Sonntag, 20. März 2011

Die Dümptener Gemeinde St. Barbara erinnerte an eine starke Frau: Elisabeth Groß wurde vor 110 Jahren geboren


In einer Zeit, in der mehr als jede dritte Ehe geschieden wird und die Patchworkfamilie als der Normalfall erscheint, fragen sich viele Menschen, ob Ehe und Familie noch ein tragfähiges Lebensmodell sein können. Dass sie dies sehr wohl sein können, wenn sich beide Partner vom christlichen Fundament aus Liebe, Glaube und Hoffnung tragen lassen, machte die Hommage deutlich, mit der die Dümptener Gemeinde St. Barbara am 11. März den 110. Geburtstag von Elisabeth Groß feierte.


Diakon Bernhard Groß, der an der Gedenkstunde in St. Barbara teilnahm, nannte das Eheleben seiner Eltern ein Beispiel dafür, "dass es einen tieferen Sinn hat, wenn sich Paare an ihr Eheversprechen halten und in guten wie in bösen Tagen beieinander bleiben." So war die Erinnerung an das außergewöhnliche Lebens- und Glaubensbeispiel für die 80 Zuhörer in St. Barbara ein willkommener geistlicher Impuls für die soeben begonnene Fastenzeit.
Die Bochumer Schauspielerin Maria Wolf und Ralf Schumacher, der in dem seit 1997 von Gemeindemitgliedern immer wieder aufgeführten Nikolaus-Groß-Musical den ebenfalls im Kampf gegen Hitler ums Leben gekommenen Dr. Otto Müller spielt, lasen Texte von Elisabeth und Nikolaus Groß, die ebenso wie die Texte anderer Zeitzeugen und Wegbegleiter deutlich machten, dass auch für den Arbeiterführer, Journalisten, Familienvater und Widerstandskämpfer Nikolaus Groß galt: Hinter jedem starken Mann, steht eine starke Frau.
Diese starke Frau lernte Nikolaus Groß 1920 kennen und lieben. 1923, auch damals schon in wirtschaftlich und politisch schwieriger Zeit, gaben sie sich das Jawort für das gemeinsame Leben, das sie später mit sieben Kindern teilten. Nach der Ermordung ihres Mannes durch die Nazis musste Elisabeth Groß diese sieben Kinder allein erziehen und ernähren. Neben dieser schweren Aufgabe engagierte sie sich in Kirche und Gesellschaft, etwas bei der Mitarbeit in Entnazifizierungsausschüssen oder in der CDU und in der Katholischen Frauengemeinschaft KFD. Sechs Jahre vor ihrem Tod (1972) wurde ihr Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.


An dem Tag, an dem Elisabeth Groß, wie es ihr Sohn Bernhard formulierte: "ihr 110. Lebensjahr in Gottes zeitloser Ewigkeit vollendet hat" erlebten die Besucher in St. Barbara nicht nur in Texten, sondern auch in den von Verena Rützel gesungenen und dem Organisten Burkhard Maria Kölsch, der Violinistin Gabi Gräfe und der Fötistin Cornelia Bentlage musikalisch begleiteten Elisabeth-Groß-Liedern aus dem Nikolaus-Groß-Musical, dass uns Elisabeth und Nikolaus Groß mit ihrem großen Gottvertrauen und ihrer großen Liebe noch viel zu sagen haben. "Sie haben eine Liebe gelebt, die man heute als Ehepaar vielleicht nicht erreichen, aber doch als Ideal anstreben kann", glaubt Lektor Ralf Schumacher: Und seine Mitlektorin Maria Wolf (Foto), die unter anderem aus Nikolaus Groß‘ Buch "Sieben um einen Tisch" las, findet als Mutter wegweisend, dass Groß seine Kinder als "liebe Gäste" bezeichnete, denen man durch Führung und Freiheit rechtzeitig helfen müsse, zu brauchbaren Menschen heranzureifen.


Elisabeth Groß erinnerte sich 1964 in der Ketteler Wacht: "Es war eine, grausame, herzzerbrechende und doch gnadenreiche Viertelstunde. Ich höre noch die bestimmten Worte des SS-Mannes: "Die Viertelstunde ist zu Ende." Wir nahmen Abschied voneinander, indem wir uns gegenseitig das Zeichen des Kreuzes auf die Stirn machten, und tief seufzte er: "Auf Wiedersehen in einer besseren Welt." (...) "Dann begann für mich eine harte Zeit, allein mit sieben unversorgten Kindern. Und doch darf ich sagen: wenn ich in Not und Verzweiflung war, habe ich das Bild meines Mannes angeschaut und ihn um Hilfe gebeten. Und Gott hat dann immer wunderbar, oft wirklich durch ein Wunder, geholfen."


Nikolaus Groß schreibt in seinem Abschiedsbrief im Januar 1945: "Besonders Dir, liebe Mutter, muß ich noch danken. Als wir uns vor einigen Tagen für dieses Leben verabschiedeten, da habe ich, in die Zelle zurückgekehrt, Gott aus tiefem Herzen gedankt für Deinen christlichen Starkmut. Ja, Mutter, durch Deinen tapferen Abschied hast Du ein helles Licht auf meine letzten Lebenstage gegossen. Schöner und glücklicher konnte der Abschluß unserer innigen Liebe nicht sein, als er durch Dein starkmütiges Verhalten geworden ist. Ich weiß: Es hat Dich und mich große Kraft gekostet, aber daß uns der Herr diese Kraft geschenkt, dessen wollen wir dankbar eingedenk sein."


Dieser Beitrag erschien am 18. März 2011 im Ruhrwort

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