Sonntag, 15. November 2015

Der Mannschaftsspieler: Max Schürmann

Max Schürmann leitet seit
25 Jahren die Styrumer
Feldmannstiftung
„Sind Sie nicht der Mann von der Feldmannstiftung?“ wird Max Schürmann schon mal gefragt, wenn er sich außerhalb Styrums bewegt. Wenn man mit ihm durch Styrum selbst geht, könnte man glauben, er sei so etwas, wie der Styrumer Bürgermeister. So oft wird er angesprochen und nach diesem oder jenem im Stadtteil gefragt. Doch der 59-Jährige, dem man sein Alter nicht glauben mag, wenn man ihn sieht, ist nicht Bürgermeister, sondern Leiter der Bürgerbegegnungsstätte Feldmannstiftung und das schon seit 25 Jahren.

„Wir haben uns zu einem wichtigen Treffpunkt für den Stadtteil entwickelt und leisten hier niederschwellige Kulturarbeit, die in den Stadtteil hineinwirkt und die Menschen hier anregt, auch jenseits der Styrumer Stadtteilgrenzen Kultur zu entdecken“, sagt Schürmann über die Bedeutung der 1988 eröffneten Begegnungsstätte. Er muss schmunzeln, wenn ihm alte Styrumer erzählen, dass das von Mauern umgebene Anwesen der Familie Feldmann früher absolut unzugänglich war und selbst Äpfel, die an einem über der Mauer hängenden Baumast hingen, nicht gepflückt werden durften.
Die Feldmänner würden sich wundern, wenn sie erleben würden, welch durch und durch öffentlicher Raum ihr Anwesen heute ist. Hier gibt es heute Gruppen- und Seminarräume, eine viel besuchte Cafeteria, in der nicht nur gegessen, getrunken und gefeiert, sondern auch Kunst ausgestellt wird. Hier gibt es einen großen Park mit einem kleinen Spielplatz, der von kleinen und großen Styrumern als grüne Oase und als Festplatz für 

Freiluftveranstaltungen geschätzt. „Allein zu unserer Kinderkleider- und Spielzeugbörse kommen bis zu 2000 Menschen“, erzählt Schürmann. 25 verschiedene Gruppen, vom Karnevalsverein über Malkreise und Künstlergruppen bis hin zum Styrumer Geschichtsgesprächskreis, der inzwischen vier Bücher publiziert hat, sind heute in der Feldmannstiftung zu Hause.

Besonders wichtig ist es für Schürmann und seine Kollegin Ulrike Nottebohm, die Feldmannstiftung zu einem für alle offenen Kultur- und Sozialraum zu machen. Junge Rockbands, die hier Auftrittserfahrung sammeln, haben ebenso Platz wie Karnevalsveranstaltungen, Kunstausstellungen, Puppentheateraufführungen oder private Familienfeste und der musikalisch begleitete Tanztee für die reifere Generation. „Die privaten Vermietungen unserer Cafeteria sind eine wichtige Einnahmequelle für uns“, berichtet Schürmann. Zwei Drittel des Budgets wird aus Mitteln der Leonhard-Stinnes-Stiftung finanziert. Ein Drittel muss die Bürgerbegegnungsstätte aus ihren eigenen Einnahmen erwirtschaften.

Wie sehr die Bürger ihre Begegnungsstätte schätzen zeigte sich erst kürzlich, als ein Spendenaufruf, für die Installierung einer notwendigen Feuertreppe 7000 Euro einbrachte. „Styrum ist ein Stadtteil mit vielen Problemen und Herausforderungen. Aber hier gibt es auch viele Menschen, die nicht nur klagen, sondern auch bereit sind, sich konkret zu engagieren“, schildert Schürmann seine Erfahrungen. Als Moderator der Stadtviertelkonferenz, die sich regelmäßig im Aquarius-Wassermuseum trifft, oder als Organisator des Styrumer Familienfestes im Styrumer Schlosspark staunt er selbst immer wieder darüber, wie viele Menschen mitmachen und anpacken.

Auch durch seine eigene Netzwerkarbeit sind in Styrum immer wieder neue Initiativen und Aktionen, wie etwa der Styrum Aktionstag 50 Plus entstanden. Er selbst mag an seiner Arbeit, dass sie ihn vielseitig als Mensch und Manager fordert und immer wieder mit interessanten Menschen zusammenbringt.
Dabei spürt Schürmann, der  gern Basketball spielt, dass der Erfolg seiner Arbeit nur im Mannschaftsspiel möglich ist.

In seinem vorangegangenen Berufsleben arbeitete der Politikwissenschaftler Max Schürmann als Gutachter für Entwicklungshilfeprojekte im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Entsprechend viel war er in der Welt unterwegs.

Doch dann wurde er Familienvater und suchte eine weniger reiseintensive Berufstätigkeit.
1990 holte ihn der damalige Kulturdezernent Hans-Georg Küppers, der ihn durch seine Arbeit im Oberhausener Kulturzentrum Altenberg kennengelernt hatte, als Leiter der Feldmannstiftung nach Mülheim

Dieser Text erschien am 14. November 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen