Mittwoch, 10. April 2013

Mülheimer Stiftungen: Zum Beispiel die Bürgerstiftung

„Mein Wunsch wäre: Weiter so! Wir sind eigentlich wunschlos glücklich“, sagt der Vorsitzende der Bürgerstiftung, Frank Lenz. So viel Zufriedenheit und Optimismus überraschen in Zeiten der permanenten Kritik und Klage. Meistens wird ja über fehlendes Geld geklagt, was dann auch wieder zur Gründung von Stiftungen führt.


2004 waren es fünf Mülheimer Bürger, die sich, frei nach John F. Kennedy nicht fragten: „Was kann unsere Stadt für uns tun, sondern was können wir für unsere Stadt tun?“ Ihre Antwort war eine Stiftung von jeweils 20.000 Euro, aus denen das Startkapital der Bürgerstiftung wurde, das inzwischen durch Zustiftungen auf 435.000 Euro angewachsen ist. Die Zufriedenheit des Stiftungsvorstandes speist sich aber weniger aus diesem Stammkapital. Denn das führt bei einer aktuellen Regelverzinsung von einem Prozent zu jährlichen Ausschüttungen von maximal 5000 Euro. Viel mehr Freude machen Lenz und seinen Vorstandskollegen Hermann Blümer, Wilfried Cleven, Ilselore Paschmann, Patrick Marx und Frank Esser die projektbezogenen Bürgerspenden, die der Bürgerstiftung jährlich zufließen und ihre bisherigen Projekte finanziert haben. „Wir haben in den letzten sechs Jahren rund 600.000 Euro solcher Spenden erhalten. In der gleichen Zeit kamen rund 400.000 Euro als Zustiftungen für das Stammkapital der Stiftung hinzu“, erklärt Lenz. Und er weiß auch warum: „Die Mülheimer haben eine sehr enge Beziehung zu ihrer Stadt. Sie regen sich über das auf, was nicht optimal läuft, engagieren sich aber auch dafür, Missstände zu beheben.“

Zustifter, Spender und Sponsoren haben es der Bürgerstiftung zum Beispiel ermöglicht, die Trauerhalle des Altstadtfriedhofes zu restaurieren, Förderpreise für begabte und engagierte Schüler zu vergeben, den Nachwuchs im Rahmen eines Familienkonzertes mit der Klassik vertraut zu machen, das Tiergehege und den Schierrhof im Witthausbusch zu erhalten, das ShakespeareFestival im Kloster Saarn zu unterstützen oder unter anderem mit dem Polizeisportverein Selbstbehauptung- und Deeskalationskurse durchzuführen. Darüber hinaus hat die Stiftung zu Diskussionsveranstaltungen über Gewalt, Vandalismus und Zivilcourage eingeladen, „damit die Bürger hin- statt wegsehen und helfen“, wie Lenz betont. „Mülheimer Bürger machen etwas für Mülheim“, beschreibt er das einfache Ziel der Bürgerstiftung, die in der Regel Anregungen und Bedürfnisse aufgreift, die aus der Bürgerschaft an sie herangetragen werden. In diesem Zusammenhang räumt Lenz aber auch ein, dass die Bürgerstiftung ihr Projekt: Entfernung von Graffitischmierereien mangels Nachfrage wieder einstellen musste.

So weit Spender nicht den Zweck vorgeben, entscheidet der Vorstand über die Vergabe der ausgeschütteten Mittel. Der sechsköpfige Vorstand wird von einem achtköpfigen Stiftungsrat gewählt, der wiederum aus einer neunköpfigen Stiftungsversammlung gewählt wird. Dieser gehören Stifter und Zustifter der Bürgerstiftung an.

Weitere Informationen im Internet unter: www.buergerstiftung-muelheim.de

Dieser Text erschien am 30. November 2012 in der Neuen Ruhr Zeitung

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen