den nächsten fünf Jahren rund 450.000 Euro einsparen muss. Rechnet er den Haushalt der Markuskirchengemeinde dazu, deren Beitritt noch in diesem Jahr als wahrscheinlich gelten darf, kommt er auf eine Einsparungssumme von etwa 700.000 Euro für die nächsten fünf Jahre.

Doch die neue Lukasgemeinde will nicht nur sparen, sondern auch investieren. So soll der Styrumer Immanuelkirchturm weiter restauriert und die Kindertagesstätte Kunterbunt am Schildberg für die Betreuung von Unter-Dreijährigen um- und ausgebaut werden. Das Nachbargebäude, das früher von der evangelischen Familienbildungsstätte genutzt wurde, soll für die bisher an der Helenenstraße beheimatete Jugendetage hergerichtet werden. Der Um- und Ausbau der Kita Kunterbunt schlägt mit 620.000 Euro zu Buche, von denen die Gemeinde 225.000 Euro tragen muss. Zu 100 Prozent wird die Gemeinde dagegen die mit 300.000 Euro veranschlagte Turmrestaurierung in Styrum finanzieren müssen.

Zühlke, Behr und Kirchbaumeister Volker Schrödter sind sich darin einig, dass der Beitritt der ebenfalls im Norden gelegenen Markuskirchengemeinde sinnvoll und wünschenswert ist und signalisieren die Gesprächsoffenheit der neuen Lukasgemeinde. Sozialvermarktungskonzepte, wie jetzt für das Winkhauser Gemeindezentrum am Knappenweg diskutiert, hält Schrödter in Zeiten sinkender Kirchensteuereinnahmen für eine grundsätzlich bedenkenswerte Option zur Lösung von Finanzierungsproblemen.

Die neue Lukasgemeinde: Die am 1. Januar 2011 im Mülheimer Norden gebildete evangelische Lukasgemeinde besteht aus den bisherigen Gemeinden Dümpten, Johannis und Styrum. Die neue Gemeinde hat 12?000 Mitglieder und fünf Pfarrer. Ab 2013 werden es noch vier sein. Zum Vergleich: 2005 hatten die drei alten Teilgemeinden der neuen Lukasgemeinde zusammen noch knapp 13?800 Mitglieder. Sollte die Markuskirchengemeinde zum 1. Juni beitreten, hätte die neue Nord-Gemeinde 17?000 Mitglieder und weitere drei Pfarrer aus Markus.Bis zur Wahl eines neuen Presbyteriums 2012 wird die Gemeinde von einem Bevollmächtigtenausschuss geleitet, der sich unter dem Vorsitz von Pfarrerin Gundula Zühlke aus jeweils fünf Vertretern der alten Teilgemeinden zusammensetzt und durch den Kreissynodalvorstand berufen worden ist. Die Mitglieder dieses Bevollmächtigtenausschusses wurden am 30. Januar, mit einem Gottesdienst in der Styrumer Immanuelkirche an der Kaiser-Wilhelm-Straße in ihr Amt eingeführt.

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