Donnerstag, 14. Januar 2016

Eine Frau, die Farbe in die Politik brachte: Vor 30 Jahren starb Helga Wex

Helga Wex
(1924-1986)
Archivfoto: CDU
Als die CDU vor einigen Wochen ihren 70. Geburtstag feierte, fiel der Name Helga Wex öfter. Als „intellektuelle Mentorin“ und als „Vordenkerin einer modernen Frauen und Familienpolitik“, der „wir unendlich viel verdanken“ wurde die vor 30 Jahren gestorbene Christdemokratin gewürdigt. Erziehungsgeld und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, etwa durch Teilzeitarbeit. Was heute selbstverständlich klingt, war umstritten, als es von Helga Wex in den späten 60er und frühen 70er Jahren zum ersten Mal in die politische Debatte eingebracht wurde.

1967 rückte die damals 44-jährige Literaturwissenschaftlerin für den verstorbenen Alt-Bundeskanzler Konrad Adenauer in den Bundestag nach. Schon zwei Jahre später wählte sie ihre Partei zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Als stellvertretende Fraktionsvorsitzende gehörte Wex in den 70er Jahren zu den Schattenkabinetten der damaligen Unions-Kanzlerkandidaten.

1971 war Wex Gründungsvorsitzende der CDU-Frauenvereinigung, aus der später die Frauen-Union wurde. Als originelle Querdenkerin, die für eine partnerschaftliche Frauen- und Familienpolitik auf allen gesellschaftlichen Ebenen eintrat, war Wex hoch geachtet, eckte aber auch bei vielen konservativen Parteifreunden an. Erst 1985 konnte sie sich mit ihren politischen Ideen auf dem Essener CDU-Parteitag durchsetzen.

Doch da war sie schon von der Krebserkrankung gezeichnet, der sie am 9. Januar 1986 im Alter von 61 Jahren erliegen sollte. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel würdigte Wex in einem Nachruf als „unbequeme Dame“ und „als einen Farbtupfer in dem ansonsten vom grauen Männerzwirn geprägten Bundestag.“


Dieser Text erschien am 9. Januar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

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