Mittwoch, 13. Januar 2016

Drei Fragen an Was wird aus den ehemaligen Christbäumen?

Tanja Schenk
(Foto: MEG)
„O, Tannenbaum. O, Tannenbaum. Du kannst mir gut gefallen.“ So heißt es in einem Weihnachtslied. Doch nach dem Fest kommt die Arbeit. Alle Jahre wieder, müssen die ehemaligen Schmuckstücke aus den Wohnzimmern an den Straßenrand gestellt werden. Doch was passiert dann mit ihnen? Tanja Schenk aus dem Geschäftsführungsteam der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft MEG weiß es:

Frage: Wie viele Christbäume müssen nach dem Weihnachtsfest abtransportiert werden?

Antwort: In den letzten Jahren sind rund 140 Tonnen pro Saison angefallen. Das entspricht in etwa einer Anzahl von 15 000 bis 18 000 Weihnachtsbäumen. Diese Zahl ist gleichbleibend.

Frage: Was passiert mit den ausgemusterten Christbäumen, wenn sie bei der MEG angekommen sind?

Antwort: Von der MEG aus kommen die Christbäume in die Kompostierungsanlage Coesfeld und werden dort zu Kompost verarbeitet, der als Dünger in der Landwirtschaft oder im Gartenbau landet.

Frage: Was passiert, wenn man seinen Baum nicht rechtzeitig an den Straßenrand stellt?

Antwort: Wenn ein Weihnachtsbaum nicht rechtzeitig am Straßenrand liegt, wird er nicht von der MEG mitgenommen. In diesem Fall kann man ihn kostenlos am Schadstoffmobil oder am Recyclinghof abgeben. „Wild“ entsorgte Weihnachtsbäume gelten als „wilde Müllablagerung“ und werden im Auftrag der Stadt Mülheim kostenpflichtig entsorgt.


So gesehen: O, Tannenbaum, o Tannenbaum

O, Tannenbaum. O, Tannenbaum: Du kannst mir sehr gefallen. So haben wir vor kurzem noch in unseren Wohnzimmern unter dem Selbigen gesungen. Und jetzt liegen die Ex-Christbäume schon wieder auf der Straße. So schnell geht es im Leben. Heute hui, morgen pfui. Ein Sinnbild für unsere gesellschaftliche Landschaft. Von wegen: „O Tannenbaum, o Tannenbaum, dein Kleid will mich was lehren: Die Hoffnung und Beständigkeit gibt Trost und Kraft zu jeder Zeit.“ Nicht nur ehemalige Christbäume, die nadeln, sondern auch so mancher Mann, wie ein Baum, landet zuweilen über Nacht auf der Straße, weil seine Ecken und Kanten nicht mehr ins Konzept der untreuen Tomaten passen, die zuweilen in Chefetagen sprießen. Diese Früchtchen vergessen in ihren Blütenträumen vom perfekten und produktionskompatiblen Menschen, dass Treue und Beständigkeit der Dünger sind, der dafür sorgt, dass wir als Gesellschaft noch auf einen grünen Zweig kommen und uns gegenseitig grün bleiben können. Das Gefühl, im Wald zu stehen oder den Selbigen vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen, haben wir heute viel zu oft.

Dieser Text erschien am 12. Januar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

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