Samstag, 31. August 2013

Die Zukunft ist ökumenisch: Die katholische Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt feiert ihren 250. Geburtstag zusammen mit ihren evangelischen Nachbarn auf dem Kirchenhügel

„Das habe ich mir von Papst Franziskus abgeschaut. Auf Menschen zugehen und in einfachen Worten authentisch mit ihnen sprechen“, beschreibt Pfarrer Michael Janßen seine Strategie als Seelsorger. Er ist davon überzeugt, dass seine Gemeinde St. Mariae Geburt, die jetzt ihren 250. Geburtstag feiert, und im Laufe dieser Zeit (1786, 1856-72 und 1928/29) drei Kirchen errichtet hat, nicht nur eine große Vergangenheit, sondern auch eine gute Zukunft haben wird.


„Es gibt eine große Sehnsucht nach Religion. Das spüre ich nicht nur in meinen Gesprächen mit jungen Leuten immer wieder“, betont Janßen. Am Anfang ist das Wort, nicht nur in der Bibel, sondern auch in der alltäglichen Begegnung von Mensch zu Mensch. „Wie gut das tut und wie die gemeinsame Arbeit Freude macht“, erlebt auch die ehrenamtliche Gemeindemitarbeiterin Elke Titze beim Mittagstisch für Bedürftige. Donnerstags um 12 Uhr wird im Jugendheim an der Althofstraße aufgetischt und im besten Sinne des Wortes über Gott und die Welt gesprochen. „Wir feiern hier nicht uns selbst, sondern wir stehen gemeinsam für die Frohe Botschaft Jesu“, sagt die ehrenamtliche Küsterin Annegret Walz mit Blick auf die 17?705 Katholiken der Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt und ihre 10?600 evangelischen Glaubensgeschwister von der Vereinten Evangelischen Kirchengemeinde.

„Petri- und Marienkirche sind gerade mal 140 Meter voneinander entfernt. Und hier drängt nicht nur baulich alles zur Ökumene“, unterstreicht der emeritierte Weihbischof Franz Grave, der das katholische Seelsorgeteam seit 2008 verstärkt und den Blick der Gemeinde in die Weltkirche geöffnet hat. „Er hat uns damit richtig angesteckt“, sagt Elke Titze mit Blick auf die von Grave initiierten Lateinamerikawochen der Gemeinde. Auch die Kollekten der Jubiläumsfesttage sollen den Katholiken in Lateinamerika zugute kommen und dort in die Weiterbildung von Laien fließen, die als ehrenamtliche „Delegierte des Wortes Gottes“ die Frohe Botschaft in den Alltag ihrer Nachbarn tragen.

Grave lässt keinen Zweifel daran, dass auch die Katholiken rund um den Kirchenhügel von ihren Glaubensgeschwistern in Lateinamerika lernen können. „Wir müssen als Gemeinde ökumenisch, diakonisch und missionarisch sein“, glaubt er.

Ein ökumenisches Familienzentrum, ökumenische Bibelkreise, ökumenische Wallfahrten, ökumenische Ausflüge, Gemeindefeste und eine gemeinsame christliche Hospizarbeit sehen die vier für die Zukunft als wegweisend. „Wir haben schon viel erreicht, aber wir müssen in Zukunft noch mehr machen“, sagt Janßen nicht nur mit Blick auf die Ökumene, sondern auch auf die Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter, die angesichts des Priestermangels und des demografischen und gesellschaftlichen Wandels für den Fortbestand der Kirche immer wichtiger werden.

Janßen schätzt, dass sich zurzeit 350 Gemeindemitglieder ehrenamtlich engagieren, sei es im Küsterdienst, in der Gemeindecaritas, bei Kolping und der KAB oder im Seniorenkreis. Die Zahlen sprechen für sich. 2012 standen in der Gemeinde 88 Taufen und zwei Kircheneintritten 152 Bestattungen und 86 Kirchenaustritte gegenüber. Viel Arbeit im Weinberg des Herrn am Kirchenhügel.

Doch ein Blick in die Geschichte macht Mut, weil er zeigt, dass katholische Christen immer wieder schwierige Herausforderungen der Zeit gemeistert haben. Über 200 Jahre gab es gar kein katholisches Glaubensleben auf dem Kirchenhügel. Die Petrikirche war Mitte des 16. Jahrhunderts protestantisch geworden. Katholisches Leben fand nach der Reformation nur im Kloster Saarn, im Schloss Styrum oder in der Abtei Werden statt, ehe die Jesuiten um 1750 ihre Missionsarbeit auf dem Kirchenhügel begannen und dort eine Volksschule errichteten. Dort sollte dann auch am 23. Oktober 1763 die erste Heilige Messe gefeiert werden.

Damals gehörten etwas mehr als 300 Seelen zur Missionsgemeinde, die vier Jahre nach ihrem ersten Kirchenbau 1790 schon rund 1000 Seelen zählen und zur Pfarrgemeinde erhoben werden sollte. Damals reichte ihr Einzugsgebiet von Kettwig bis Oberhausen. Vor allem die Industrialisierung und der Zuzug katholischer Arbeitskräfte ließ die Zahl der Gemeindemitglieder bis 1900 auf mehr als 10?000 ansteigen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits weitere katholische Gemeinden, wie etwa St. Mariae Rosenkranz in Styrum, St. Joseph in Heißen oder St. Barbara aus der Mutterpfarrei St. Mariae Geburt heraus selbstständig gemacht.

Es war der tatkräftige Pastor Konrad Jakobs, der als Caritasgründer und Erbauer der heutigen Marienkirche dem Gemeindeleben in den 20er Jahren neue Impulse gab, die auch über Diktatur und Krieg hinweghalfen. Dem Wiederauf- und Ausbau folgte ab 2006 der Um- und Rückbau zur Großpfarrei.

Dieser Text erschien am 29. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Freitag, 30. August 2013

Auch im kommenden Schuljahr ist die Styrumer Willy-Brandt-Schule ein Ort, an dem man fürs Leben lernen kann

An der Styrumer Willy-Brandt-Schule werden im kommenden Schuljahr 80 Lehrer 956 Schüler unterrichten. Die Schule, die inzwischen als „Schule ohne Rassismus“ ausgezeichnet wurde und zum Netzwerk der MINT-Schulen gehört, die mit besonderen Projekten das mathematische, technische und naturwissenschaftliche Lernen fördern, wurde 1986 als dritte Mülheimer Gesamtschule eingerichtet und 1993 nach Willy Brandt benannt.


Projekte rund um den 100. Geburtstag des ehemaligen SPD-Vorsitzenden, Bundeskanzlers und Friedensnobelpreisträgers (am 18. Dezember 2013) werden nur ein Glanzlicht des kommenden Schuljahres sein.

Ganz im Sinne der auf Frieden, Völkerverständigung und soziale Gerechtigkeit ausgerichteten Politik Willy Brandts werden rund 30 Schüler und Lehrer aus den Klassen 9 bis 13 bei sozialen Hilfsprojekten im westrumänischen Ciakova Hand anlegen. Diesmal geht es um Umbauarbeiten in einem Seniorenheim und um die Einrichtung eines Computerraumes in einem Jugendgefängnis. In früheren Jahren legten Schüler und Lehrer auch schon in Schulen oder Kindergärten Hand an, um zum Beispiel Heizungen oder eine Solaranlage zu installieren.

Die alljährliche Rumänienhilfe entstand durch eine Kooperation der in der Region Temesvar seit über 20 Jahren aktiven Caritas und wird seit zehn Jahren an der Willy-Brandt-Aktion kontinuierlich gepflegt.

Ganz neu ist dagegen die jetzt vereinbarte Kooperation zwischen der Willy-Brandt-Schule und der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft (RWW), die im kommenden Schuljahr mit Leben gefüllt werden soll.

Geplant sind Lernprojekte und Lehrerfortbildungen, bei denen Schüler und Lehrer zum Beispiel das Haus Ruhrnatur oder das Wassermuseum im Aquarius als Lernorte entdecken und nutzen werden.

RWW und Willy-Brandt-Schule wollen sich im Rahmen ihrer Kooperation pädagogisch gegenseitig befruchten, wenn es zum Beispiel darum geht, Themen, wie Wasserversorgung oder die Flora und Fauna des Ruhrtals auch kind- und jugendgerecht zu vermitteln.

Internetinfos zur Willy-Brandt-Schule unter: www.wbs-mh.de   Dieser Text erschien am 28. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Donnerstag, 29. August 2013

Nicht alle haben in den Sommerferien schulfrei, wie ein Besuch in der Styrumer Willy-Brandt-Schule und ein Gespräch mit der dortigen Schulleitung zeigt

In einem Sweatshirt und halblanger Hose würde der stellvertretende Schulleiter der Willy-Brandt-Schule, Mathias Kocks, normalerweise nicht zur Arbeit erscheinen. Doch eigentlich hat er ja auch noch Ferien, ebenso wie Schulleiterin Ingrid Lürig, die ihm im Schulleitungstrakt der Styrumer Gesamtschule Gesellschaft leistet.


Die beiden Pädagogen haben keine Langeweile, sondern bereiten die morgige Sitzung des Schulleitungsteams vor. Dort gibt es einiges zu besprechen. Das Schulleitungsteam besteht zurzeit nur aus vier statt aus sechs Lehrern. Die didaktische Leitung und die Abteilungsleitung für die Unterstufe müssen neu besetzt werden, nur ein Thema für das kommende Schuljahr, das Mitte nächster Woche beginnt. Außerdem möchte die Bezirksregierung von der Schulleitung wissen, welche Fortbildungen sie plant und wie sie die Ergebnisse der letzten Lernstandserhebungen bewertet. Das Schulministerium hat seinerseits Beispielaufgaben für die Abiturprüfungen der kommenden Jahre angefordert und auch die Nachprüfungen der kommenden Woche wollen vorbereitet sein.

„Wie, du bist in der Schule? Ich dachte, du hast Ferien.“ Das bekommen Lürig und Kocks immer mal wieder zu hören, wenn sie Freunden von ihrer Ferienarbeit in der Schule berichten. Beide Pädagogen werden auch immer mal wieder mit den gängigen Lehrer-Klischees: „Ihr habt ja morgens Recht und nachmittags frei und außerdem noch so viel Ferien“, zitiert Kocks den beliebtesten Spruch.

Darüber können Lürig und Kocks nur müde lächeln, weil sie wissen dass die jährlich zwölf Ferienwochen zwar unterrichtsfrei, aber nicht gänzlich arbeitsfrei sind. In den letzten beiden Wochen der Sommerferien sind sie bereits schon wieder an ihrem Arbeitsplatz. Welche Lehrer stehen zur Verfügung? Welche Kollegin ist im Erziehungsurlaub oder krank? Wer kann im kommenden Schuljahr welche Fächer und Klassen unterrichten oder welche Arbeitsgemeinschaften leiten? Dass sind Fragen, die mit der Stundenplanung beantwortet werden müssen. Sie bekommt in den letzten Ferienwochen ihren Feinschliff. „Eine gute Stundenplanung erhöht die Arbeitsfreude der Kollegen und verhindert, dass man im neuen Schuljahr zu viele Überraschungen erlebt“, weiß Lürig. Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: „Es kommt aber immer wieder zu Überraschungen.“ Keine Überraschung war für sie die Einstellung einer Vertretungslehrerin, die für acht Wochen eine Kollegin vertreten muss, die noch im Erziehungsurlaub ist. Kocks und Lürig haben 50 Bewerbungen gesichtet und Gott sei Dank direkt die richtige Kandidatin gefunden, so dass nur ein Einstellungsgespräch geführt werden musste. Anschließend nahm sich Lürig noch zwei Stunden Zeit, um die neue Kollegin mit den Details der Schule vertraut zu machen.

Anschließend sprach sie mit der Bezirksregierung, die Unterlagen zu einer angefochtenen Zeugnisnote anforderte und mit drei Eltern, die ihr Kind kurzfristig an der Willy-Brandt-Schule angemeldet haben.

Kein vergnügungssteuerpflichtiges Thema, mit dem sich die Schulleitung bereits in den Ferien beschäftigen muss, ist das Thema Klassenfahrten. Weil ein Kollege geklagt hat, muss das Land jetzt allen Lehrern ihre Kosten für die Teilnahme an einer Klassenfahrt erstatten. Dass finden Kocks und Lürig grundsätzlich auch richtig, weil Klassenfahrten für Lehrer ja kein Urlaub, sondern eine zuweilen durchaus anstrengende Dienstreise darstellen. „Doch in der Praxis hat uns der Kollege mit seiner Musterklage einen Bärendienst erwiesen“, sagt Lürig. Denn weil das Land der Schule für die entsprechende Reisekostenerstattung ab 2014 nur noch einen Pauschalbetrag von etwas mehr als 3000 Euro zur Verfügung stellt, muss die Schulleitung bei ihrer morgigen Sommerferiensitzung auch darüber beraten, ob man das Programm der Klassenfahrten zusammenstreichen muss oder zusammen mit dem Kollegium andere Lösungen finden kann.

Kocks beschreibt die Ausgangslage der morgigen Diskussion zum Thema Klassenfahrten wie folgt: „Weil hinter jeder Klassenfahrt ja immer auch ein pädagogisches Ziel steht, müssen wir zum Beispiel über die Frage sprechen, ob Kollegen dazu bereit sein könnten, vielleicht auf ihre Reisekostenerstattung zu verzichten oder ob es die Möglichkeit geben könnte, ihre Reisekosten beim Finanzamt als Werbungskosten von der Steuer abzusetzen. Im Einzelfall könnten auch die Möglichkeiten einer Drittmittelfinanzierung, etwa durch Sponsoring oder Freiplätze geprüft werden.“

Dieser Text erschien am 28. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Mittwoch, 28. August 2013

Als die Bilder laufen lernten: Ein Besuch in der Camera Obscura

Wie war das, als Bilder laufen lernten, aber die Menschen noch nicht ins Kino gingen oder vorm Fernseher saßen? In einem alten Wasserturm in Mülheim kann man es erleben. Zwischen Laterna Magica, Schattenspiel, Guckkästen, Kaleidoskop und Wunschtrommel können Besucher Bilder in Bewegung bringen und an 16 Nachspielstationen alles anschauen, (fast) alles anfassen oder per Kurbel und Knopfdruck in Gang setzen – ohne Angst zu haben, etwas kaputtzumachen. Doch wirklich spitze ist der 30 Meter hohe Turm, weil er unter seinem Dach die größte Camera obscura der Welt beherbergt.


Camera obscura – was, bitte schön, ist das denn? Es ist der Urahn von Fotoapparat, Videokamera und Fernsehschirm von heute. Durch ein kleines Loch fällt Tageslicht von außen in einen dunklen Raum und projiziert Bilder auf die gegenüberliegende Wand – die Mattscheibe. Im 19. Jahrhundert, lange vor Pocketkamera und Digicam, war die Camera obscura ein Jahrmarktknüller, es gab sie aber auch in Parks und auf Aussichtspunkten.

Auf geht’s: In Mülheim betritt man einen kreisrunden Raum (sensationelle Akustik!), das Kuppeldach erinnert an eine überdimensionierte Salatschüssel. In der Mitte steht eine weiße Holzscheibe von 1,40 Meter Durchmesser – der „Bildschirm“. Aus neun Metern Höhe fällt durch ein kleines Loch das Tageslicht auf eben jene Holzscheibe. Es gibt ein kleines Pult, an dem nur Museumsleiter Kaufhold schalten und walten darf. Per Knopfdruck dreht und kippt Kaufhold einen 30 Zentimeter breiten Spiegel – gebaut einst von Carl Zeiss Jena für ein russisches Weltraumteleskop, aber nun fest auf dem Dach des alten Broicher Wasserturms installiert.

Die Show beginnt: Licht aus und Tageslichtspot an, ein Gefühl wie im Kino. Die Augen müssen sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Doch dann erkennt man auf der Holzscheibe Bilder, gestochen scharf: Spaziergänger auf dem Gartenschaugelände Müga, Autos auf einer Kreuzung, Leute, die auf einen Bus warten. . .

Je nachdem, wie Kaufhold per Knopfdruck die Spiegel auf dem Dach ausrichtet, sieht man wie bei einer Kamerafahrt Bilder aus dem Nah- und Fernbereich des Wasserturmes. Bis zu 30 Kilometer weit kann man schauen. Der Mülheimer Kirchenhügel und der Speldorfer Hafen erscheinen plötzlich zum Greifen nah, ebenso der Gasometer in Oberhausen oder der Landschaftspark Duisburg-Nord, auch, wenn die Sonne mal nicht scheint. Doch wenn sie scheint, wie an diesem Tag, ist der Ausblick besonders beeindruckend. „Die Bilder sind schärfer, als wenn man sie mit einer Videokamera aufgenommen hätte“, staunt Schülerin Nina Schröder, die mit ihrer Tante Heike Tholen eine Vorführung miterlebt hat. Ihre Tante ist überzeugt: „Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Denn gerade für Jugendliche, die heute nur noch digitale Bilder kennen, ist es interessant, hier zu entdecken, wie die Geschichte der bewegten Bilder begonnen hat“, findet Heike Tholen. Jährlich kommen 20?000 Besucher in den Wasserturm. „Wir sind ein echter Familienmagnet“, sagt Museumschef Kaufhold. Er berichtet, dass es vor allem Kinder sind, die das Museum durch einen Besuch mit Schulklasse oder Kindergartengruppe kennengelernt haben, die hier auch ein zweites und drittes Mal mit ihren Eltern vorbeischauen wollen, um den Erwachsenen dann die Camera obscura zu erklären.

Die Camera ist seit 1992 an ihrem Platz. Die Eröffnung der Gartenschau und eine Spende der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft machten es möglich. Seit dem Jahr 2006 ist auch das Museum zur Vorgeschichte des Films im Wasserturm zu Hause. Auf drei Etagen sind über 1000 Exponate des Sammlers Karl-Heinz Steckelings zu erleben – eben jene eingangs erwähnten Guckkästen und Schattenspiele, toll für Kinder.

Museum und Camera obscura (Am Schloss Broich 42)sind unter 0208/3022605 erreichbar und mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet (www.camera-obscura-muelheim.de). Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt. Kinder über 6 Jahren zahlen 3,50 und Erwachsene 4,50 Euro. Hin kommt man mit dem Auto über die A?40 bis Abfahrt Mülheim-Heißen oder mit der Straßenbahnlinie 102 in Richtung Uhlenhorst bis Haltestelle Schloss Broich.

Dieser Text erschien am 24. August 2013 auf der Landesseite der Neuen Ruhr Zeitung

Dienstag, 27. August 2013

Als die D-Mark noch geholfen hat - Bei einer Wahlkampfveranstaltung der Alternative für Deutschland wurden die Zukunftsängste der bürgerlichen Mitte an- und ausgesprochen

Donnerstagabend im Dümptener Treff. Etwa 40 Bürger sitzen bei Bier, Wasser und Apfelschorle und diskutieren über die Zukunft von Euro und Europa und darüber, warum sich Deutschland bei der Zuwanderungspolitik ein Beispiel an Kanada nehmen sollte.


Dass dort Zuwanderer mit einem Punktesystem bewertet werden und nur dann ins Land dürfen, wenn sie die Sprache beherrschen, ihren Integrationswillen nachweisen können und mit ihre berufliche Qualifikation eine Lücke schließen, empfindet man als Vorbild.

Wir sind bei einer Versammlung der Alternative für Deutschland. Das Publikum ist gut bürgerlich. Viele Ärzte, Ingenieure, Unternehmensberater oder Beamte sind im Raum, meistens Männer aus den reiferen Jahrgängen, eine Hand voll Frauen und nur ein Teilnehmer scheint unter 30 zu sein. Einige Gesichter hat man auch schon bei der CDU, bei der FDP oder im Dümptener Bürgerverein gesehen. Ein Mann bezeichnet sich als Ex-SPD-Wähler.

Es wird engagiert diskutiert und zugehört. Jeder darf ausreden, auch, wenn er nicht mit der Mehrheitsmeinung konform geht, wie etwa ein Polizeibeamter, der sich für eine europäische Zentralregierung ausspricht, um die wirtschaftlichen Wackelkandidaten auf Kurs zu bringen. AFD-Bundestagskandidat Martin Fritz, der an diesem Abend mehr zuhört als spricht, formuliert die Mehrheitsmeinung im Raum, wenn er sagt: „Auch vor dem Euro hat es Frieden in Europa gegeben. Und ich fürchte, dass es erst zu großen nationalen Auseinandersetzungen kommen könnte, wenn es wirtschafts- und finanzpolitisch in Europa so weiter geht.“

Wie er glauben die meisten hier, dass EU-Länder wie Italien und Griechenland auch künftig nicht auf ihre finanz- und wirtschaftspolitische Souveränität verzichten werden und am deutschen Wesen genesen wollen.

Stattdessen wird darüber diskutiert, ob Griechenland nicht besser zu einer eignen Währung zurückkehren sollte und sich Länder mit einer vergleichbaren Wirtschaftspolitik, wie Deutschland, die Niederlande, Finnland und Österreich, einen gemeinsamen Währungsraum in der EU bilden sollten. „Mir selbst geht es gut, aber ich habe Angst um die Zukunft meiner Enkel“, erklärt ein 72-Jähriger, warum er jetzt bei der AFD aktiv ist. Und ein Arzt erinnert sich wehmütig an die Zeit, als Europa nicht nur kulturell, sondern auch wirtschafts- und währungspolitisch noch bunter war. „Damals“, so erzählt er, „wurde einem beim Urlaub in Italien mit der D-Mark noch Tür und Tor geöffnet. Doch heute werden deutsche Frauen in Italien oder Griechenland schon mal als ,Du Merkel’ beschimpft.“

Dieser Text erschien am 24. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Montag, 26. August 2013

Kein Platz in der Herberge? Fragen und Antworten zur Lebenssituation der Flüchtlinge in unserer Stadt

Politisch Verfolgte genießen Asyl.“ So steht es im Artikel 16a des Grundgesetzes. Das Asylrecht wurde 1949 auch deshalb in unsere Verfassung geschrieben, weil viele Deutsche während der Nazi-Zeit in anderen Ländern Asyl suchten und finden mussten.


Heute protestieren Menschen in unserem Land vor Flüchtlingsunterkünften, weil sie Angst haben, dass wir von einer Flüchtlingswelle überschwemmt werden die unser Land wirrschaftlich überfordern könnte. Wer sich mit dem Leiter der Mülheimer Ausländerbehörde, Udo Brost, und mit der Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums, Martina Kleinewegen, über die lokale Flüchtlingssituation unterhält, bekommt ein sehr viel differenzierteres Bild. Fragen und Antworten zu einem Thema, das bewegt und polarisiert.

Frage: Wie viele Flüchtlinge leben in Mülheim?

Antwort: Zurzeit leben in Mülheim 326 Flüchtlinge und 450 bereits anerkannte Asylbewerber. Bis Ende des Jahres könnten noch einmal 150 bis 200 Flüchtlinge dazu kommen. Anfang der 90er Jahre waren es in der Spitze bis zu 2700.

Frage: Woher kommen die Flüchtlinge?

Antwort: Die meisten kommen zurzeit aus dem zu Russland gehörenden Tschetschenien, aus Afghanistan, Serbien, Mazedonien, Syrien und dem Irak.

Frage: Wo werden die Flüchtlinge untergebracht?

Antwort: Anders als Anfang der 90er Jahre werden Flüchtlinge heute nicht mehr in Wohncontainern, Turnhallen und Schulen einquartiert. Stattdessen gibt es vier städtische Gebäude mit Flüchtlingswohnungen und 46 Wohnungen, die von der Stadt für Flüchtlinge angemietet werden.

Frage: Wie viel Flüchtlinge muss Mülheim aufnehmen?

Antwort: Die Füchtlinge, die nach Deutschland kommen, werden nach einem Zuweisungsschlüssel verteilt, der sich aus der jeweiligen Fläche und Einwohnerzahl ergibt. Danach muss NRW 21 Prozent aller Flüchtlinge aufnehmen, die nach Deutschland kommen, Mülheim etwa 1 Prozent der Flüchtlinge, die nach NRW kommen.

Frage: Was kosten die Flüchtlinge den Steuerzahler?

Antwort: Die vom Land finanzierten Sozialleistungen für einen alleinstehenden oder alleinerziehenden Flüchtling liegen bei monatlich 354 Euro. Kommen Vater, Mutter und Kind als Flüchtlingsfamilie, erhält der Haushaltsvorstand monatlich 354 Euro, sein Ehepartner monatlich 318 Euro und das Kind monatlich 274 Euro. Ist das Kind bereits über 18, erhält es monatlich 283 Euro.

Frage: Wie viel Flüchtlinge werden als Asylberechtigte anerkannt?

Antwort: Derzeit sind des weniger als zehn Prozent.

Frage: Dürfen Flüchtlinge arbeiten?

Antwort: Ja, aber erst nach einem Jahr gestattetem Aufenthalt.

Frage: Haben Flüchtlinge eines Residenzpflicht?

Antwort: Flüchtlinge dürfen sich innerhalb des Regierungsbezirks Düsseldorf frei bewegen. Die Ausländerbehörde kann aber, etwa bei Familienbesuchen und Festen auch Reisen in andere Bundesländer genehmigen.

Frage: Wer kümmert sich in Mülheim um Flüchtlinge?

Antwort: Bei der Stadt sind dafür das Sozialamt, die Ausländerbehörde und das kommunale Integrationszentrum zuständig. Hinzu kommen die hauptamtlichen Flüchtlingsreferate des evangelischen Kirchenkreises und der Caritas sowie der ehrenamtlich tätige Flüchtlingsrat.

Frage: Gehen Flüchtlingskinder auch zur Schule oder in die Kindertagesstätte?

Antwort: Ja. Sie werden dabei auch außerhalb der Schule vom kommunalen Integrationszentrum unterstützt. Stadtweit bieten sechs Grundschulen und sieben weiterführende Schulen (schulformübergreifend) eine entsprechende Seiteneinsteigerförderung ab.

Frage: Wie lange dauert ein Asylverfahren und wie viele Flüchtlinge werden abgeschoben?

Antwort: Mit Bescheid und anschließender rechtlicher Überprüfung dauert ein Asylverfahren im Durchschnitt zweieinhalb Jahre. 2012 wurden vier Flüchtlinge abgeschoben.

Dieser Text erschien am 23. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Freitag, 23. August 2013

Wie kann man den Kampf gegen multiresistente Krankheitserreger und MRSA-Keime gewinnen? Ein Gespräch mit der Hygienebeauftragten des Evangelischen Krankenhauses, Gabriele Kantor

In einigen Duisburger Krankenhäusern haben sich (wie berichtet) die Infektionen mit dem multiresistenten MRSA-Keim gehäuft. Ein Mann ist gestorben. Müssen sich auch Mülheimer Patienten sorgen und was kann man gegen MRSA-Keime machen? Darüber sprach ich für die NRZ mit der Hygienebeauftragten des Evangelischen Krankenhauses, Gabriele Kantor.


Frage: Kann man ausschließen, dass auch in einer Mülheimer Klinik ein Patient an einer MRSA-Infektion sterben könnte?

Antwort: Nein, dass kann man nicht, weil gerade lange Krankenhausaufenthalte mit mehreren operativen Eingriffen und Antibiotikabehandlungen immer die Gefahr eine MRSA-Infektion in sich bergen, auch wenn wir bisher noch keinen Todesfall hatten, der ursächlich auf eine MRSA-Infektion zurückzuführen gewesen wäre.

Frage: Ist der MRSA-Erreger ein reiner Krankenhauskeim?

Antwort: Nein. Denn 90 Prozent der betroffenen Patienten bringen den MRSA-Keim, bereits mit ins Krankenhaus. Er kann sich auf ihrer Haut oder in ihrer Nasenschleimhaut festgesetzt haben, ohne dass sie bereits erkrankt sind.

Frage: Was tun Sie, um die Ausbreitung von MRSA in Ihrem Krankenhaus zu verhindern?

Antwort: Nach dem wir 2010 festgestellt haben, dass drei Prozent unserer Patienten damals MRSA-positiv waren, haben wir ein entsprechendes Hygiene- und Risikomanagement eingeführt, um möglichst schnell herauszufinden, wo die Quelle eines MRSA-Erregers vorliegt und wie wir die Kette seiner Ausbreitung unterbrechen können. Außerdem haben wir unter der Leitung des Gesundheitsamtes ein lokales MRE-Netzwerk initiiert, um zusammen mit dem St. Marien-Hospital, den Mülheimer Altenheimen, den ambulanten Pflegediensten, den Hausärzten und den Krankenkassen einen gemeinsamen Standard im Hygiene- und Risikomanagement zu erreichen und zu praktizieren.

Frage: Wie sieht Ihr MRSA-Risikomanagement aus?

Antwort: Zunächst befragen wir alle Patienten, die stationär aufgenommen werden nach Risikofaktoren, die eine MRSA-Infektion begünstigen. Das können eine frühere MRSA-Infektion, ein Krankenhaus- oder Rehaaufenthalt in den letzten zwölf Monaten oder eine Dialyse-Behandlung sein. Vor allem Patienten, die regelmäßig künstliche Zugänge gelegt bekommen, haben ein erhöhtes MRSA-Risiko. Liegt ein solcher Risikofaktor vor, werden Patienten isoliert und auf MRSA getestet. Erst wenn das Laborergebnis nach spätestens vier Stunden vorliegt und eine MRSA-Infektion ausgeschlossen werden kann, werden die betroffenen Patienten auf ihre normale Station verlegt.

Frage: Wie sieht Ihr Hygiene-Management gegen MRSA aus?

Antwort: Weil 95 Prozent der MRSA-Keime über die Hände übertragen werden, spielt die Handdesinfektion eine zentrale Rolle. Deshalb gibt es im Eingangsbereich, aber auch in allen Behandlungsräumen und in allen Patientenzimmern Handdesinfektionsmittelspender. Bis 2014 wollen wir an jedem Patientenbett ein solches Handdesinfektionsgerät haben. Nicht nur die Handdesinfektion, sondern auch andere Hygienemaßnahmen, wie Schutzhandschuhe, Atemmasken oder Schutzkittel werden regelmäßig überprüft und durch Fortbildungen vermittelt und vertieft. Außerdem achten wir bei Behandlungen auf einen sehr gezielten und im Zweifelsfall zurückhaltenden Einsatz von Antibiotika.

Frage: Was kann man tun, wenn ein Patient MRSA-Träger ist?

Antwort: Dann bleibt er so lange isoliert, bis er MRSA-Keim frei ist. Besiedeln MRSA-Keime die Haut eines Patienten wird er mit antibakterieller Seife gewaschen. Hat sich der MRSA-Keim in der Nasenschleimhaut festgesetzt, wird der Patient mit einer entsprechenden Spezialsalbe behandelt. Nach der Behandlung, die etwa eine Woche dauert, wird der Patient dann erneut auf MRSA getestet. Außerdem legen wir wert darauf, dass auch der Hausarzt oder das Pflegeheim des Patienten auf unserem Überleitungsbogen über die MSRA-Infektion informiert wird, um erst gar keine Informationslücke entstehen zu lassen.

Dieser Text erschien am 21. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Donnerstag, 22. August 2013

Multiresistente Erreger sind auch in Mülheim ein Thema: Beim Kampf gegen die MRSA-Keime ist ein gutes Hygienemanagement der Anfang von allem

Multiresistente Erreger und MRSA-Keime sind nicht nur in Duisburg, sondern auch in Mülheim ein Thema. Wie der Leiter des Gesundheitsamtes, Georg Ohde, auf meine Anfrage im Auftrag der NRZ bestätigte, wurden dem Gesundheitsamt im laufenden Jahr zwei MRSA-Infektionen und sowohl im Vorjahr wie in diesem Jahr jeweils ein Todesfall gemeldet, der auf eine Infektion mit MRSA-Keimen zurückzuführen war. Ohde kann aber keine Angaben darüber machen, wo diese Patienten verstorben sind.


Der Vergleich zeigt Ohde, dass es derzeit in den Nachbarstädten Duisburg (50) und Essen (21) deutlich mehr meldepflichtige MRSA-Fälle gibt als in Mülheim.

Meldepflichtig, so Ohde, seien aber auch nur MRSA-Befunde, die bei Blut- oder Gehirnflüssigkeitsuntersuchungen festgestellt worden seien. Die per Abstrich in Kliniken festgestellten MRSA-Befunde seien dagegen nicht meldepflichtig.

In einem Interview, das ich mit ihr für die NRZ führte, betonte die Hygienebeauftragte des Evangelischen Krankenhauses, Gabriele Kantor, dass ihr seit der Einführung eines MRSA-Hygiene- und Risikomanagements im Jahr 2010, kein Todesfall in ihrer Klinik bekannt sei, der ursächlich auf eine MRSA-Infektion zurückzuführen sei. Im laufenden Jahr hat sie in ihrem Haus nur zwei Fälle registriert, in denen Patienten sich während ihres Klinikaufenthaltes einen MRSA-Keim eingefangen hätten.

Grundsätzlich, so betont, Kantor, seien MRSA-Infektionen insbesondere bei längeren Krankenhausaufenthalten nie ganz auszuschließen, die meisten MRSA-Infektionen würden aber von Patienten ins Krankenhaus mitgebracht. Bei Todesfällen seien oft nicht die multiresistenten Erreger, sondern die oft mehrfachen Grunderkrankungen und die damit einhergehende Schwächung des Immunsystems die eigentliche Todesursache.

Dieser Text erschien am 21. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Mittwoch, 21. August 2013

Was ist uns unsere Kommunalpolitik wert? Sollte sie weiter ehrenamtlich oder doch besser hauptamtlich betrieben werden?

Wer mehrstündige Rats- oder Ausschusssitzungen, miterlebt, bekommt eine Ahnung davon, mit welch komplexen Themen sich ehrenamtliche Kommunalpolitiker beschäftigen und welche Papierberge sie bewältigen müssen. Ratsherr Hans Georg Hötger von den Mülheimer Bürgerinitiativen (MBI) erinnert sich etwa an einen 256-seitigen Bebauungsplan und fragt sich: „Wer soll das alles lesen?“


„Die meisten Bürger wissen gar nicht, was wir tun und werfen uns mit der Verwaltung oder mit den Berufspolitikern auf Bundes- und Landesebene in einen Topf“, beklagt SPD-Fraktionschef Dieter Wiechering. Er kann nicht verstehen, dass Bürger, die sich ehrenamtlich in der Leseförderung engagieren, ein positives Echo bekommen und Ratsmitglieder, die sich um das Gemeinwesen kümmern, vor allem Kritik zu hören bekommen.

Trotz einer Aufwandsentschädigungen (siehe Kasten) ist Kommunalpolitik, anders als Landes- oder Bundespolitik, ein Ehrenamt mit hohem Arbeits- und Zeitaufwand. Deshalb will die SPD-Landtagsfraktion Kommunalpolitiker besser bezahlen. Und der ehemalige Fraktionssprecher der Grünen, Thomas Behrendt, forderte in der NRZ hauptamtliche Kommunalpolitiker, die ebenso bezahlt werden sollten wie Bundestags- und Landtagsabgeordnete. Nur so könne die Doppelbelastung von Haupt und Ehrenamt verhindert und eine Professionalisierung der Kommunalpolitik gefördert werden.

So will Behrendt auch mehr jüngere und beruflich qualifizierte Führungskräfte motivieren, sich auf Zeit in die Kommunalpolitik einzubringen.

Doch nur sein Parteifreund, Tim Giesbert, Sprecher der Grünen Ratsfraktion, will ihm folgen. SPD-Fraktionschef Wiechering und seine Amtskollegen Wolfgang Michels (CDU), Peter Beitz (FDP) und MBI-Stadtrat Hötger wollen ehrenamtliche Kommunalpolitiker besser bezahlen und stärken, aber nicht durch hauptamtliche Kommunalpolitiker ersetzen.

Giesbert, der hauptberuflich für einen grünen Landtagsabgeordneten arbeitet, sieht nebenberufliche Kommunalpolitiker, die in der freien Wirtschaft arbeiten, im Nachteil. Deshalb plädiert er für einen kleineren, aber hauptamtlichen Rat. Giesbert: „Die Arbeitswelt ist immer flexibler und anspruchsvoller geworden. Selbst für Schüler und Studenten sind die Zeitfenster für politisches Engagement kleiner geworden. Deshalb müssen wir zu neuen Formen übergehen, wenn wir keinen Rat wollen, in dem nur noch Rentner Zeit für Kommunalpolitik haben. Ein hauptamtlicher und kleinerer Rat, wie ihn Behrendt vorschlägt, könnte attraktiver sein, als das, was wir jetzt haben.“

„Wer soll das bezahlen?“ fragen sich dagegen Michels, Hötger und Beitz angesichts der kommunalen Finanznot, auch wenn ein hauptamtlicher Rat wesentlich kleiner wäre. Ein kleiner und professioneller Rat würde aus Wiecherings Sicht dem „demokratischen Prinzip widersprechen“ und viel weniger als der jetzige Rat „einen sozialen Querschnitt der Bevölkerung“ abbilden. Er empfindet er die Forderung „als weit hergeholt, weil die Aufgabenfülle eines Landtags- oder Bundestagsabgeordneten in der Gesetzgebung nicht mit der eines ehrenamtlichen Kommunalpolitikers zu vergleichen ist.“

„Ich möchte kein hauptamtlicher Kommunalpolitiker sein“, betont FDP-Fraktionschef Beitz. Gerade, weil er von der Politik nicht leben muss, sondern als Unternehmensberater einen eigenen Beruf hat, sieht er sich politisch als unabhängiger und lebensnäher. „Das politische Ehrenamt auf kommunaler Ebene ist eine Korsettstange und ein Vorbild für gelebte Demokratie“, glaubt MBI-Mann Hötger. CDU-Fraktionschef Michels weiß, dass vielen jüngeren Menschen zwischen Familiengründung und Berufsfindung keine Zeit für Kommunalpolitik bleibt. Doch ein hauptamtlicher Rat „mit Fachidioten und einer neuen Politikerkaste“ erscheint ihm nicht erstrebenswert.

Ebenso wie für Abgeordnete bestünde für hauptamtliche Stadträte, die Gefahr, dass sie nach ihrer Zeit im Stadtparlament beruflich den Anschluss verlieren und so ins Bergfreie fallen könnten.

Statt das Ehrenamt in der Kommunalpolitik durch ein Hauptamt zu ersetzen, wollen Beitz, Hötger und Wiechering das politische Ehrenamt im Stadtrat etwa durch mehr öffentliche Anerkennung, eine bessere Vergütung, und bessere personelle Ausstattung der Fraktionsgeschäftsstellen und eine verbesserte Zuarbeit und Informationspolitik der Verwaltung, etwa in Form von Ratsreferenten und gestraffteren Vorlagen stärken und attraktiver machen.

Der Preis der Politik

Bundestagsabgeordnete erhalten ein monatliches Gehalt von 7668 Euro. Hinzu kommen 3969 Euro als steuerfreie Kostenpauschale für dienstliche Aufwendung und die Bezahlung von Mitarbeitern.

Landtagsabgeordnete erhalten monatlich 8612 Euro. Hinzu kommen 2114 Euro für ihre Alters- und Hinterbliebenenvorsorge.

Stadtverordnete erhalten eine monatliche Aufwandsentschädigung von 341 Euro. Hinzu kommen 17,50 Euro pro Sitzung.

Fraktionsvorsitzende im Stadtrat erhalten aufgrund ihres besonderen Zeit- und Arbeitsaufwandes eine monatliche Aufwandsentschädigung von 1023 Euro.

Ratsmitglieder, die die Stadt als Aufsichtsratsmitglieder in kommunalen Beteiligungsgesellschaften vertreten, erhalten dafür Sitzungsgelder und eine Grundvergütung So erhält zum Beispiel ein Aufsichtsratsmitglied der Mülheimer Verkehrsgesellschaft eine jährliche Grundvergütung von 600 Euro und 75 Euro pro absolvierter Aufsichtsratssitzung. Der Aufsichtsratsvorsitzende erhält 150 Euro pro Sitzung. Aufsichtsräte tagen in der Regel viermal pro Jahr.

Arbeitgeber, deren Beschäftigte durch ihr kommunalpolitisches Mandat an ihrem Arbeitsplatz ausfallen, können dafür einen Ausgleich von bis zu 150 Euro pro Tag geltend machen.

Kommunalpolitiker müssen ihre Aufwandsentschädigungen versteuern. Die meisten Ratsmitglieder spenden 30 Prozent ihrer Aufwandsentschädigung an ihre Partei.

Dieser Text erschien am 20. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Montag, 19. August 2013

Wie der doppelte Abiturjahrgang die Zahl der Freiwilligen ansteigen lässt: Eine Umfrage

Was macht man, wenn es den eigenen Abiturjahrgang gleich doppelt gibt und ein extremer Numerus Clausus den Weg zum Studium der Wahl versperrt? Nutzen heute mehr Schulabgänger die Möglichkeit im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres oder des Bundesfreiwilligendienstes zwölf Monate mit einer sinnvollen Tätigkeit zu überbrücken?


Bei der Caritas, den Mülheimer Seniorendiensten, dem Diakonischen Werk der Arbeiterwohlfahrt, der Lebenshilfe, dem Deutschen Roten Kreuz und bei der Stadt bestätigt man, dass es mehr Bewerber für die zur Verfügung stehenden Freiwilligen-Stellen gibt. Bei den Mülheimer Seniorendiensten hat man dagegen nur eine gleichbleibende Bewerberzahl registriert.

„Die meisten Bewerber, die zu uns kommen wollen nicht studieren, sondern ausprobieren, ob sie in der Altenpflege arbeiten können“, erklärt Ingo Hickmann aus der Personalabteilung der Seniorendienste. Judith Kellerhoff vom Personalamt der Stadt schätzt, dass seit Jahresbeginn etwa 30 bis 40 entsprechende Anfragen, ein Drittel mehr als im Vorjahr eingegangen sind. Ob das eine Folge des doppelten Abiturjahrgangs ist, kann sie nicht beurteilen. „Viele Bewerber wissen noch nicht, wohin es beruflich gehen soll und wollen deshalb mal in verschiedene Berufsfelder hineinschnuppern.“

Die stellvertretende Geschäftsführerin der Caritas, Margret Zerres, Awo-Geschäftsführer Lothar Fink, die stellvertretende Geschäftsführerin der Diakonie, Birgit Hirsch-Palepu und DRK-Geschäftsführer Klaus-Jürgen Wolf haben dagegen immer wieder vom Zusammenhang zwischen der Bewerbung für einen Freiwilligendienst und der fehlenden Aussicht auf den gewünschten Studienplatz gehört.

Zerres berichtet sogar von Anrufen besorgter Eltern, die nachfragten, was man für ihre Kinder tun könne.

„Wir hatten noch nie so viele Bewerbungen, wie in diesem Jahr, etwa ein Viertel mehr als im Vorjahr. Außerdem haben einige Freiwillige ihren Dienst bei uns verlängert, weil sie keinen Studienplatz bekommen haben“, schildert die stellvertretende Geschäftsführerin der Diakonie, Hirsch-Palepu die aktuelle Lage. „Bei mir sind allein in der letzten Woche 30 und in dieser Woche zehn Bewerbungen gelandet, wobei inzwischen eine Bewerberin wieder abgesagt hat, weil sie doch noch einen Studienplatz bekommen hat“, berichtet Awo-Geschäftsführer Fink. Sein DRK-Kollege Wolf schätzt die Zunahme der Bewerbungen auf ein gutes Drittel und glaubt, dass bei rund der Hälfte aller Bewerbungen der fehlende Studienplatz den Ausschlag gegeben haben. „Wer seine soziale Kompetenz, die auch in der Arbeitswelt immer wichtiger wird, weiterentwickeln möchte, tut auch gut daran, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren“, findet Wolf und weist darauf hin, dass ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Bundesfreiwilligendienst von einigen Hochschulen bei der Zulassung zu sozialen Studiengängen mit Bonuspunkten belohnt werden. Inga Günther von der Lebenshilfe weiß, dass die Freiwilligendienste nicht nur bei Arbeitgebern gern gesehen werden, sondern in einigen sozialen und pädagogischen Studiengängen auch als Praktika anerkannt werden.

Obwohl inzwischen alle Freiwilligenstellen besetzt sind und die Bewerbungsfrist abgelaufen ist, will zumindest Awo-Chef Fink vorerst weiter Bewerbungen annehmen, um Nachrückern eine Chance zu geben, falls noch mal ein Freiwilliger absagen sollte, der doch noch den Studienplatz seiner Wahl bekommen hat.   Wo arbeiten wie viele Freiwillige?   Wer ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst absolviert, verdient in der Regel 330 Euro pro Monat und ist sozialversichert. Die Lebenshilfe zahlt sogar 420 Euro und stellt ein Ticket 2000.

Die Awo hat jetzt 10 Freiwillige eingestellt, die zum Beispiel im Jugendzentrum Altes Wachhaus, beim Spielmobil, in sozialpsychiatrischen Diensten und in der Ganztagsschulbetreuung mitarbeiten.

Vier Freiwillige arbeiten bei der Diakonie arbeiten in ihren sozialen Diensten und in ihrer sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft mit.

14 Freiwillige arbeiten bei der Caritas in der Ganztagsschulbetreuung sowie in der Tagesstätte und im Industriecafe für psychisch erkrankte Menschen.

Ebenfalls 14 Freiwillige arbeiten beim Roten Kreuz zum Beispiel beim Hausnotruf, für Essen auf Rädern oder im Bereich der Krankentransporte.

Die Stadt setzt ihre 14 Freiwilligen in integrativen Kindergärten, in der Oberförsterei, in der Stadtbücherei und in der Förderschule für Geistigbehinderte ein.

Die Lebenshilfe setzt ihre 19 Freiwilligen zum Beispiel im alltäglich begleitenden Assistenzdienst und in ihrer Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderung ein.   Dieser Text erschien am 14. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Freitag, 16. August 2013

Der neue Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes, Klaus-Jürgen Wolf will als kreativer Quereinsteiger nicht nur gestalten und begeistern, sondern auch zuhören, um Potenziale zu heben

Ehe er am 1. Juli die Nachfolge von Helmut Storm antrat, hatte Klaus-Jürgen Wolf nichts mit dem Roten Kreuz zu tun. Jetzt steht der 48-jährige Diplom-Kaufmann als Kreisgeschäftsführer an der Spitze des Mülheimer DRKs. Eine Zeitungsanzeige wies ihm den Weg zu seiner neuen Aufgabe. In seiner neuen Funktion trägt Wolf Verantwortung für 40 hauptamtliche und rund 400 ehrenamtliche Mitarbeiter.


„Ich kann zuhören,“ beschreibt der neue DRK-Geschäftsführer seine wichtigste Stärke. Das Zuhören ist für ihn die Voraussetzung dafür, „um die Stärken von Menschen zu erkennen und ihre Potenziale zu heben.“ Wie das im Einzelfall funktioniert, kann und will der Mann an der Spitze des Mülheimer DRKs nach gut einem Monat im Amt noch nicht sagen. Aber er hat sich fest vorgenommen, den ehrenamtlichen Helfern mehr Anerkennung zu verschaffen und als hauptamtlicher Geschäftsführer dort, wo es notwendig ist, ehrenamtliche Mitarbeiter in Leitungsfunktionen zu entlasten. Dabei denkt Wolf zum Beispiel an die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder oder an die ehrenamtliche Kreisbereitschaftsleitung des Roten Kreuzes.

Müsste das DRK die Arbeit bezahlen, die seine Ehrenamtlichen zum Beispiel im Rettungsdienst, bei Krankentransporten, in der Kleiderkammer, beim Hausnotruf, bei der Wasserwacht oder beim Essen auf Rädern leistet, so hat Ökonom Wolf ausgerechnet, müsste der Kreisverband rund 60 Vollzeitstellen schaffen. So ist der Einsatz seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter für das Mülheimer DRK im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar.

Und der neue hauptamtliche Chef des Roten Kreuzes lässt keinen Zweifel daran, „dass wir uns als Kreisverband nur dann für die Zukunft fit machen können, wenn wir auch in Zukunft Nachwuchs für diese ehrenamtliche Arbeit gewinnen und stärker als bisher in der Öffentlichkeit deutlich machen, was wir wie und wo als Rotes Kreuz in Mülheim leisten.“ Nur so, glaubt Wolf, „können wir Menschen für unsere Sache begeistern und nicht nur ehrenamtliche Mitarbeiter, sondern auch wieder mehr Fördermitglieder gewinnen.“ Denn deren Zahl ist in den letzten sechs Jahren von 4317 auf jetzt 3712 zurückgegangen.

Auch wenn Wolf, der zuletzt als Geschäftsführer für eine in Mainz ansässige Personalberatungsgesellschaft tätig war und davor als Vertriebsmanager für einen großen Bushersteller gearbeitet hat, als Neuling zum Roten Kreuz kommt und sich selbst als “Quereinsteiger“ sieht, begreift er seine Bewerbung auf den Chefposten des Mülheimer Sozialverbandes doch als konsequente Weiterentwicklung seines beruflichen Werdegangs.

Denn der Ökonom mit Managementerfahrung hat auch eine soziale Seite, die er jetzt auch stärker in seinen Beruf einbringen und mit seinen kaufmännischen und organisatorischen Fähigkeiten verknüpfen kann. Denn neben seinem Beruf leitet der dreifache Vater, der mit seiner Familie in Willich lebt, als ehrenamtlicher Geschäftsführer den Trägerverein eines Waldorfkindergartens, den seine jüngste Tochter besucht. Als junger Mann hat Wolf nach dem Abitur in seiner Heimatstadt Krefeld seinen Zivildienst bei der Mobilen Altenhilfe des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes abgeleistet und sich anschließend als ehrenamtlicher Mitarbeiter in einem Dritte-Welt-Laden und in einer Behindertenwerkstatt engagiert. Mit und für Menschen zu arbeiten, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, hat seine Persönlichkeitsentwicklung aus seiner Sicht ebenso geprägt und befördert wie seine erste hauptamtliche Stelle als Geschäftsführer des damals 2000 Mitglieder zählen Werksskiclub von Bayer Uerdingen, der ein eigenes Hotel betrieb. Damals musste er bereits das leisten, was auch in seinem neuen Hauptamt von ihm gefordert wird, nämlich die Kooperation von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter zu optimieren. Damals trug Wolf bereits Verantwortung für 20 hauptamtliche Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von fünf Millionen Euro.

„Mein aktuelles Ehrenamt in Willich werde ich aber nur noch so lange ausüben, bis meine Tochter den Kindergarten verlässt. Das wird etwa in einem Dreivierteljahr der Fall sein“, macht Wolf deutlich, dass er sich voll auf sein Hauptamt in Mülheim konzentrieren will. Langfristig kann er sich auch vorstellen, mit seiner Familie nach Mülheim zu ziehen. Die Ruhr, die mitten durch die Stadt fließt, begeistern ihn ebenso wie einige schönen Wohnquartiere und Straßencafés. Aber auch Schattenseiten, wie ausbesserungsbedürftige Straßen oder Ladenleerstände hat er schon registriert.

Das erste Groß-Projekt wartet schon:

Das größte Projekt, das der an den Hochschulen in Tübingen und Mönchengladbach ausgebildete Diplom-Kaufmann Klaus Jürgen Wolf gleich zum Start seiner Amtszeit als Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes managen muss, ist der Bau eines neuen Hilfeleistungszentrums auf dem Gelände der alten Feuerwache an der Aktienstraße.


Das Projekt, in das das Rote Kreuz rund 2,5 Millionen Euro investieren wird, soll, laut Wolf, voraussichtlich bis Ende 2014 realisiert werden. Das Hilfeleistungszentrum an der Aktienstraße wird das neue Hauptquartier sein, in dem das DRK seine Aktivitäten konzentriert und koordiniert. Daneben soll künftig nur der Standort Hansastraße als Schulungszentrum erhalten bleiben, während sich der Kreisverband von seiner jetzigen Geschäftsstelle an der Löhstraße und von seiner Nebenwache an der Heinrichstraße trennen wird.

Dieser Text erschien am 14. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Mittwoch, 14. August 2013

Was wir auch in Mülheim aus den Mainzer Personalpannen der Deutschen Bahn lernen können und müssen: Ein Gespräch mit Verdi-Vize Günter Wolf

Die urlaubs- und krankheitsbedingten Ausfälle der Deutschen Bahn im Stellwerk des Mainzer Hauptbahnhofes haben bundesweit zu einer Kontroverse darüber geführt, ob Arbeitnehmer im Notfall aus dem Urlaub zurückgeholt werden können und ob die Personaldecken insgesamt zu dünn geworden sind. Die NRZ sprach darüber mit dem stellvertretenden Geschäftsführer der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Günter Wolf, die in Mülheim und Oberhausen insgesamt 15?000 Arbeitnehmer in den Bereichen Verwaltung, Verkehr, Handel, Gesundheit, Soziale Dienste, Kirchen, Post, Wachdienste und Wohnungswirtschaft vertritt.


Frage: Dürfen Arbeitnehmer bei einer Notlage aus dem Urlaub zurückgeholt werden?

Antwort: Darauf haben Arbeitgeber keinen Rechtsanspruch. Das kann nur auf freiwilliger Basis und im Einvernehmen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geschehen.

Frage: Wenn ein Arbeitnehmer freiwillig seinen Urlaub unterbricht, worauf sollte er achten?

Antwort: Er oder sie sollte sich vom Arbeitgeber den noch zustehenden Rest- und Ersatzurlaub schriftlich bestätigen lassen. Wenn der Arbeitnehmer nichts macht und sich nur auf die Versprechungen seines Chefs verlässt, verfällt sein nicht genutzter Urlaubsanspruch zum 31. März des Folgejahres. Grundsätzlich gilt: Urlaub dient der Wiederherstellung der Arbeitskraft und kann vom Arbeitgeber nicht abgekauft werden. Außerdem muss der Arbeitgeber Stornogebühren übernehmen, wenn der Arbeitnehmer seinen gebuchten Urlaub aufgrund der betrieblichen Notlage nicht antreten kann.

Frage: Muss ein Arbeitnehmer im Urlaub für seinen Arbeitgeber erreichbar sein?

Antwort: Nein. Arbeitnehmer müssen im Urlaub weder erreichbar sein, noch können sie dazu verpflichtet werden, in ihrem Urlaub dienstliche E-Mails zu lesen.

Frage: Gab es in Mülheim vergleichbare Personalengpässe wie in Mainz?

Antwort: Bisher ist da bei uns noch nichts aufgeschlagen. Aber auch wir beobachten seit Jahren einen Trend, durch Personaleinsparungen und technische Rationalisierung Personal einzusparen und Arbeit zu verdichten.

Frage: Was sind die Folgen?

Antwort: Arbeitnehmer haben weniger Spaß und mehr Stress bei ihrer Arbeit. So werden sie schneller krank und machen mehr Fehler.

Frage: Wie kann man diese Entwicklung verhindern?

Antwort: Die Personaldecken müssen wieder dicker werden. Die Betriebe müssen ihre Urlaubszeiten schon am Jahresbeginn in enger Abstimmung mit Betriebsräten und Arbeitnehmern planen. Außerdem müssen mehr Springer ausgebildet werden, die aufgrund ihrer Qualifikation in der Lage sind, in verschiedenen Bereichen eines Unternehmens zu arbeiten. Und wenn gar nichts anderes mehr hilft, müssen Leiharbeiter, Engpässe und Arbeitsspitzen abfangen. Das darf aber nur eine zeitlich befristete Ausnahmelösung sein.

10 Prozent plant die Mülheimer Verkehrsgesellschaft für ihre wiederkehrenden Routinedienste als maximale Urlaubsquote ein. Dazu gehört auch ihr von insgesamt 218 Mitarbeitern gewährleistete r Fahrdienst. Die Mitarbeiter der Leitstelle und des Stellwerkes können sich aufgrund ihrer Ausbildung im Notfall gegenseitig vertreten. MVG-Sprecher Nils Hoffmann, räumt aber ein, dass es zu Zeiten einer Grippewelle auch schon Personalausfälle gab, die nicht mehr durch Überstunden und Arbeitsverdichtung aufgefangen werden konnten.


Dieser Text erschien am 13. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Dienstag, 13. August 2013

Der Pilot Frank Achner fliegt vom Flughafen Essen-Mülheim aus nicht nur prominente Fluggäste zu ihren Zielen in Deutschland und Europa

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, singt Reinhard Mey. „Der Mann hat Recht“, sagt Frank Achner. Der Mann muss es wissen. Er ist Pilot. 1966 saß er zum ersten Mal am Steuer eines Flugzeugs. Damals war er 16 Jahre alt. Seitdem hat ihn die Faszination des Fliegens nicht mehr losgelassen. Zwölf Jahre lang flog der promovierte Zahnmediziner als Soldat der Luftwaffe Starfighter. Heute startet er mit Turbopropmaschinen vom Typ King Air und mit kleinen Düsenjets vom Typ Cessna Citation durch. „Mit den kleinen Düsenjets dürfen wir hier nur landen und starten, wenn wir für die Deutsche Stiftung Organspende Transplantationszentren anfliegen. Sonst müssen wir auf Turbopropmaschinen zurückgreifen“, erzählt Achner.


Der Pilot, der auch während seiner Zahnarztzeit nebenberuflich Passagiere von A nach B flog, fliegt von Mülheim aus meistens gespendete Organe, durch Deutschland und Europa. Er schätzt, dass 350 von 450 Flügen, die seine Gesellschaft Star Wings von Raadt startet, auf diese Weise Leben retten.

Doch 100 bis 150 mal pro Jahr wird der in Raadt stationierte King Air der Star Wings auch von privaten Kunden gechartert, um zum Beispiel zu Geschäftsterminen oder auch in den Urlaub zu fliegen. „Von hier aus sind wir in 55 Minuten in Sylt“, berichtet Achner. Auch Mallorca, Ibiza, Borkum, Korfu, die Algarve oder Budapest, Madrid, Prag, Genf, Helsinki und Athen hat er von Mülheim aus angesteuert. In der Regel sind es aber Kunden aus dem Wirtschaftsmanagement oder aus der Politik, die den King Air chartern, „weil für sie Zeit Geld ist und sie fliegen wollen, wann und wohin sie fliegen müssen.“

So erinnert sich Achner zum Beispiel an den Flug mit einer Geschäftsführung, die dank der Chartermaschine von Raadt aus starten und in zwei Tagen verschiedene Termine in Mainz, München, Leipzig und Lübeck wahrnehmen konnte. „Wir können mit unserer Turbopropmaschine eben auch Orte in Deutschland und Europa anfliegen, die Sie mit keiner Linienmaschine erreichen können“, beschreibt Achner den Vorzug des Charterfluges, der vor der Haustür startet.

Auch wenn dieser Vorzug seinen Preis hat, legt er Wert auf die Feststellung, dass die Charterkunden seiner Gesellschaft keineswegs nur aus dem Kreis der 50 reichsten Deutschen kommen, sondern auch aus dem gehobenen Mittelstand. So erinnert sich Achner etwa an eine Familie, die mit ihren Freunden von Mülheim aus nach London flog, um dort das Examen der Tochter zu feiern. London war auch das Ziel des fußballgebegeisterten Freundeskreises, der sich zum Champions-League-Finale Bayern gegen Dortmund fliegen ließ.

Auch wenn Achner keinen Zweifel daran lässt, dass er am Flughafen schon mit manchem prominten Passagier aus Politik und Wirtschaft abgehoben ist, möchte er keine Namen nennen. „Auch die pominenten Fluggäste sind ganz normal und wollen auch so behandelt werden“, weiß der Pilot. Auch Flugpreise sind für ihn tabu. Nur so viel verrät er: „Wenn man alle neun Sitze unserer Turbopromaschine besetzt und die Fluggäste sich die Flugkosten teilen, bewegt man sich im gleichen Kostenrahmen wie bei einer entsprechenden Bahnreise in der Ersten Klasse.“ Und wie ist es um den Bordservice bestellt? „Wir haben keine Bordküche und können deshalb keine warmen Speisen zubereiten, aber sonst können wir alles vom Kaffee und Tee über Canapes bis zum Champagner anbieten.“ Stewardessen können bei Bedarf zwar auch gebucht werden, sind aber an Bord der kleinen Maschine eher die Ausnahme. Meistens wollen die Fluggäste nur schnell und sicher ihr Ziel erreichen und wieder nach Hause kommen.

Zahlen und Daten

2500 Kilometer. So weit kann die Turbopropmaschine mit einer Tankladung von Essen-Mülheim aus fliegen. Ihre Flughöhe liegt bei 9000 Metern , ihre Fluggeschwindigkeit bei 550 Kilometern pro Stunde. Spätestens nach 50 Flugstunden werden die Maschinen der Star Wings technisch überprüft. Die 35 Piloten der Gesellschaft müssen sich bis 40 alle drei Jahre, bis 60 jährlich und ab 60 halbjährlich einer Fliegertauglichkeitsprüfung unterziehen. Die Altersgrenze für Piloten im Personenflugverkehr liegt bei 65 Jahren .

Frank Achner, dessen Mutter schon 1927 auf dem zwei Jahre zuvor eröffneten Flugplatz Essen-Mülheim ein Rundflug gemacht hatte, ist davon überzeugt, dass der Flughafen an seine große Zeit als zentraler Ruhrgebietsflughafen in den 30er Jahren wieder anknüpfen könnte und als regionaler Geschäftsflughafen Essen und Mülheim einen Wirtschaftsschub geben würde, der sich auch in Arbeitsplätzen auszahlen könnte. Achner weiß, dass diese Option „derzeit politisch nicht gewollt wird.“ Er weiß aber auch von einer Aktivistin der Flughafengegner zu berichten, die sich vor Jahren von Mülheim aus nach Leipzig fliegen ließ, wo ihr Mann nach einem Unfall im Krankenhaus lag. „Später“, so erzählt Achner, „hat sie dann eingeräumt, dass sie ihre Einstellung zum Flughafen vielleicht noch einmal überdenken müsse.“

Dieser Text erschien am 10. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Samstag, 10. August 2013

Eine sommerliche Zwischenbilanz: Oder wie sich die Sommerhitze ausgezahlt hat

Spätestens seit Billy Wilders gleichnamiger Filmkomödie aus dem Sommer 1959 wissen wir: „Manche mögen es heiß.“ Und die, die es heiß mögen, kamen in den letzten Wochen wahrlich auf ihre Kosten.


Für die NRZ machte ich mich in der vergangenen Woche im Schweiße meines Angesichtes auf eine hochsommerliche Spurensuche und surfte zumindest zahlentechnisch auf der Hitzewelle, die die einen jubilieren und die anderen stöhnen ließ.

Dabei sorgte das Unterfangen den ersten Sommermonat 2013, der seinen Namen auch verdiente, in Zahlen zu fassen und so eine sommerliche Zwischenbilanz zu ziehen, auch für die eine oder andere Hitzewallung.

Im heißen Juli hieß es für viele Mülheimer immer wieder: „Pack die Badehose ein.“ Das ließ sowohl im Styrumer Naturbad , als auch im Südbad und im Heißener Wennmann-Bad die Kassen klingeln. Allein im Naturbad, das von der Paritätischen Initiative für Arbeit betrieben wird, kühlten sich im Juli 19.604 Badegäste ab. 20.232 Wasserratten planschten und schwammen derweil im Friedrich-Wennmann-Bad, das, ebenso wie das Südbad, vom städtischen Mülheimer Sportservice betrieben wird.


Im Südbad, das im Oktober von den Mülheimer Vereinen übernommen wird, konnten im Juli 10.873 Schwimmer in die Fluten springen und ihre Bahnen ziehen.

Wer nicht zur Gattung der Wasserratte zählte, wollte im heißen Juli partout nicht auf das l ebenswichtige Element Wasser verzichten, um sich zum Beispiel mit einem Glas Wasser, Marke Kranberger, oder mit einer kalten Dusche zu erfrischen. Natürlich ließen unter anderem auch das Kaffeekochen oder das Bewässern von Gärten und Blumen den Wasserverbrauch im Juli auf 3,7 Millionen Kubikmeter ansteigen. Zum Vergleich: Im kühlen Februar verbrauchten die Mülheimer nach Angaben der Rheinisch Westfälischen Wasserwerksgesellschaft nur rund drei Millionen Kubikmeter Wasser. Und im Vergleich zum Juli 2012 stieg mit den Temperaturen der Mülheimer Wasserverbrauch um 600 Millionen Liter. Das entspricht einer Zunahme um zwölf Prozent.

Obwohl das in den drei örtlichen Wasserwerken aufbereitete Ruhrwasser auch als Trinkwasser gut genossen werden kann, zogen viele Mülheimer im Juli den Genuss von Bier, Limonade oder Mineralwasser vor. An den Wochenenden war der Biergarten am Wasserbahnhof mit jeweils 500 durstigen Gästen voll besetzt.

Richard Reichenbach vom Geschäftsführungsteam des Wasserbahnhofes schätzt, dass an solchen Hochtagen dort zwischen 400 und 600 Liter Bier , über 200 Liter Mineralwasser und über 40 Liter Limonade durch die Kehlen der sommerlich erhitzen Gäste geflossen sein dürften. „Ein vergleichbar gutes Geschäft hatten wir zuletzt im Sommer 2003“, erinnert sich Reichenbach. Im Vergleich zum Juli 2012 geht er davon aus, dass im und am Wasserbahnhof etwa dreimal so viel Bier, Limonade und Mineralwasser getrunken worden sein dürfte.

Natürlich ließ die heiße Zeit nicht nur in den Biergärten, sondern auch in den Eiscafés die Kassen köstlich klingeln.


„Das ideale Eiswetter liegt zwischen 20 und 26 Grad. Wenn es kühler oder heißer wird, haben die Leute weniger Lust“, weiß man im Eiscafé Venezia, das auf der Schloßstraße und im Forum ansässig ist. Dort schätzt man, dass in einem guten Sommermonat, wie es der Juli war, zwischen 10.000 und 30.000 Eiskugeln verkauft werden können. Im Eiscafé Plati, das nicht nur leckeres Eis, sondern auch einen tollen Ruhrblick zu bieten hat, wird man etwas konkreter.

„An einem guten Sommersonntag können wir schon mal 2000 bis 3000 Eiskugeln verkaufen. An durchschnittlichen Sommertagen sind es vielleicht 800 bis 1000. Und wenn das Wetter schlecht ist, sinkt der Eisverkauf drastisch und wir sind froh, wenn wir am Ende des Tages vielleicht 150 Eiskugeln verkaufen konnten“, beschreibt ein fachkundiger Eismann aus dem Hause Plati den Zusammenhang zwischen Wetterlage und Eiskonjunktur.

An heißen Sommertagen, wie im Juli, ist Mineralwasser öffensichtlich ein Bestseller. Sowohl bei Edeka Paschmann als auch bei Tengelmann bestätigt man, dass mit den Temperaturen auch der Mineralwasserumsatz steigt. Der Geschäftsführer des Getränkelogistikers Schloßquelle, Jörg Mellis, schätzt, dass die Förderung der Mineralwasserbrunnen des in Mülheim und Essen ansässigen Unternehmens an heißen Sommertagen bis zu 1,4 Millionen Liter Mineralwasser und damit etwa 40 Prozent mehr als an normalen Tagen fördert. Mellis Schloßquelle fördert nicht nur drei eigene Mineralwassersorten, sondern vertreibt 2500 verschiedene Getränkesorten, wobei der Marktanteil des Mineralwassers an heißen Tagen von 60 auf 70 Prozent ansteigt.

Dieser Text erschien am 8. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Freitag, 9. August 2013

So gesehen: Gerade, wenn man nicht im Geld schwimmt, ist es gut, wenn man sich nicht nur auf Kassenautomaten verlassen muss

Als ich jetzt im Friedrich-Wennmann-Bad schwimmen gehen wollte, wäre ich um ein Haar baden gegangen. Und das hatte mit meiner Eintrittskarte zu tun. Auf der waren noch 30 Euro gespeichert. Doch davon wollte der Kassenautomat im Heißener Schwimmbad nichts wissen. Schon fürchtete ich, auf dem Trockenen sitzen zu bleiben und meinen guten Vorsatz einer im besten Sinne des Wortes bewegten Freizeitgestaltung nicht in die Tat umsetzen zu können, als mich ein Schwimmmeister aufklärte und zur Hilfe kam: Meine Karte sei noch am Automaten des Südbades gelöst worden. Ich staunte nicht schlecht, als ich hörte, dass der alte Automat im Südbad und der neue Automat im Wennmann-Bad nicht kompatibel seien. Sind denn nicht beide Bäder städtisch? Ja, aber nicht mehr lange, ließ man mich beim Mülheimer Sportservice wissen. Denn weil das Südbad ab 1. Oktober von den Mülheimer Vereinen übernommen und dann hauptsächlich von denen und von Schulen und nur noch eingeschränkt von der Öffentlichkeit genutzt werden kann, wollte der Sportservice keine 50- bis 60?000 Euro mehr in die Hand nehmen, um damit einen neuen und kompatiblen Kassenautomaten für das Südbad anzuschaffen. Denn der Stadt steht das Wasser ja bis zum Hals.


Konnte ich also mit meiner Karte im Wennmann-Bad nicht mehr baden gehen, weil die Stadt sonst in einen gefährlichen Strudel geraten würde? Gott sei Dank muss man sich als Badegast aber nicht allein auf Automaten verlassen, sondern trifft eben auch noch auf einen hilfsbereiten Schwimmmeister, der mein Kartenguthaben aus dem Südbad auf eine Karte übertragen hat, die auch der Automat in Heißen geschluckt hat. Baden zu gehen ohne das einem, mangels Kleingeldreserven, das Wasser finanziell bis zum Hals steht, war für mich ein Gefühl wie Weihnachten und das mitten im Hochsommer.

So ein Hochgefühl hätte unser Stadtkämmerer wohl auch gerne mal. Doch wenn unsere Stadtkasse ins Schwimmen kommt, weil man mehr ausgibt, als man einnimmt, kann wohl nur der gesund kalkulierende Menschenverstand helfen, da es noch keinen Kassenautomaten gibt, der die öffentlichen Haushalte per Knopfdruck ausgleichen könnte.

Dieser Text erschien am 7. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Mittwoch, 7. August 2013

Die Sonnen- und Schattenseiten eines Busfahrerlebens: Ein Gespräch mit dem MVG-Fahrer Cemil Ates

Seine Kollegin auf dem Plakat der Fahrerkampagne lächelt. „Für euch stehe ich gerne früh auf“, steht da. Über dieses Motiv kann Cemil Ates nur schmunzeln. „Ich bin ein Nachtmensch. Morgens früh aufzustehen, fällt mir schwer“, sagt der 49-jährige Busfahrer der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG). Deshalb beginnt er seinen Fahrdienst meistens am frühen Nachmittag oder am späten Abend.


Auf den sechs Nachtexpresslinien der MVG fährt Ates am liebsten. „Nachts ist es ruhiger auf den Straßen. Es sind nicht so viele Autos und Menschen unterwegs und viele Ampeln sind abgeschaltet“, beschreibt er die Vorzüge seiner Nachtfahrten.

Doch der gelernte Stahlbetonbauer, der nach der Insolvenz seines früheren Arbeitgebers 2005 auf Busfahrer umschulte, „weil man da mehr mit Menschen zu tun hat“, weiß auch: „Als Busfahrer muss man seine Augen immer überall haben.“ Nachts hat er seine Augen vor allem dort, wo vor allem am Wochenende regelmäßig alkoholisierte Jugendliche an Diskotheken und Kneipen einsteigen. „Wenn sie zwei oder drei Bier getrunken haben, fühlen sie sich besonders stark und sind so respektlos, dass man sich nur darüber wundern kann“, sagt der Vater von drei inzwischen erwachsenen Kindern.

Mit welchen Beschimpfungen er und auch mancher Fahrgast nachts manchmal traktiert wird, möchte er nicht weiter ausführen. Doch Ates lässt keinen Zweifel daran, dass er die in vielen Elternhäusern offensichtlich immer öfter fehlende Erziehung für die zunehmende Respektlosigkeit verantwortlich macht. „Ob diese Jugendlichen sich zu Hause auch das erlauben, was sie sich manchmal erlauben, wenn sie nachts mit Bus oder Bahn unterwegs sind?“ fragt er sich nachdenklich.

Keinen Zweifel lässt Aset auch daran, dass sich die Situation auf der früher sehr heißen Nachtexpress-Linie 9, die zwischen dem Duisburger Hauptbahnhof und dem Rhein-Ruhr-Zentrum pendelt, erheblich entspannt hat, seit zwei Sicherheitsleute mitfahren. „Allein die Optik ihrer körperlichen Präsens macht schon viel aus“, findet Aset und würde deshalb auch den anderen Nachtexpresslinien einen solchen Begleitschutz wünschen, auch wenn es dort meistens deutlich ruhiger zugeht.

Bevor die Sicherheitsleute vor zwei Jahren auf der Nachtexpresslinie 9 einstiegen, sah sich Ates dort regelmäßig mit Rangeleien konfrontiert. Was macht man als Busfahrer, wenn man gerade keine Sicherheitsleute an Bord hat und alkoholisierte Fahrgäste herumpöbeln? Die Antwort verblüfft: „Ich bin extrem höflich und mache deutlich, dass noch andere Fahrgäste im Bus sind, die sicher ans Ziel kommen wollen“, sagt Ates und lächelt. „Denn“, so erklärt er seine Deeskalationsstrategie: „wenn ich auf aggressives Verhalten selbst aggressiv reagieren würde, würden die ohnehin schon extrem aggressiven Fahrgäste nur noch aggressiver.“

Wenn Ates Charmeoffensive aber partout nicht verfangen will, macht er nur noch eines, nämlich über Funk in der Leitstelle Polizei oder Sicherheitsleute anzufordern.“ Er selbst, da klopft Aset auf Holz, war bisher noch keiner körperlichen Gewalt ausgesetzt. Aber er hat auch schon von Kollegen gehört, die während ihres Dienstes geschlagen worden sind. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Uwe Klusmann erinnert sich in diesem Zusammenhang daran, dass einem Busfahrer der MVG vor einigen Jahren durch den Faustschlag eines Fahrgastes der Kiefer gebrochen wurde. „Man hat als Busfahrer auch mit vielen netten Leuten zu tun, die sich bedanken, wenn man ihnen hilft, ihren Rollator oder ihren Kinderwagen in den Bus zu hieven oder einen Kollegen anfunkt, damit sie ihren Anschluss bekommen“, versichert Ates.

Was will die Fahrerkampagne der VIA erreichen?

Mehr Verständnis und einen freundlicheren Ton in Bussen und Bahnen, der auch den Nachwuchs motiviert: Das wünscht sich der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG), Uwe Klusmann. Er weist darauf hin, dass die 837 Busfahrer und 638 Straßenbahnfahrer im Via-Verbund der örtlichen Verkehrsgesellschaften von Mülheim, Essen und Duisburg täglich eine halbe Million Fahrgäste befördern, angesichts der zunehmenden Taktverdichtung unter einem starken Zeitdruck stehen und in ihren 8,5 Stunden-Schichten immer weniger Zeit für kleine Pausen haben. Laut Tarifvertrag bekommen Busfahrer, je nach Dienstalter, ein monatliches Bruttogehalt zwischen 2100 und 2300 Euro.

Dieser Text erschien am 25. Juli 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Dienstag, 6. August 2013

Wenn Politik krank macht: Ein Gespräch mit dem Politik-Aussteiger Thomas Behrendt

Matthias Platzeck ist mir sympathisch, "weil er kein Stratege und Taktiker ist. Der Mann ist bodenständig und nah dran an den Menschen. Der weiß, was wirklich los ist," sagt Thomas Behrendt über den brandenburgischen Ministerpräsidenten.


Dass Platzeck jetzt aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt hat, bestätigt Behrendt in seiner Ansicht und macht ihm Platzeck noch vertraut. Denn so wie jetzt der Landes- und Bundespolitiker musste auch der Kommunalpolitiker im Mai 2010 die Reißleine ziehen, weil sein Körper und seine Seele gegen den Dauerstress als Fraktionschef der Grünen und als Personalratschef der Sparkasse rebellierten. Er gab alle seine Ämter auf, nahm eine mehrmonatige Auszeit und ging für einige Wochen in eine psychosomatische Rehaklinik, um wieder ins seelische und körperliche Gleichgewicht zu kommen.

Was für Platzeck zwei Hörstürze und ein leichter Schlaganfall waren, das waren für Behrendt Angstzustände, Herzrasen und depressive Verstimmungen. "So ticken wir Männer.Solange alles funktioniert, kümmern wir uns nicht um unsere Gesundheit," sagt der ehemalige Kommunalpolitiker, der sich heute ganz auf seine Arbeit im Vorstandsstab der Sparkasse konzentriert.

Auch wenn er sich mit einem Ministerpräsidenten nicht vergleichen will, "weil da einfach noch mehr dran hängt", sieht Behrendt viele Gemeinsamkeiten. "Ich habe damals viel zu spät reagiert.Obwohl ich mich immer für Psychologie interessiert habe, bin ich erst gar nicht auf die Idee gekommen, dass meine Probleme psychisch bedingt sein könnten. Stattdessen habe ich eine Ärzterallye gemacht und nach organischen Ursachen geforscht." Ein Jahr laborierte er an seinen Symptomen herum, ehe er sich eingestand, nicht körperlich, sondern seelisch krank und am Ende seiner Leistungsfähigkeit zu sein.

"Viele waren schockiert oder haben interessiert nachgefragt, weil sie sich nicht vorstellen konnten, dass ich solche Probleme hatte, nach dem ich früher selbst immer einen guten Rat für andere übrig hatte."

Auch wenn Behrendt im Gespräch einen sehr ruhigen und ausgeglichenen Eindruck macht, sagt er über sich selbst: "Ich bin ein sehr emotionaler Mensch." Deshalb gingen ihm auch viele Schicksale, mit denen er vor allem als Personalratschef der Sparkasse, aber auch als Fraktionschef mit mehreren Ausschuss- und Aufsichtsratsmandaten konfrontiert wurde, unter die Haut. "Ich habe viele Probleme mit nach Hause genommen," erinnert sich Behrendt an die menschliche Belastung, die sein damaliges Doppelmandat mit sich brachte. Auch meine Wochenenden waren durchgetaktet, erzählt der heute 52-jährige Ex-Politiker. Termine, Termine und das Studium der umfangreichen Ratsvorlagen bestimmten bald seinen Alltag. "Ich wollte als Kommunalpolitiker und Personalvertreter wissen wovon ich rede und worüber ich spreche, statt nur austauschbare Wortblasen abzusondern", beschreibt er seinen Anspruch an sich selbst.

Die Anerkennung, die er für sein fundiertes politisches Engagement auch parteiübergreifend erfuhr, taten dem gelernten Bankkaufmann, der darunter litt, anders, als seine älteren Brüder nicht studiert zu haben, ausgesprochen gut. Deshalb legte er sich auch immer wieder ins Zeug, gab sein Bestes, nahm sich viel Zeit fürs Aktenstudium und für Begegnungen und Gespräche mit Menschen, die von seinen politischen Entscheidungen betroffen waren. Dass er auch jenseits des politischen Raums immer wieder um Rat gefragt wurde, bestärkte ihn in seinem Eifer.

Dass er dabei zu viel Zeit für die Politik und zu wenig Zeit in sein Privatleben investierte, obwohl seine Frau sein politisches Engagement positiv begleitete und ihm immer dem Rücken freihielt, merkte Behrendt erst spät. "Das war ein schleichender Prozess", sagt er heute.

Was ihm damals fehlte, merkt er heute, wenn er abends nach der Arbeit bei der Sparkasse nach Hause kommt. "Das ist ein gute Gefühl, wenn man wirklich Feierabend hat und sagen kann: Ich heute nirgendwo hin", beschreibt er seinen Ist-Zustand. Vor allem das er heute mehr Zeit hat, um sich mit seiner Frau zu unterhalten, fördert seine Lebensfreude.

Aktive Politik ist für ihn kein Thema mehr, auch wenn er selbst sagt: "Man soll niemals nie sagen." und machmal von Parteifreunden hört: "Wir vermissen dich." Muss man also politisch abstinent bleiben, wenn man gesund bleiben will?

Für Behrendt ist zumindest in der Kommunalpolitik die Doppelbelastung zwischen Beruf und politischen Ehrenamt programmiert, "weil man von den Aufwandsentschädigungen und Sitzungsgeldern als Kommunalpolitiker nicht leben kann, zumal man einen Teil davon an Partei- und Fraktion abführen muss." Deshalb gibt es für ihn nur einen Ausweg: "Wir brauchen eine Professionalisierung der Kommunalpolitik. Kommunale Politiker müssen wie Landtags- und Bundestagsabgeordnete bezahlt werden, damit ihre Doppelbelastung wegfällt", findet er. Das Ideal des ehrenamtlichen Feierabendpolitikers hält er angesichts immer komplexerer Entscheidungen nicht mehr für zeitgemäß, "wenn der Stadtrat kein totes Gremium werden soll, in dem immer weniger Menschen fachlichen Entscheidungen folgen können und wissen, was Sache ist."

Auch fürchtet Behrendt aus demokratischen und demografischen Gründen, dass der politische Nachwuchs langfristig ausbleiben könnte, wenn nur noch engagierte Rentner genug Zeit für ein kommunalpolitisches Ehrenamt hätten. "Politik kostet immer Geld", sagt Behrendt ohne der Geldverschwendung das Wort zu reden. Seine kommunalpolitische Zukunftsvision wäre die eines kleineren, aber dafür kompetenteren und finanziell unabhängigen Rates, in dem qualifizierte und professionelle Ratsmitglieder für eine bestimmte Zeit hauptamtlich Kommunalpolitik betreiben. Aus Sicht der politisch Handelnden plädiert er auch für längere Legislaturperioden: "Sechs Jahre fände ich gut, weil man als Mandatsträger dann mehr Zeit hat, sich in Themen einzuarbeiten und fachlich fundierte Entscheidungen zu treffen."

Unter der Voraussetzung, dass auch in einem kleineren Rat der demokratische Proporz gewahrt bleibt, könnte sich Behrendt, der Politik heute nur noch als Zeitungsleser verfolgt auch Stadträte mit politischer Ressortverantwortung vorstellen.

Dieser Text erschien am 3. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Samstag, 3. August 2013

So gesehen: Zwischen Reifezeugnis und Armutszeugnis oder: Was ist das Abitur heute noch wert?

Was ist das Abitur heute noch wert? Dieser Frage ist die NRZ erst kürzlich nachgegangen. Einst galten Abiturienten als gemachte Leute. Heute, da wir gleich zwei Abiturjahrgänge ins Leben entlassen, wird es ihnen mit einem ausufernden Numerus Clausus offensichtlich immer schwerer gemacht, ihren Weg zu gehen und ihr Glück zu machen.

Obwohl wir als überalternde Gesellschaft die jungen Abiturienten von heute schon morgen dringend als Fachkräfte brauchen, versperrt ihnen immer öfter der NC, der nur die Noten und nicht die Menschen mit ihren Talenten im Auge hat, den Weg zu ihrer Berufung. Das ist offensichtlich kurzsichtig und stellt unserer Gesellschaft kein Reife,- sondern ein Armutszeugnis aus. Zeit zum Nachsitzen? Klassenziel verfehlt? Wer kann uns Nachhilfe geben? Vielleicht die Abiturienten des Doppeljahrgangs, die mit ihren 12 oder 13 erfolgreich abgeschlossenen Schuljahren eine reife Leistung abgelegt haben, egal was der NC sagt. Sie nehmen hoffentlich alle Hürden und Umwege und beweisen uns, dass wir sie brauchen, auch wenn mancherorts niemand auf sie zu warten scheint.

Dieser Text erschien am 18. Juli 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Donnerstag, 1. August 2013

Was bekannte Mülheimer in ihrer Schulzeit für ihr Leben gelernt haben: Eine Umfrage zwischen den Schuljahren

Die Schule, wo ich viel vergessen habe, bestritt seitdem den größten Teil der Zeit. Ich war ein patentierter Musterknabe. Wie kam das bloß? Es tut mir jetzt noch leid. So dichtete Erich Kästner 1930 in seinem „Kurzgefassten Lebenslauf.“ Dabei soll man doch in der Schule nicht vergessen, sondern, wie es wohl jeder Schüler schon mal zu hören bekommen hat, fürs Leben lernen. Doch was hat man in der Schule wirklich für sein Leben gelernt? Heutigen und künftigen Schülern zum Trost fragte ich für die NRZ bei Mülheimern nach, deren Schulzeit schon etwas länger zurückliegt und die sich sei dem in der Schule des Lebens behauptet haben.


„Ich glaube, dass es am wichtigsten war zu begreifen, dass ich, wenn ich mich richtig bemühe, das, was ich mir vornehme, auch wirklich erlernen und einigermaßen gut beherrschen kann“, beschreibt Schuldezernent Ulrich Ernst die zentrale Lektion seiner Schulzeit.

Die Leiterin der Willy-Brandt-Schule, Ingrid Lürig, wird etwas konkreter, wenn sie sich erinnert: „Dass ich später Englisch studiert habe und Lehrerin geworden bin, hat viel mit dem Englischunterricht zu tun, den ich bei meinem Englischlehrer Wilfried Hausmann erleben durfte. Sein Unterricht war lebendig. Da stimmte einfach alles. Wir haben uns damals sehr rege über die verschiedenen Lektüren ausgetauscht und dabei auch viel über Land und Leute gelernt und so ganz nebenbei erkannt, dass die englische Sprache ganz viel mit unserer Lebenswirklichkeit zu tun hatte.“

Auch der Heißener Pfarrer Michael Manz sieht die Wurzeln seiner späteren Berufswahl in der Schulzeit. „Auf meinem Zeugnis stand früher oft: Michael ist zu still. Dass das nicht so geblieben ist, hat mit meinem Grundschulrektor Heinz Bartel und mit meiner Grundschullehrerin Erika Marzi zu tun, bei denen ich vor allem Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein gelernt habe, weil sie mir das Gefühl gegeben haben: Du kannst was“, erzählt Manz aus seinen ersten Grundschuljahren. Damals wurde in ihm „die Saat gelegt, die später aufgegangen ist“, nämlich den Wunsch, einen lehrenden Beruf zu ergreifen. Als einen solchen begreift Manz auch sein Pfarramt, das er zurzeit auch mit einem Religionslehramt an der Tersteegenschule verbindet.

„Wir waren eine sehr heterogene Klasse. Da habe ich gelernt, mich mit ganz unterschiedlichen Leute zusammenzuraufen und Dinge von der Klassenfahrt bis zur Schülerzeitung so zu organisieren, dass jeder eine Aufgabe übernimmt und etwas zum Gelingen eines Projektes beiträgt“, erinnert sich der Leiter der Styrumer Bürgerbegegnungsstätte Feldmannstiftung Max Schürmann an die wichtigste Lehre seiner Schulzeit, in der er von einem tollen Lehrer auch lernte, „dass Politik spannend sein kann und nicht nur im Bundestag stattfindet.“ Heute organisiert Schürmann zusammen mit Nutzergruppen der Feldmannstiftung und Bürgern aus dem Stadtteil Projekte und Veranstaltungen, die zuweilen auch lokalpolitische Bedeutung haben.

„Aus einer christlichen Grundüberzeugung Verantwortung dort zu übernehmen, wo man hingestellt worden ist, sich mit Leidenschaft für etwas einzusetzen und auch in schwierigen Lebenslagen einen geraden Gang zu bewahren.“ Das hat der Direktor der Katholischen Akademie Die Wolfsburg, Michael Schlagheck, in seiner Schulzeit bei den Ursulinen in Dorsten gelernt. „Es waren vor allem die Wertschätzung, die sie uns entgegenbrachten und ihre Ermutigung zu einer kritischen Mündigkeit“, die Schlagheck bis heute dankbar an Pädagoginnen und Ordensfrauen, wie Johanna Eichmann oder Tisa von der Schulenburg zurückdenken lassen, deren Vorbilder ihn bis heute inspirieren.

Wenn der 1926 in Mülheim geborene Bildhauer Ernst Rasche während seiner schwierigen Schulzeit in den Jahren der Nazi- und Kriegszeit etwas für sein Leben gelernt hat, dann „den Wert des Zusammenhalts und das gute Gefühl, von Klassenkameraden gestützt zu werden oder ihnen selbst eine Stütze sein zu können.“

„These, Antithese und Ausblick in die Zukunft.“ Die Gliederungselemente, die ihr ihre Deutschlehrerin für jeden guten Aufsatz mit auf den Lebensweg gegeben hat, beherzigt die FDP-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin Ulrike Flach, noch heute. Eigentlich wollte sie Journalistin werden, arbeitete dann aber als Übersetzerin mit Sprache, ehe sie in die Politik einstieg. „Bei meiner autoritären, aber sehr zielorientierten Deutschlehrerin, Frau Dr. Ludes - von ihrem Vornamen machten wir keinen Gebrauch-, habe ich gelernt, strukturiert zu denken und zu handeln und meine Gedanken in entsprechender Form zu Papier zu bringen“, sagt Flach.

„Ich habe in der Schule gelernt, dass man für seine Interessen auch mal streiten muss und nur etwas erreichen kann, wenn man sich zusammenschließt. Denn allein kann man nur in der Ecke stehen und jammern“, beschreibt die Geschäftsführerin der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft, Henrike Greven, die wichtigste Lehre ihrer Schulzeit. Ihr Schlüsselerlebnis war ein Schülerstreik, den sie als Stufensprecherin 1982 gegen die damalige Abschaffung des Schüler-Bafögs organisierte. Und obwohl Lehrer mit Disziplinarmaßnahmen drohten, machten 80 Prozent ihrer Mitschüler mit und niemand wurde anschließend behelligt. Ein starkes Gefühl.

Sparkassen-Vorstand Helge Kipping, der sein Abitur 1986 am Karl-Ziegler-Gymnasium gemacht hat, hat aus seiner Schulzeit vor allem Freundschaften mitgenommen, die sein Leben bis heute bereichern: „Wir können uns an dieselben Sachern erinnern und über dieselben Sachen lachen und wenn wir das tun, sind wir im Geiste ganz jung“, beschreibt Kipping den unvergleichlichen Wert alter Schulkameradschaften. Und auch seine Freude daran, „zusammen mit anderen an Projekten zu arbeiten, Ideen zu diskutieren und anschließend Ergebnisse zu präsentieren“, führt er auf Erfolgserlebnisse bei der Projektarbeit seiner Schuljahre zurück.

Dieser Text erschien am 24. Juli 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung