Mittwoch, 2. Juli 2014

"Dieser Sturm hat den Charakter des Hauptfriedhofes verändert", sagt dessen Leiter Wolfgang Rosenberger


„Der Friedhof ist wegen Sturmschaden bis auf Weiteres geschlossen“ steht auf einem Aushang am Seiteneingang des Hauptfriedhofes. Auch die Torbögen des Haupteingangs, durch die sonst Trauernde, Hinterbliebene und Erholungssuchende kommen und gehen, sind versperrt. Wenn der Leiter des Hauptfriedhofes, Wolfgang Rosenberger , das Rolltor am Seiteneingang für den Besucher von der Presse öffnet, sieht man sofort, warum die Sperrung Sinn macht. Nur wenige Meter hinter dem Eingangsbereich und vor dem Beginn der Eichenallee liegt ein mächtiger Silberahornbaum, dessen Wurzelwerk den Asphalt aufgebrochen hat.

Je weiter man sich vom Haupteingang entfernt und vom oberen in den unteren, stärker bewaldeten Teil des 42 Hektar großen Hauptfriedhofes kommt, desto mehr umgestürzte Bäume, herunterhängende Äste und Sträucher, die wie ein Buschbarrikade Wege versperren, sieht man.

An der einen oder anderen Stelle muss man auch schon mal einen Ast anheben, um sich den Weg zu bahnen. Und dabei merkt man sofort, wie schwer und auch spitz so ein vom Pfingststurmtief heruntergerissener Ast sein kann.

„Vor einigen Tagen hätten Sie hier noch gar nicht langlaufen können“, sagt Rosenberger, während man weiter entfernt Motorsägen rattern hört. Zehn Mitarbeiter des Grünflächenamtes und sechs Mitarbeiter eines privaten Gartenbaubetriebes sind dabei, zunächst die Haupt- und dann die Seitenwege von umgestürzten Bäumen und heruntergefallenen Ästen zu befreien. Einige Seitenwege müssen ganz neu angelegt werden, weil sie vom Starkregen unterspült worden sind.

Auch das Sternenfeld, auf dem Kinder beigesetzt sind, ist von der Krone eines umgestürzten Baumes bedeckt. An den Wegesrändern sieht man zersägte Baumstümpfe umgestürzter Bäume, die am Ringweg zwischengelagert werden und auf ihren späteren Abtransport warten. „Wie wir die Massen von Grün- und Holzabfall entsorgen“, müssen wir noch entscheiden, sagt Gartenmeister Rosenberger und weist den Besucher von der Presse auf die Gefahr hin, die man nicht auf den ersten Blick sieht. Vom Sturm abgerissene Äste, die lose in Baumkronen hängen und jederzeit aus mehreren Metern Höhe zu Boden stürzen können, könnten für Friedhofsbesucher im Ernstfall zur extremen Gefahr werden.

Um Unglücksfällen vorzubeugen bleibt die Öffentlichkeit derzeit am Hauptfriedhof ausgesperrt. „Wir werden den Hauptfriedhof in der nächsten Woche noch nicht öffnen können“, glaubt Rosenberger. In dieser Woche haben auf dem 1916 eröffneten Hauptfriedhof gar keine Beisetzungen stattgefunden.

In der nächsten Woche sollen allerdings einige Wege und Grabfelder im oberen Bereich des Hauptfriedhofes schon wieder so gefahrlos passier- und erreichbar sein, dass die dort geplanten sechs Beerdigungen ohne Risiko für die Trauergesellschaften durchgeführt werden können.

Wolfgang Rosenberger (57) arbeitet bereits seit 26 Jahren auf dem Hauptfriedhof und hat auch den Wirbelsturm Kyrill im Januar 2007 miterlebt. „Doch der war nicht so schlimm, wie dieser Sturm, weil der die Bäume diesmal im belaubten Zustand erwischt hat“, sagt der Gartenmeister, der in seinem ersten Berufsleben Kaufmann war. „Durch das Laub entstand eine Segelwirkung, durch die die Bäume dem Sturm eine größere Angriffsfläche geboten und seine Zerstörungskraft verstärkt haben“, erklärt Rosenberger. Vor allem alte Bäume mit einer besonders großen Baumkrone hielten dem Sturm mit einer Windgeschwindigkeit von über 120 Stundenkilometern weniger Stand als die jüngeren und biegsameren Bäume.Rosenberger geht davon aus dass rund 160 Bäume, 40 mehr als bei Kyrill, ein Opfer des Sturms geworden sind. Die Beseitigung der Sturmschäden werde noch Monate dauern. Art und Umfang der Grabschäden kann die Friedhofsverwaltung derzeit noch nicht abschätzen. „Der Sturm und seine Folgen haben den Charakter des Hauptfriedhofes verändert. Das ist eine echte Prüfung für uns“, lautet Rosenbergs vorläufige Zwischenbilanz.

Dieser Text erschien am 13. Juni 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung

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