Mittwoch, 11. September 2013

Mülheim ist eine von landesweit sieben Modellkommunen, wenn es um die möglichst frühe Berufswahlorientierung in den Schulen geht

Kein Abschluss ohne Anschluss“ fordert NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider. Deshalb will das Land die Zahl der Achtklässler, die bereits ein erstes Betriebspraktikum absolvieren bis 2018 von 70.000 auf 170.000 steigern.

Die Rektorin der Max-Kölges-Schule, Gabriele Klar, gibt Schneider Recht. „Man kann in der Schule nicht früh genug mit der Berufswahlorientierung beginnen, weil Schüler bei einem Betriebspraktikum lernen, worauf sie sich bei der Berufswahl einlassen, wie man sich in Betriebsabläufe einfügen und auch generationsübergreifend mit Kollegen zusammenarbeiten muss.“

Heike Gnilka, die als Bereichsleiterin für das Casemanagement der Sozialagentur und damit auch für die Ausbildungsplatzvermittlung im U-25-Haus zuständig ist, pflichtet Klar bei. Sie meint: „Ein möglichst früher Blick in die Arbeitswelt, die sich in den letzten Jahr stark verändert hat, hilft nicht nur Schülern, sondern auch ihren Eltern bei der Berufsorientierung. Schüler können sich angucken, was ihnen liegt, ihre Vorstellung von einem Beruf korrigieren oder auch feststellen, dass sie ihr Berufsziel gefunden haben und dann zielstrebig darauf hinarbeiten.“

Auch wenn Mülheim inzwischen eine von landesweit sieben Referenzkommunen ist, wenn es um den Übergang von der Schule in den Beruf geht und damit flächendeckend an allen weiterführenden Schulen in Klasse 8 eine Potenzialanalyse und eine Berufsfelderkundung durchgeführt und in Klasse 9 ein erstes Betriebspraktikum absolviert wird, hält Gabriele Klar ihrer Schule und anderen Hauptschulen zugute, bei der praktischen Berufswahlorientierung schon seit vielen Jahren Pionierarbeit geleistet zu haben.

An der Max-Kölges-Schule, die seit Sommer 2012 auch Partnerschule des Handwerks ist, beginnt die Berufswahlorientierung bereits in den Klassen 5 und 6 mit spielerischen Betriebserkundungen. „Hier entdecken Schüler Berufsbilder, die sie vorher vielleicht gar nicht gekannt oder sich ganz anders vorgestellt haben“, erzählt Klar. Der Potenzialanalyse in Klasse 7 und einem ersten Praktikum und Berufspraxistagen am Berufskolleg Stadtmitte in der Klasse 8, folgen dann in den Klassen 9 und 10 je ein dreiwöchiges Betriebspraktikum. Die Zehntklässler, die einen einfachen Hauptschulabschluss anstreben, absolvieren in der Klasse 10 kein Betriebspraktikum, sondern einen wöchentlichen Werktag in einem Betrieb ihrer Wahl.

Nicht zuletzt auf die ausgeprägte und gewachsene Praktikumskultur führt es Klar auch zurück, dass im letzten Schuljahr 64 Prozent der Hauptschulabgänger an der Bruchstraße eine betriebliche Ausbildung beginnen konnten. „Wichtig ist, dass man sich kennt und kümmert, um Fehlgriffe zu verhindern“, beschreibt Klar die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Dialog zwischen Schule und Wirtschaft. Mit eben diesem Dialog konnte man an der Bruchstraße in den vergangenen Jahren Partner, wie die Kreishandwerkerschaft, die Mannesmann Röhrenwerke, die Friedrich-Wilhelms-Hütte oder Edeka gewinnen. Heike Gnilka nimmt bei Unternehmern eine steigende Bereitschaft wahr, durch Orientierungspraktika „Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Jugendliche in Ausbildung kommen.“ Die Arbeitgeber, so glaubt Gnilka „tun dies in erster Linie nicht, weil sie sozial sind, sondern, weil sie wissen, dass sie selbst aktiv werden müssen, um Nachwuchs zu gewinnen und zu testen.“

Dieser Text erschien am 4. September 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

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