Freitag, 27. Mai 2016

Beispiele begeistern Beate Steegers-Esken, Rolf Ball und Claudia Köster glauben, dass das Vereinsleben Zukunft hat, wenn es Menschen gibt, die Freude daran vorleben können


Rolf Ball ist Schatzmeister beim
TSV Heimaterde
„Wenn sich sieben Deutsche treffen, gründen sie einen Verein“, spottet der Volksmund. Darüber können die Öffentlichkeitsarbeiterin des Mülheimer Zupforchesters, Beate Stegers-Esken, der Schatzmeister des TSV Heimaterde, Rolf Ball, und die Vorsitzende des in Mülheim ansässigen Bundesverbandes der Menschen mit angeborenen Gefäßfehlbildungen, Claudia Köster, herzlich lachen. Ob Kultur, Sport oder Selbsthilfe. Alle drei investieren gerne viel Zeit und Arbeit in ihr Ehrenamt, das sie als menschlich bereichernd und ihren Horizont erweiternd empfinden.

Aber sie schauen nicht blauäugig in die Zukunft. „Es ist für uns kein Problem, Jugendliche in den Verein zu bekommen oder Trainer und Betreuer zu gewinnen, aber nur wenige Mitglieder wollen verantwortliche Vorstandsarbeit leisten“, erklärt der kommissarische Geschäftsführer und Schatzmeister des TSV Heimaterde. Zum einen sei es sehr zeitintensiv. „Und im Ernstfall muss ich auch für grobe Fehlentscheidungen mit meinem privaten Vermögen haften“.

Deshalb ist man beim TSV, der mit 800 Mitgliedern seinen 90. Geburtstag feiern konnte, dazu übergegangen, alle Mitglieder nach ihren Fähigkeiten zu befragen, die sie in die Vereinsarbeit einbringen können, um den Vorstand zu entlasten. „Ich arbeite gerne an der Festschrift mit, aber komm mir bloß nicht mit Vorstandsarbeit“, erinnert sich Ball an die Aussage eines Vereinsmitgliedes.

„In Zukunft werden sich immer mehr kleine Vereine zusammenschließen und Netzwerke bilden müssen“, glaubt die Vorsitzende des 200 Mitglieder zählenden Bundesverbandes für Menschen mit angeborenen Gefäßfehlbildungen. Ihr Verband, der bundesweit Patiententreffen, Jugendzusammenkünfte wie Ärztegespräche organisiert und regelmäßig Infobroschüren herausgibt, hat die Weichen bereits gestellt und die ersten kleineren Vereine aus seinem Themengebiet aufgenommen. „Wir haben nicht nur fünf Vorstandsmitglieder, sondern auch sechs fachkundige Zuarbeiter, mit denen wir auf Augenhöhe zusammenarbeiten“, berichtet Claudia Köster. Ihre Erfahrungen zeigen, dass Vereinsvorstände Menschen in ihrem Verein ansprechen und mitnehmen müssen, um sie für ein ehrenamtliches Engagement zu gewinnen.

Beate Stegers-Esken vom 30 Mitglieder zählenden Mülheimer Zupforchester ist überzeugt: „Nur, wer selbst vorlebt, dass Vereinsarbeit Freude machen kann, wird auch andere Menschen dafür begeistern können.“ Mit Blick in die Zukunft geht sie davon aus, dass vor allem kleine Vereine auf punktuelle externe Beratung angewiesen sein werden, wenn es etwa um Themen, wie Öffentlichkeitsarbeit oder Finanzen geht, um ihre Vereinsarbeit auch mit einer tendenziell sinkenden Zahl aktiver Vereinsmitglieder aufrechterhalten zu können. Ihr Kulturverein hat gute Erfahrungen damit gemacht, sich einem regionalen Dachverband anzuschließen.




Dieser Text erschien am 18. Mai 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

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