Donnerstag, 10. April 2014

Ruhrbania polarisiert immer noch: Eine Umfrage zur neuen Ruhrpromenade und ihrem Hafenbecken

An diesem Mittwochnachmittag ist die Ruhrpromenade und der Platz vor dem Hafenbecken ein Platz an der Sonne, der etliche Mülheimer anzieht, die hier ihre Mittagspause oder ihren vorgezogenen Feierabend genießen. Aus den Computervisualisierungen und Modellzeichnungen ist Wirklichkeit geworden, eine Wirklichkeit, an der sich die Geister scheiden, so wie schon 2001, als das 25-Millionen-Euro-Projekt Ruhrbania auf den Weg gebracht wurde, um die Stadt an den Fluss zu bringen und damit auch die Innenstadt neu zu beleben. Ist die Rechnung aufgegangen? Hat sich der Aufwand gelohnt?


„Es hat sich 100-prozentig gelohnt. Mülheim hat durch die Ruhrpromenade und das Hafenbecken mit dem großen Platz etwas Großstädtisches bekommen. Von hier aus wird der Blick auf die Stadthalle ganz neu geöffnet. Der Blick hat was Erhabenes und ich fühle mich hier wie in Venedig. Wenn die Stadt einen Investor für den Kaufhof sucht, sollte sie ihn hier hin führen. Wenn man das sieht, muss man als Unternehmer doch etwas machen wollen“, schwärmt die Buchhändlerin Ursula Hilberath.

Ric Köneke, der sich zur gleichen Zeit mit seinem Hund das gleiche Szenario anschaut, kann ihre Begeisterung nicht teilen. „Das ist doch kahl und grausam und wirkt auf mich wie ein Parkplatz mit Wasserstelle. Das Hafenbecken müsste viel größer sein“, kritisiert Köneke. Ruhrbania 2014 bräuchte aus seiner Sicht dringend mehr Grün. „Doch dafür hat die überschuldete Stadt jetzt gar kein Geld mehr und die Kosten für Ruhrbania werden ihr über den Kopf wachsen“, befürchtet er. „Wir hätten ein besseres Ergebnis bekommen, wenn man die Bürger rechtzeitig mit einbezogen hätte“, glaubt Köneke.

Die beiden Rathaus-Mitarbeiterinnen Sandra Gaetke und Annette Lattberg sehen die Ruhrpromenade und das Hafenbecken „als Fortschritt gegenüber den alten Ostruhranlagen.“ Sie glauben, „dass viele Leute Ruhrbania gerne annehmen werden, wenn hier noch einige Restaurants, Eisdielen und Boutiquen eröffnen.“

Amira Zahirovic, die sich mit ihrem Hund Aron auf den Treppen des Ruhrbania-Platzes niedergelassen hat, findet, „dass man den Aufwand, der hier betrieben worden ist, gar nicht sieht.“ Ihr erster Eindruck: „Trist und viel Beton.“ Sie würde sich Ruhrbania mit mehr Grün, Geschäften, Cafés und Restaurants wünschen.

„Der Aufwand hat sich nicht gelohnt, weil man in den alten Ostruhranlagen auch ganz nett an der Ruhr sitzen konnte. Und eine Verbindung zur Innenstadt fehlt auch, weil der ungenutzte Kaufhof und das Parkhaus den Weg dort hin versperren“, meint Alexandra Ilievski

. „Das sieht ja ganz nett aus“, findet dagegen Reiner Deckers. Ruhrbania wird aber aus seiner Sicht nur mit einem gut funktionierenden Kaufhof und einer lebendigen Gastronomie an der Ruhrpromenade zur Erfolgsgeschichte werden.

„Das ist doch Schwachsinn, weil die Innenstadt tot ist“, ärgern sich  Dirk Vormum und Irmgard Monreal. Sie glauben, dass mit Ruhrbania Steuergeld verschleudert worden sei, das man lieber in die Belebung der Innenstadt hätte investieren sollen, statt „den zweiten vor dem ersten Schritt zu machen“ und ein neues Quartier an der Ruhr zu bauen.

„Wir wollen hoffen, dass sich die Mühe auch gelohnt hat“, üben sich Jörg und Nicole Fischer
am Rande des Hafenbeckens in Zweckoptimismus. Nicole Fischer hofft auf nette Cafés und Restaurants an der Ruhrpromenade. Dann kann sie sich durchaus vorstellen, „dass wir auch abends öfter hier sein werden.“

Doch ihr Mann Jörg macht klar: „Aber ich darf nicht nach links gucken, denn der leerstehende Kaufhof geht mir auf die Nerven. Zur Not muss man den abreißen, um mit einer neuen Einkaufspasssage einen Durchgang zur Innenstadt zur schaffen.“

Dieser Text erschien am 3. April 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung

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