Dienstag, 5. Juli 2011

Bei der Weltmeisterschaft sind die deutschen Fußball-Frauen auf der Erfolgsspur: Aber wie ist es um den Mülheimer Frauenfußball bestellt?

Kaum zu glauben, dass Frauenfußball bis 1970 beim Deutschen Fußballbund Tabu war. Inzwischen ist die Frauennationalmannschaft als mehrfache Welt- und Europameisterin ein Aushängeschild des deutschen Fußballs. Am Samstag steht sie bei der Frauen-WM im eigenen Land gegen Japan im Viertelfinale. Viele schauen auf die Nationalkickerinnen und drücken die Daumen, damit es mit dem dritten Titel in Folge klappt.

Doch wie sieht es mit dem Frauen- und Mädchenfußball in Mülheim aus?Gisela Schmitz kennt sich aus. Über ihren Sohn zum Fußball gekommen, engagiert sie sich seit 20 Jahren als Vorstandsfrau im Verband Mülheimer Fußballvereine sowie im Fußballverband Niederrhein und im Westdeutschen Fußballverband, dessen Vize-Vorsitzende sie ist.„Der Mülheimer Mädchen- und Frauenfußball stagniert. Wir hatten mal über 20 Prozent Zuwachs pro Jahr. Das gibt es nicht mehr“, sagt Schmitz.

Sie kann sich zwar vorstellen, dass die Frauenfußballweltmeisterschaft zu einem gewissen Schub für den lokalen Frauenfußball führen könnte. Doch ihr Erwartungen in diese Richtung sind nicht euphorisch. Gerade mal drei von 16 Mülheimer Fußballvereinen, der Turnerbund Heißen, der MSV 07 und der TSV Heimaterde, haben Frauen- oder Mädchenmannschaften. Die Zahl der aktiven Fußballerinnen schätzt sie auf etwa 200, die durchschnittliche Zuschauerzahl bei Frauenfußballspielen mit Mülheimer Beteiligung auf 50 bis 70. Dabei spielen die Fußballdamen des Turnerbundes Heißen immerhin in der Niederrheinliga und damit in der vierthöchsten Spielklasse.

Außerdem erinnert sich die Fußballfachfrau an eine Frauenmannschaft beim Post SV, die unter ihrem Trainer Bernd Brattge in den 70er und 80er Jahren sehr erfolgreich spielte. Nur kurzlebig war dagegen die 1978 gegründete Frauenmannschaft von Rot Weiß Mülheim. Das gleiche Schicksal erlitt die Mädchenmannschaft des Tuspo Saarn. Warum hat es der Frauenfußball in Mülheim so schwer? „In vielen Vorständen gibt es noch alte Zöpfe. Das Potenzial der Mädchen und Frauen bei der Mitgliedergewinnung ist leider noch nicht überall erkannt worden.

Vielleicht führt die Frauen-WM da zu einem Umdenken“, analysiert Schmitz die Lage.Das oft gehörte Argument, es fehle an Umkleidekabinen und Toiletten für Frauen, hält sie für vorgeschoben. Schmitz weiß aus Erfahrung, dass sich auch manche Trainer mit Frauen und Mädchen schwertun, „weil die gerne alles hinterfragen und genau wissen wollen, warum sie was wie machen sollen.“ Die meisten Eltern, so Schmitz, hätten heute kein Problem mehr damit, wenn ihre Tochter kickt. Und für die Mädchen selbst sei „Fußball heute ein Sport, wie jeder andere.“

Bliebe aus gegebenem Anlass noch die Frage, ob die deutsche Mannschaft im eigenen Land ihren dritten WM-Titel holen kann: „Das wird kein Selbstläufer für Deutschland“, sagt Schmitz und sieht neben den Asiatinnen auch die Französinnen, die Brasilianerinnen und die Amerikanerinnen als mögliche Titelaspirantinnen.

Dieser Text erschien am 25. Juni 2011 in der NRZ

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