Sonntag, 19. Oktober 2014

So gesehen: Zur Feier des Tages

Feiertag und Sonnenschein! Was will man mehr? Ein Eis! Doch mein Liebings-Gelatiere wünscht mir an der Eingangstür zu seinem Eiscafé am Rathausmarkt ein schönes langes Wochenende statt guten Appetit, wohlgemerkt nicht mündlich und persönlich, sondern schriftlich per Aushang.

Schon wollte ich den Kaffee auf haben, aber dann dachte ich an das sympathische Gelatiere-Ehepaar aus Italien und seine reizenden Kinder.

Warum sollten die freundlichen Mitbürger aus Bella Italia nicht auch wie jeder deutsche Otto-Normalverbraucher den Tag der Deutschen Einheit für ein langes Wochenende nutzen, um die Einheit der Bella Familia zu pflegen und zu stärken. Wie ließe es sich besser vorleben, dass man in der deutschen Gesellschaft angekommen ist, als dadurch, dass man den Nationalfeiertag mal beim Wort nimmt und konkret oder im übertragenen Sinne das Leben feiert, statt auch an diesem Tag zu arbeiten.

Und das nächste Eis kommt bestimmt, entweder an der nächsten Straßenecke oder spätestens in der nächsten Woche an gewohnter Stelle beim Lieblings-Gelatiere. Und bis dahin tut es ja auch eine Tasse Kaffee aus der heimischen Kaffeemaschine und ein Stück Kuchen. Zur Feier des Tages.
 
Von wegen zur Feier des Tages. Nicht nur, dass mir am Feiertag das Eis bei meinem Lieblings-Gelatiere verwehrt blieb. Meine Pechsträhne hielt an. Von der verschlossen vorgefundenen Eisdiele zurückgekehrt, musste ich feststellen, dass die heimische Kaffeemaschine streikte und der Streuselkuchen, auf den ich mich gefreut hatte, von meiner Mutter bereits unvorsichtigerweise im Tiefkühlfach zwischengelagert worden.

So hatte ich mir das mit dem Eis zum Tag der Einheit eigentlich nicht vorgestellt.

So blieb mir am Nachmittag des Feiertages nur der Rückgriff auf eine Tasse Nescafé und eine Packung Butterkekse zurückgreifen. Immerhin besser als eine Nulldiät zum Nationalfeiertag.

Doch kulinarische Festtagslaune wollte da nicht recht aufkommen. Für die sorgte erst eine köstliche Pizza am Abend, die aus dem Ofen eines italienischen Pizzabäckers kam, der meine angeknackste Festtagslaune wieder aufmöbelte, in dem er gewissermaßen kulinarisch für seinen eismachenden Landmann in die Bresche gesprungen war.

Wieder mal wurde mir klar: Man soll eben auch einen Festtag nicht vor dem Abend loben. Und auf lange Sicht ist ohnehin jeder Tag ein Festtag, an dem man feststellen kann, dass der Ofen noch nicht aus ist und immer noch etwas Gutes auf den Tisch kommt.

Diese Glossen erschienen am 4. und 6. Oktober 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung

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