Donnerstag, 23. Juli 2015

Mülheim: Immer eine Reise wert - Auch in der Ruhrstadt ist Tourismus ein Wirtschaftsfaktor

Die Weiße Flotte: Seit 1927 ein touristisches Higlight

Sommerzeit ist Ferienzeit. Beim Thema Urlaub denken die Meisten an Mallorca und Co. Doch auch in Mülheim kann man Urlaub machen. „Es ist nicht so, dass die Leute ein oder zwei Wochen Ferien in Mülheim machen würden. Die meisten Touristen kommen für ein zwei oder drei Tage in die Stadt“, erklärt die Geschäftsführerin der Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismus-Gesellschaft MST, Inge Kammerichs.

Als Hauptanziehungspunkte nennt sie den Ruhrtalradweg, die Müga, die Ruhr mit der Weißen Flotte und die interaktiven Museen Aquarius, Haus Ruhrnatur und Camera Obscura, die als Teil der Route der Industriekultur zusammen mit den anderen Revierstädten im Rahmen der Ruhr-Tourismus-GmbH vermarktet werden. „Mülheim hat da ein riesiges Potenzial“, betont Kammerichs mit Blick auf den Tourismusmarkt für Kurzzeit-Urlauber. Im letzten Jahr registrierte die MST immerhin 153.000 Übernachtungen, rund 4000 mehr als im Jahr zuvor.

„Die freizeittouristischen Übernachtungen machen davon nur etwa 15 Prozent aller Übernachtungen aus“, räumt Kammerichs ein. Allerdings hat das an der Fachhochschule Westküste in Heide ansässige Institut für Freizeit und Management bei einer von der MST in Auftrag gegebenen Studie herausgefunden, dass jährlich rund 3,2 Millionen Tagestouristen nach Mülheim kommen, die im Durchschnitt knapp 41 Euro in der Stadt ausgeben. Davon profitieren vor allem Geschäftsleute und Gastronomen. Aber auch große Ausstellungen, wie die 2014 im Museum Alte Post gezeigte August-Macke-Ausstellung. Sie zog Besucher aus ganz Deutschland nach Mülheim. Allein die MST konnte in diesem Zusammenhang rund 160 Ausstellungspakete, inklusive Hotel-Übernachtung und Ausstellungseintritt verkaufen.


Bei Familien, Freundeskreisen und Kollegen sind auch Tagesreisen, inklusive einer Paddeltour de Ruhr mit dem Wikingerschiff Müwi sehr gefragt. Sie wurden im letzten Jahr allein rund 300 Mal gebucht.

Apropos Paket- und Pauschalangebote. Derzeit arbeiten die MST und ihre Partner in der Ruhrtourismus GmbH an einer Internetplattform, die es erlaubt nicht nur Hotelübernachtungen, sondern auch ganze Reisepakete online zu buchen. Die neue Internetplattform soll ab Frühjahr 2016 einsatzbereit sein. „95 Prozent der Touristen buchen inzwischen online“, beschreibt Kammerichs den Trend.

Neben einer breiten Vernetzung im Netz, setzt die MST bei der Mülheimer Tourismuswerbung natürlich auch weiterhin auf gedruckte Broschüren und Flyer, die ihre Mitarbeiter zum Beispiel als Präsentations- und Informationsmaterial zu Tourismusmessen mitnehmen.

Regelmäßig sind sie auf entsprechenden Fachmessen, wie Camping, Motor und Tourismus in Stuttgart, auf der Reise- und Camping in Essen oder bei der Niederrheinischen Freizeitmesse in Kalkar präsent.

„Die meisten Touristen, die zu uns kommen, kommen aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Außerdem konnten wir bei den Gästen aus den Niederlanden 2014 ein Plus von 22 Prozent verzeichnen“, berichtet MST-Mitarbeiter Marc Baloniak. Dass es vor allem viele Menschen aus Baden-Württemberg an die Ruhr zieht, ergibt sich, laut Baloniak, daraus, „dass früher viele Menschen arbeitsbedingt von Baden-Württemberg ins Ruhrgebiet gezogen sind und heute viele Menschen vom Ruhrgebiet nach Baden-Württemberg ziehen.“

Wer nicht aus freizeittouristischen, sondern aus dienstlichen Gründen, nach Mülheim kommt, weil er zum Beispiel an einem Fachkongress in der Stadthalle teilnimmt oder eine Messe in Essen oder Düsseldorf besucht, tut dies außerhalb der klassischen Ferienmonate Mai bis Oktober.

„Der Schwerpunkt liegt hier in den letzten vier Monaten des Jahres“, weiß Kammerichs. Ob Tourist oder Geschäftsreisender: Im Schnitt, so hat es die Studie der Tourismusforscher von der Westküste herausgefunden, gibt jeder Übernachtungsgast, der nach Mülheim kommt, täglich rund 176 Euro aus. Tourismus ist also auch in unserer Stadt ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor.


Dieser Text erschien am 2. Juli 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

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