Dienstag, 5. März 2013

Warum der Brandschutz der Lernatmosphäre in der Klostermarktschule in die Quere kommt

Lange, breite und hohe Flure mit kahlen Wänden. Dieses Foto erinnert an eine Haftanstalt. Tatsächlich entstand es am Freitagnachmittag in einer Lehranstalt, der Grundschule am Klostermarkt. Die neue Kargheit auf den Fluren des Saarner Schulgebäudes, dessen 100. Geburtstag 2012 gefeiert werden konnte, ist den Brandschutzauflagen geschuldet.


Schülerjacken und Kinderbilder sind als potenzielle Brandbeschleuniger aus den Schulfluren verbannt worden. Elternvertreterinnen schlagen jetzt Alarm, weil sie fürchten, dass ein aus ihrer Sicht überzogener Brandschutz die Lernatmosphäre in der Schule ihrer Kinder nachhaltig beschädigen könnte. Jetzt hat sich die Schulpflegschaft der gerade erste brandschutztechnisch modernisierten Schule am Klostermarkt mit einem Brief an den Leiter des städtischen Immobilienservice, Frank Buchwald, gewandt. Ihre Forderung: Der Immobilienservice soll zusammen mit der Schulleitung, der Feuerwehr, der Bauaufsicht und dem Schulamt die Brandschutzregelungen „so überdenken, dass schnellstmöglich eine für alle Betroffene akzeptable Situation hergestellt werden kann.“

Die Zweitklässlerin Lucie und die beiden Viertklässler Hauke und Benjamin finden, dass die über drei Meter breiten Flure ihrer Grundschule am Saarner Klostermarkt „jetzt wie verlassen“ aussehen. Deren hohe und kahle Wände finden sie „langweilig, blöd und unkreativ.“ Lucies Mutter, die Schulpflegschaftsvorsitzende Marjorie van den Boomen formuliert ihren spontanen Eindruck so: „Das sieht hier aus, wie in einem alten Gefängnis.“


Das sah vor dem 21. Januar 2013 ganz anders aus. Damals hingen an den Wänden bunte Kinderbilder und Infocollagen. Und an den denkmalgeschützten Kleiderhaken hingen bunte Jacken, Mäntel und Beutel. Doch am 21. Januar informierte die Schulleitung die Eltern über die Brandschutzauflagen, die dazu führten, dass in den Schulfluren sofort alles abgehängt werden musste, was im Brandfall zum Feuerfang und Brandbeschleuniger werden könnte. Und dazu gehörten eben auch Kinderbilder und Schülerkleidung. „Doch das Problem ist damit nicht gelöst, sondern nur verlagert worden“, betont van den Boomen. Sie berichtet von Jacken, Mänteln und Beuteln, die sich jetzt in den Klassenräumen stapeln oder gar zu Stolperfallen werden, wenn sie von den Kindern unter kleinen Tischen oder an ihren kleinen Stühlen nicht verstaut und aufgehängt werden können. „Eine Lehrerin hat sich beim Stolpern schon verrenkt und meine Tochter erzählt mir regelmäßig, dass sie gar keinen Bewegungsfreiraum für ihre Füße hat“, berichtet van den Boomen.

Die stellvertretende Vorsitzende der Elternpflegschaft, Janett Helmers, findet es schade, „dass die Kinder keine Möglichkeit mehr haben, ihre Arbeiten aus dem Kunst- oder Sachunterricht auf den Schulfluren zu präsentieren.“

Van den Boomen und Helmers stehen mit ihrer Meinung nicht allein. 130 von 190 Eltern haben mit ihrer Unterschrift ihre Unzufriedenheit mit der brandschutzgeschädigten Schulatmosphäre zum Ausdruck gebracht. In einem Brief an den Leiter des städtischen Immobilienservice, Frank Buchwald, betonen sie, dass die große Mehrheit der Elternschaft den Eindruck habe: „Die Umsetzung der neuen Brandschutzverordnung ist der Situation in der Grundschule am Klostermarkt nicht angemessen. Sie bedingt eine deutliche Verschlechterung des Lernumfeldes der Schüler.“

Buchwald räumt ein, dass sich moderne Pädagogik und strenger Brandschutz in einem alten Schulgebäude „auch schon mal gegenseitig beißen können“ und dass er selbst mit der Situation nicht glücklich sei. Er schätzt die Klostermarktschule, die gerade erst mit einem zweiten Treppenhaus, Brandschutztüren, Rauchmeldern und Entrauchungsanlagen ausgestattet worden ist, als einen aus brandschutztechnischer Sicht eher unkritischen Schulstandort ein.

Bereits in der vergangenen Woche hat ein Brandschutzgutachter des Immobilienservice zusammen mit der Konrektorin Beate Kuhles, aber ohne die Elternvertreterinnen die Brandschutzmaßnahmen in der Klostermarktschule überprüft und zusätzliche Fluchtweghinweise angemahnt. Jetzt soll eine weitere Ortsbegehung mit allen ständigen Ämtern stattfinden. Über Termin und Sachstand will der Immobilienservice die Schulleitung in Kürze informieren.

Das letzte Wort darüber, ob in den Schulfluren am Klostermarkt bald wieder Schülerjacken und Beutel sowie Bilder in brandschutzsicheren Metall- und Glasrahmen hängen dürfen, muss, laut Buchwald, das für die Bauaufsicht und die Bauabnahme zuständige Bauordnungsamt sprechen. Mit einer Entscheidung ist nach Angaben der Stadt voraussichtlich nach Ostern zu rechnen. Elternsprecherin van den Boomen fühlt sich von der Stadt „schlecht beraten und schlecht informiert.“ Sie fürchtet auch, dass aus neuen Bilderrahmen und einem neuen Anstrich für die jetzt kahlen und ungemütlichen Schulflure nichts wird, weil der Stadt dafür das Geld fehle.


Dieser Beitrag erschien am 2. März 2013 in der NEUEN RUHR ZEITUNG

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