Donnerstag, 13. September 2012

Joe Biden oder Paul Ryan? Der nächste Vizepräsident der USA wird auf jeden Fall ein Katholik

Der nächste Vizepräsident der USA wird auf jeden Fall ein Katholik sein. Denn mit dem amtierenden Vizepräsidenten Joe Biden von den Demokraten und Paul Ryan von den Republikanern haben die beiden Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und Mitt Romney jeweils einen Katholiken als Mitbewerber ausgewählt.


Ryan und Biden treten damit in die Fußstapfen von Alfred Smith und John F. Kennedy, die als erste Katholiken 1928 für das Präsidentenamt kandidierten und im Fall Kennedys 1960 auch zum Präsidenten gewählt wurden. Ebenso wie Smith und Kennedy war auch der bisher letzte katholische Präsidentschaftskandidat John Kerry ein Demokrat. Er musste sich in seinem Wahlkampf 2004 aber nicht mehr mit dem Vorwurf auseinandersetzen, im Falle seiner Wahl würde der Papst in Washington mitregieren.

Ryan und Biden sind unter den rund 63 Millionen Katholiken Amerikas, die in den Bundesstaaten New Mexico, Rhode Island und Massachusetts die Bevölkerungsmehrheit stellen, keineswegs unumstritten. Der 69-jährige Biden, der vor seinem Amtsantritt als Vizepräsident 36 Jahre dem US-Senat angehörte, wo er den Bundesstaat Delaware vertrat, wird vor allem von konservativen Katholiken für seine moderate Haltung in der Abtreibungsfrage kritisiert. Biden verteidigt, anders, als sein republikanischer Rivale Ryan das geltende Abtreibungsrecht. Danach sind Abtreibungen unter anderem in Fällen von Vergewaltigung und Inzest möglich.

Der aus Wisconsin stammende Katholik Ryan, der seit 1999 dem Repräsentantenhaus angehört und dort seit 2006 den Haushaltsausschuss führt, sieht sich dagegen als konsequenten Lebensschützer, der eine Abtreibung auch in diesen Extremfällen ablehnt. Auch die gesetzliche Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften lehnt Ryan, anders als Biden, ab.

Vor allem von liberalen Katholiken wird Ryan allerdings dafür kritisiert, dass sein 2011 veröffentlichter Haushaltsplan „The Path to Prosperity“ („Der Weg zum Wohlstand“) das amerikanische Haushaltsdefizit vor allem durch den Abbau staatlicher Sozialleistungen reduzieren will. Anders als die demokratischen Amtsinhaber Obama und Biden, lehnen die Republikaner auch ein staatliches Sozial- und Rentenversicherungssystem ab und plädieren statt dessen für privaten Versicherungsschutz.

Ryan, der sich grundsätzlich zur katholischen Soziallehre bekennt, hat in seinen öffentlichen Äußerungen immer wieder betont, dass künftige Generationen und gerade Bedürftige unter den Folgen einer steigenden Staatsverschuldung langfristig viel mehr zu leiden hätten, als unter einer rechtzeitigen und konsequenten Haushaltskonsolidierung. Kritiker werfen Ryan allerdings vor, dass sein Sparwille sich nicht auf die Militärausgaben oder auf den Verzicht von Steuererleichterungen für Unternehmen erstrecke. Die Bedeutung der katholischen Wähler ist daran ablesbar, das sie inzwischen fast ein Viertel der amerikanischen Bevölkerung stellen.

Dieser Beitrag erschien am 8. September 2012 in der katholischen Wochenzeitung Ruhrwort

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