Samstag, 12. April 2014

Es geht um jedes Prozent: Die Eisengießerei der Friedrich-Wilhelms-Hütte profitiert von der Energiewende und wird zugleich von ihr belastet, weil ihr Gewinn auch von einer stark reduzierten EEG-Umlage abhängig ist


Private Stromverbraucher müssen derzeit eine Umlage von 6,24 Cent pro Kilowatt/Stunde bezahlen. Mit dieser sogenannten EEG-Umlage wird die Energiewende, also der Ausbau von Wind- und Solarenergie finanziert.

Energieintensive Betriebe, wie die Eisengießerei der Friedrich-Wilhelms-Hütte (Jahresumsatz 30 Millionen Euro) erhalten einen Rabatt auf diese Umlage. Der kaufmännische Geschäftsführer der FWH, Georg Stierle, spricht von einem „Nachteilsausgleich.“ Er macht in diesem Zusammenhang deutlich, dass die Strompreise im Nachbarland Frankreich, das weiterhin massiv auf Atomstrom setzt, um etwa ein Drittel niedriger seinen, als in Deutschland.

Doch die EU-Kommission sieht den Nachteilsausgleich oder Rabatt als Wettbewerbsverzerrung. Deshalb sollen nach dem Willen des Bundeswirtschaftsministeriums (wie berichtet) 500 von 2100 energieintensiven Betrieben ihren Nachlass auf die EEG-Umlage verlieren.

Ist die FWH auch betroffen? „Nach dem, was wir aus den Beihilferichtlinien des EEG-Gesetzentwurfes wissen, werden Eisengießereien auch zukünftig zu den energieintensiven Betrieben gehören, die diesen Nachteilsausgleich auch weiterhin nutzen können“, betont Stierle.

Derzeit werden der Eisengießerei der FWH 90 Prozent der EEG-Umlage und damit 1,6 Millionen Euro pro Jahr erlassen. „Dieser Nachteilsausgleich ist für uns lebenswichtig. Bei einer Gewinnmarge von zwei bis drei Prozent, geht es um jedes Prozent, weil das darüber entscheidet, ob wir mit dem Betrieb noch einen Gewinn erwirtschaften oder schon in die Verlustzone rutschen. Eine Absenkung des Nachteilsausgleichs könnte für uns deshalb existenzbedrohend sein“, erklärt der kaufmännische Geschäftsführer der Friedrich-Wilhelms-Hütte.

Die FWH, deren Eisengießerei insgesamt 300 Mitarbeiter beschäftigt und 2013 unter anderem 24 Rotornaben und über 200 Maschinenträger für Windkraftanlagen hergestellt hat, verbraucht jährlich rund 48 Millionen Kilowatt/Stunden Strom. Vor dem Hintergrund der aktuellen Prüfung der EEG-Umlage durch die EU-Kommission, kann Stierle im Moment noch nicht sagen, ob die Eisengießerei der FWH auch für 2015 beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft- und Ausfuhrkontrolle einen Nachlass auf die EEG-Umlage beantragen kann und in welcher Höhe sich dieser dann bewegen könnte. Im laufenden Jahr hat die Eisengießerei der FWH übrigens noch einmal 48 Maschinenträger für Windkraftanlagen herstellen können.

 

Dieser Text erschien am 9. April 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen