Freitag, 10. Juni 2016

Ein Lebens-Künstler Wer mit dem Altenpfleger Kofi Akoto im Haus Ruhrgarten unterwegs ist, lernt etwas darüber, was im Leben wichtig ist und was Menschen glücklich macht. Zeit und Zuwendung sind seine wichtigsten Dienste.

Kofi Akoto bei seiner Arbeit
im Haus Ruhrgarten
Kofi Akoto ist ein erstaunlicher Mann. Er ist immer gut gelaunt und hat für jeden ein freundliches Wort, der ihm begegnet.

Dabei hat der Mann aus Ghana, der der Liebe wegen 2001 nach Deutschland kam und heute Vater von zwei kleinen Töchtern ist, einen schweren Beruf. Er ist Altenpfleger. 
Zurzeit wechselt der 36-Jährige vom Früh- in den Nachtdienst, der Kinder wegen und weil seine Frau wieder berufstätig ist, als Sicherheitsassistentin am Düsseldorfer Flughafen. Doch an diesem Tag kommt er noch einmal zum Frühdienst ins Haus Ruhrgarten. Mit seinen Kollegen auf der Wohngruppe 2 bespricht er um 6.40 Uhr den mentalen und körperlichen Zustand der 24 hochbetagten Männer und Frauen, um die sich Akoto und seine beiden Kollegen kümmern.

Er selbst ist für acht Bewohner zuständig. Er stellt ihre Medikamente für den Tag zusammen und schaut in die Akte einer alten Dame, über deren Gesundheitszustand er später noch mit der Hausärztin sprechen wird.
„Man ist hier Mediziner, Pfleger, Betreuer, aber vor allem Mensch. Hier muss man mit Kopf und Herz arbeiten“, sagt Akoto.

Wir gehen von Zimmer zu Zimmer. Hier wird ein alter Herr gewaschen und angezogen, dort eine alte Dame. Den Herrn schiebt Akoto später im Rollstuhl zum Frühstück. Die Frau ist auf einen Rollator angewiesen. „Wie haben Sie geschlafen. Was machen Ihre Beine. Sollen wir  heute wieder zusammen Karten spielen.“ Eine andere Dame: „Raus aus den Federn. Schauen Sie mal, wie schöne die Sonne heute scheint“ setzt er erst mal behutsam auf den Toilettenstuhl und kämt sanft ihr weißes Haar, nachdem er ihr ihre Lieblingshose und ihre Lieblingsbluse angezogen hat.

Auch in sensiblen Situationen, wie bei der Körperpflege, versteht es Akoto so freundlich und locker mit den Bewohnern umzugehen und sie mit seiner Zuwendung aufzumuntern. Man spürt die Vertrautheit zwischen ihm und den Menschen, die er als „Bezugspfleger“ betreut. „Ich kenne von jedem dieser Menschen die Biografie. Das ist wichtig für meine Arbeit“, sagt Akoto.
„Sind Sie nicht früher auf einem Bauernhof aufgewachsen. Da gab es doch sicher auch Hühner, die Eier legten“, fragt Akoto die alte Dame, der er heute beim Essen ihres Frühstückseis helfen muss. Die alte Frau nickt beiläufig und lächelt.

„Wenn ich den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, geht mir das Herz auf“, sagt der studierte Marketingfachmann, der heute alte und hilfsbedürftige Menschen durch ihren Alltag im Haus Ruhrgarten begleitet. Er macht dabei einen erstaunlich glücklichen und ausgeglichenen Eindruck, obwohl er eigentlich mal in seiner Heimat Wirtschaftswissenschaften studiert hatte und als Marketingfachmann arbeiten wollte, ehe ihm die Liebe dazwischen kam.

„Zu meinem heutigen Beruf kam ich durch einen Zufall. Ich singe im Gospelchor der Lighthouse-Gemeinde und lernte das Haus Ruhrgarten 2009 durch ein Adventskonzert kennen, das wir hier gaben. Die Art und Weise, wie hier mit Menschen umgegangen wird, hat mich auf Anhieb beeindruckt und so habe ich mich danach erkundigt, was man machen und können muss, um hier als Altenpfleger arbeiten zu können“ erzählt Akoto.

Heute fühlt sich der gläubige Christ, der aus seinem Glauben viel Kraft schöpft, in seinem zweiten Berufsleben angekommen. „Hier kann ich sein, was ich eigentlich immer schon gerne war, ein Mensch, der für andere Menschen da ist, weil ihm Helfen Freude macht.“

Ein Stück dieser Freude spürt man später, als er einer blinden Frau, die am liebsten in ihrem Zimmer bleibt, die Hand hält und ihr  ihr Lieblingslied  vorsingt: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt“. Und da ist es wieder. das Lächeln, das Akto Menschen ins Gesicht zaubern kann. Die alte Dame blickt plötzlich in die unbestimmte Ferne, als gehe sie auf eine fantastische Reise.
Auch der ehemalige Studienrat, den Akoto beim Bewegungstraining fragt, ob seine Schüler ihm auch schon mal einen Streich gespielt haben, muss spontan lachen und sich an die Lausbuben aus  der Untertertia erinnern, die ihm einst einen nassen Schwamm unter sein Stuhlkissen gelegt hatten. Der hochbetagte Herr fühlt sich beim Erzählen der kleinen Anekdote gleich um Jahrzehnte jünger. Nach dem Mittagessen wird es auf Akotos Wohngruppe  ruhiger. Viele Bewohner ziehen sich zu einer kleinen Mittagsruhe in ihr Zimmer zurück oder machen es sich im Tageslichtraum gemütlich, dessen Fensterkanzel einen wundervollen Blick auf die Ruhr frei gibt.

Statt auf die Ruhr zu blicken, muss Akoto in die Akten seiner Schützlinge schauen und jeden Pflegeschritt, den er an diesem Morgen und Vormittag  mit ihnen zusammen gegangen ist, dokumentieren. Sankt Bürokratius hilf!
Auch nach seinem Feierabend wird sich Akoto mit einigen Kollegen um Menschen kümmern, die seine Hilfe brauchen. Mit dem Verein „Ein Lächeln für Ghana“ unterstützt Akoto bedürftige Schüler und ihre alleinerziehenden Mütter in seinem ghanaischen Heimatort Kumasi. Gerade erst hat er Hilfsgüter dort hingebracht und dabei wieder kleinen und großen Menschen  ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Dieser Text erschien am 28. Mai 3016 in der Neuen Ruhr Zweitung i

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