Montag, 16. November 2015

Habib Sevgi: Ein muslimischer Christdemokrat

Habib Sevgi
Bei der Bundestagswahl im September könnte mit Cemile Giousouf zum ersten Mal eine Muslima für die Christdemokraten ins Parlament einziehen. Die Hagener Direktkandidatin wurde bei der Landesvertreterversammlung der CDU auf den noch aussichtsreichen Listenplatz 25 gewählt. Zum Vergleich: Die Mülheimer Direktkandidatin der CDU, Astrid Timmermann-Fechter landete auf Listenplatz 37.

Doch auch in ihrem Wahlkampfteam engagiert sich mit Habib Sevgi ein muslimischer Christdemokrat. Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Sevgi meint Nein. „Wir sollten nicht das in den Vordergrund stellen, was uns trennt, sondern das, was uns verbindet“, findet er.

Und Verbindendes entdeckt er in den monotheistischen Religionen Christentum und Islam an vielen Stellen. Habib erinnert an die in Bibel und Koran verkündete Goldene Regel, wonach man jeden so behandeln solle, wie man selbst behandelt werden wolle und an den Grundsatz, „dass alle Menschen vor dem einen Schöpfer gleich sind. Der muslimische Christdemokrat spricht vom „hochgeehrten Herrn Jesus“, den seine Glaubensgeschwister zwar nicht als Gottessohn, aber als Propheten ansehen.

Auch den Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, sieht er als gemeinsames Fundament, auf dem Christen und Muslime gemeinsam Politik machen und zusammen leben können. Viel wäre aus seiner Sicht schon gewonnen, „wenn Menschen aufeinander zugehen und sich ein eigene Meinung bilden würden statt sich auf das manchmal verzerrte Bild zu verlassen, dass uns durch Medien vermittelt wird.“

Sevgi, der sich selbst als „einen aktiven sozialen Menschen bezeichnet“, glaubt, „dass die Menschen aktiver werden müssen und nicht nur meckern dürfen“, wenn sich in einer Stadt oder in einem Land etwas verbessern soll. Deshalb war ihm von Anfang an klar, dass er sich politisch engagieren wollte. Deshalb machte er sich vor zwei Jahren ein eigenes Bild von den Mülheimer Parteien und fand seine Heimat am Ende bei der CDU. Warum?

„Ich bin ein demokratischer Muslim und habe in meinem Leben immer wieder erfahren, dass der Weg durch die goldene Mitte der beste ist“, antwortet Sevgi und macht klar, dass er politisch die CDU genau in dieser goldenen Mitte und damit als bestes Bollwerk gegen jede Form von Radikalismus ansieht. „Radikalismus ist nie gut für eine Gesellschaft, egal ob sie von Rechtsextremisten oder Salafisten ausgeübt wird“, ist Sevgi überzeugt. Gerade in schwierigen Zeiten muss sich unsere Gesellschaft nach seiner Ansicht vor Populismus und Politikverdrossenheit hüten. „Weglaufen ist keine Lösung. Wir brauchen eine Politik, die aus dem Volk heraus und für das Volk gemacht wird und akzeptiert, dass auch Politiker nur Menschen sind, die Fehler machen können“, betont Sevgi, der eine politische Karriere zwar nicht ausschließt, aber seine berufliche Zukunft im Bereich der sozialen Arbeit sieht.

„Ich möchte Menschen Freude geben und helfen“, sagt er. Und das sieht er auch als Aufgabe der Politik an. Auch wenn etwa das Einsparen eines Schulstandortes, wie an der Bruchstraße keine Freude macht, sieht Sevgi auch in dieser Entscheidung seiner Partei „eine Finanzpolitik, die auch an morgen und daran denkt, dass die Rechnung jeder Politik am Ende von den Steuerzahlern bezahlt werden muss.“

Bei einem Gespräch mit Geschäftsleuten von der multikulturellen Eppinghofer Straße ist ihm zuletzt wieder einmal deutlich geworden, dass Deutsche und Zuwanderer mehr verbindet, als trennt, wenn um die Lösung ganz alltäglicher Probleme geht. Das gelte für die Frage nach beruflicher Zukunft und Ausbildung ebenso wie für die Frage nach Angeboten einer sinnvollen Freizeitgestaltung, nach ausreichenden Parkplätzen oder einer verbesserungswürdigen Müllentsorgung.

„Wir brauchen in unserer Gesellschaft mehr Einfühlungsvermögen, das uns mit Respekt aufeinander zugehen und erkennen lässt, dass jedes Verhalten eines Menschen auch seine ganz persönliche Geschichte hat.“ Und er selbst glaubt, dass er auch deshalb Christdemokrat geworden ist, weil er als Mensch „in der CDU sehr herzlich und und mit offenen Armen, wie in einer großen Familie“ aufgenommen worden sei.


Dieser Text erschien am 10. April 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

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