Samstag, 11. Oktober 2014

Sturmerprobt und für gut befunden: Ein Gespräch über den Einsatz der Rot-Kreuz-Helfer beim Pfingstorkan Ela

105 Helfer des Roten Kreuzes sorgten in den beiden Wochen nach dem Pfingstorkan dafür, dass die Feuerwehr genug Kraft und Freiraum hatte, um die Sturmschäden zu beseitigen.

Umgestürzte Bäume zersägen und abtransportieren oder vollgelaufene Keller leerpumpen. Das war in den zwei Wochen nach dem Orkan vom Pfingstmontag Alltag für 3600 Feuerwehrleute aus Mülheim und dem Regierungsbezirk Detmold. An rund 50 Prozent der 45.000 Mülheimer Bäume musste Hand angelegt werden. Rund 2000-mal mussten Feuerwehrleute ausrücken, um Sturmschäden zu beseitigen. So schätzt man bei der Stadt.

Auch das Deutsche Rote Kreuz war mit 105 ehrenamtlichen Helfern im Einsatz. „Das war der längste Einsatz in der Geschichte unseres Kreisverbandes“, blickt Kreisbereitschaftsleiter Martin Meier auf die stürmischen Tage vom 9. bis zum 21. Juni zurück. Insgesamt 3200 Dienststunden haben die Rot-Kreuz-Helfer in dieser Zeit unentgeltlich abgeleistet. Das taten sie meistens vor Arbeitsbeginn und nach Feierabend oder in ihrem Urlaub.

 „Ich habe geahnt, dass da viel Arbeit auf uns zukommt, weil man auf vielen Straßen kaum noch durchkam“, erinnert sich Meier an den ersten Lagebericht im Krisenstab. Nach einem Gespräch mit Feuerwehrchef Burkhard Klein stand fest, welche Aufgaben das Rote Kreuz übernehmen würde. „Wir mussten die Feuerwehr im Rettungsdienst entlasten, damit ihre Leute die Hände fürs Sägen und Pumpen freihatten. Und wir sollten die Verpflegung der Einsatzkräfte sicherstellen“, berichtet Meier.

Schon am späten Abend des Pfingstmontags ging es los. Sechs Rot-Kreuz-Helfer bereiteten in der Küche der Leitstelle an der Heinrichstraße Gulasch und Nudeln für 120 Feuerwehrleute zu. Von dort aus musste die Erstverpflegung der Einsatzkräfte zur Feuerwache an der Duisburger Straße gebracht werden. Und das war erst der Anfang. Zeitgleich rückten die mit jeweils zwei Helfern besetzten acht Rettungsfahrzeuge des Roten Kreuzes aus, die sonst nur am Wochenende die Feuerwehr im Rettungsdienst entlasten. Hinzu kamen zwei Lotsenfahrzeuge, mit denen das DRK den auswärtigen Einsatzkräften den Weg zum jeweiligen Ort des Geschehens wies.

Doch die größte Schlacht, die für die Helfer des Roten Kreuzes an der Sturmfront zu schlagen war, war die in der Küche und am Buffet. „Am ersten Tag nach dem Sturm mussten wir bereits 300 und am dritten Tag schon 800 Einsatzkräfte versorgen“, erinnert sich der stellvertretende Zugführer Andreas Hahn. Neben dem Nachschub für das leibliche Wohl der Feuerwehrleute, musste er auch den Einsatz der eignen Helfer koordinieren und immer wieder abklären, „wer wann konnte“, damit täglich drei Mahlzeiten für die Feuerwehrleute auf den Tisch kommen konnten. „Das war schon eine ganz schöne Hausnummer“, erinnert sich Hahn nicht ganz ohne Stolz an den Tag Drei nach dem Pfingststurm, als 15 DRK-Helfer zwischen 5.45 Uhr und 7.30 Uhr dafür sorgten, dass 800 Feuerwehrleute vor ihrem Einsatz ein Frühstück in der Stadthalle bekamen.

„Toll, dass ihr da seid und das alles möglich macht. So etwas sind wir von anderen Einsätzen gar nicht gewöhnt“, schildert der 21-jährige Berufsschüler und DRK-Helfer Daniel Regalado die dankbaren Reaktionen der Feuerwehrleute. Allein Regalado investierte 400 unbezahlte Arbeitsstunden, damit die Feuerwehrmänner nicht vom Fleisch fielen. „Man hat den Leuten angesehen, wie anstrengend ihre Arbeit ist“, erinnert sich Andreas Hahn. Seine eigenen unbezahlten Arbeitstage, die um 5 Uhr begannen und gegen 21 Uhr endeten, kommentiert er lakonisch. „Man denkt nicht darüber nach. Man macht einfach, was zu tun ist.“

Was für die 105 DRK-Helfer vom 9. Bis 21. Juni im Betreuungsdienst zu tun war, trainieren sie regelmäßig bei Katastrophenübungen, bei denen zuletzt Mitglieder des Blinden- und Sehbehindertenvereins sich als Trainingspartner vom Betreuungsdienst des DRKs in der Max-Kölges-Schule verpflegen ließen. „Dass das, was wir regelmäßig besprechen und trainieren, jetzt in der Praxis so reibungslos funktioniert hat, zeigt, dass wir als Helfergemeinschaft ein eingespieltes Team sind, in dem sich jeder auf den anderen verlassen kann“, freut sich Kreisbereitschaftsleiter Martin Meier. Und Daniel Regalado glaubt: „Das liegt auch daran, dass viele DRK-Helfer nicht nur beim Roten Kreuz zusammenarbeiten, sondern auch privat miteinander befreundet sind.

Doch aller ehrenamtliche Einsatz an den vier Versorgungsstationen, die das Rote Kreuz, nach dem Sturm an den Feuerwachen in Speldorf und Heißen, an der Gustav-Heinemann-Schule in Dümpten und an der Mintarder Straße in Saarn für die Einsatzkräfte der Feuerwehr mit Buffet, Tischen, Stühlen, Geschirr und Bestecken eingerichtet hatte, hätte nichts gefruchtet, wenn nicht Wolfgang Scharrenberg und seine Frau Silvia still und effektiv im Hintergrund immer wieder für Nachschub gesorgt hätten.

„Ich habe es gerne gemacht, weil ich gesehen habe, dass es wichtig war und einfach Sinn machte“, erklärt Scharrenberg sein Engagement, das ihn zwischen dem 9. und 21. Juni oft nur vier Stunden in der Nacht schlafen ließ. Denn auch während seines ehrenamtlichen Einsatzes, arbeitete er weiter hauptberuflich als kaufmännischer Angestellter im Einzelhandel. Täglich war der 65-Jährige mit seiner besseren Hälfte, die er vor 40 Jahren beim DRK kennengelernt hat, als Einkäufer und Lieferservice unterwegs, um am Ende unter anderem 10.200 Brötchen, 2600 Stück Kuchen, 1000 Liter Erbsensuppe, 3200 Frikadellen, 2500 Bockwürste, 250 Kilo Aufschnitt und 80 Pfund Kaffee an den hart arbeitenden Mann und die Frau von der Feuerwehr zu bringen. Nur ein Wehrmutstropfen bleibt für Martin Meier: „Schade, dass viele Arbeitgeber sich schwer tun, Mitarbeiter für ehrenamtliches Engagement freizustellen“, beklagt der Kreisbereitschaftsleiter nach dem erfolgreichen Unwettereinsatz.

Dieser Beitrag erschien im September 2014 im DRK-Magazin 

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