Montag, 22. April 2013

Mülheimer Stiftungen vorgestellt: Zum Beispiel die August- und Josef-Thyssen-Stiftung

Die Brüder August und Josef Thyssen haben ein Weltunternehmen geschaffen, dessen Wiege in Styrum stand. Auch als ihr Konzern, der mit Kohle und Stahl sein Geld verdiente, schon zu einem internationalen Unternehmen geworden war, blieben sie ihrem Unternehmenssitz Mülheim treu. Davon zeugt unter anderem die August- und Josef-Thyssen-Stiftung, die sie 1906 mit einer Schenkung an die Stadt ins Leben riefen.


Der in der Satzung festgelegte Stiftungszweck lautet denn auch: „Förderung von Schwimmunterricht und Badesport, Förderung von Kindergärten und Förderung des Hauswirtschaftsunterrichtes an Mülheimer Schulen.“

„Den Thyssen-Brüdern lag die Gesundheit ihrer Arbeiter und deren Familien sehr am Herzen, weil sie wussten, dass Krankheitsausfälle bei ihren Arbeitern und in deren Familien am Ende auch sie viel Geld kosteten“, erklärt der Wirtschaftshistoriker und Thyssen-Kenner Horst A. Wessel den Hintergrund der Thyssen-Stiftung. Mit einer weiteren Millionengabe der Thyssens trug sie unter anderem auch zum Bau des im August 1912 eröffneten Stadtbades an der Ruhr bei.

Wessel weiß auch davon zu berichten, dass August Thyssen systematisch Kneipen aufkaufte, um seine Arbeiter vom Trinken abzuhalten und sie stattdessen mit Milch und Mineralwasser versorgte.

Was 1906 mit einem Stiftungskapital von 1,25 Millionen Mark begann und sich auch aus RWE-Aktien der Thyssens speiste, ist inzwischen auf 2,4 Millionen Euro angewachsen.

Die Stiftung, die 2009 965?596 Euro, 2010 53?833 und 2011 711?230 Euro für Jugend, Sport und Spiel ausschütten konnte, wird von der Stadt verwaltet. Sie hat weder einen Vorstand noch ein Kuratorium. Über die Mittelvergabe entscheidet allein die Oberbürgermeisterin in ihrer Funktion als Stadtoberhaupt. Ihr Büro nimmt entsprechende Förderanträge entgegen. Dabei können die bewilligten Fördermittel immer nur dann abgerufen werden, wenn sie auch unmittelbar in die Umsetzung der geförderten Projekte investiert werden können. Daraus resultieren auch die starken Schwankungen der jährlich ausgeschütteten Beträge.

Finanziert werden aus den Stiftungsmitteln zum Beispiel die Personalkosten, die anfallen, wenn Schwimmmeister für den Schwimmunterricht der Mülheimer Schulen eingesetzt werden. Auch die Einrichtung von Schulküchen oder die Ausstattung von Kindertagesstätten bis hin zum Einbau eines Aufzugs wurden schon mit den Zinserträgen aus der Schenkung der Thyssen-Brüder bezahlt. Diese stellt auch heute kein geschlossenes Stammkapital dar, sondern ist für Zustiftungen offen.

Weitere Auskünfte zur August- und Josef-Thyssen-Stiftung gibt Ulrike Cramer vom Büro der Oberbürgermeisterin unter der Rufnummer: 455-1303 oder per E-Mail an: ulrike.cramer@muelheim-ruhr.de

Dieser Text erschien am 28. Dezember 2012 in der Neuen Ruhr Zeitung

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