Montag, 4. April 2016

Hans-Dietrich Genscher: Mitarchitekt der deutschen Einheit

Hans-Dietrich Genscher bei seinem
letzten Besuch in der FDP-Bundestagsfraktion
im Jahr 2012. Links sieht man die damalige
Mülheimer FDP-Bundestagsabgeordnete
Ulrike Flach.
Immer noch ist Hans-Dietrich Genscher einer der beliebtesten Politiker Deutschlands. Dabei hat er sich bereits 1998 aus der aktiven Politik zurückgezogen. Damals verließ er nach 33 Parlamentsjahren in Bonn und Berlin den Deutschen Bundestag und damit die aktive Politik.

Dass er immer noch bekannt, geschätzt und gefragt ist, unterstreicht die Bedeutung seines politischen Lebenswerke. Im Osten Deutschlands geboren und im Westen Deutschlands groß geworden, sollte er als Außenminister in den Jahren 1989 und 1990 zum Mitarchitekten der Deutschen Einheit werden. Damit schloss sich für ihn ein Lebenskreis. Mit dem wohl berühmtesten unvollendeten Satz der deutschen Geschichte: "Ich bin heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise..." sollte er in das kollektive Gedächtnis seiner Landsleute eingehen.


Schon lange bevor er 1990 das 2-plus-4-Abkommen einfädelte und damit die Wiedervereinigung ermöglichte, hatte sich der langjährige Außen- und vormalige Innenminister einen Namen als Entspannungspolitiker gemacht und der Bundesrepublik Deutschland internationales Vertrauen erworben. Auch als langjähriger FDP-Vorsitzende blieb Genscher immer Staatsmann und erwarb sich so auch jenseits der liberalen Parteigrenzen Vertrauen und Anerkennung. Auch wenn sich Genscher als Mit-Architekt der sozial- und der christlich-liberalen Koalitionen 1969 und 1982 oder durch seine frühe diplomatische Anerkennung der nach Unabhängigkeit strebenden Balkan-Staaten (1991) zum Teil massive Kritik zuzog, überraschte es niemanden, als er nach dem selbstbestimmten Abschied aus dem Auswärtigen Amt (1992) mit seinem liberalen Vorgänger der Weimarer Republik, Gustav Stresemann, verglichen wurde.  




Dieser Text erschien am 21. März 2002 zum 75. Geburtstag von Hans-Dietrich Genscher in der katholischen Tagezeitung Die Tagespost (Würzburg)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen