Samstag, 22. Oktober 2016

Die Pallotiner verlassen Mülheim: Ein verlust und eine neue Herausforderung für St. Barbara und Christ König

Pallotiner-Pater Bernhard Küpper (links), hier mit Dr. Sonja Clausen vom Centrum für bürgerschaftliches Engagment
und dem Pfarrer Hans-Joachim Norden von der evangelischen Markuskirchen-Gemeinde
Mit dem Jahr 2017 wird in Mülheim-Winkhausen eine Ära zu Ende gehen.Die in Deutschland rund 400 Mitbrüder zählende Ordensgemeinschaft der Pallotiner wird dann ihre seelsorgerische Arbeit in der zur Pfarrei St. Barbara gehörenden Gemeinde Christ König aufgeben.

Das teilte Gemeindepastor Bernhard Küpper, der vor fünf Jahren nach Winkhausen kam, jetzt auf der Internetseite der Pfarrgemeinde mit. Nachwuchsmangel und Überalterung (das Durchschnittsalter der Pallotiner liegt aktuell bei 71 Jahren) sind die Hauptgründe, die zu der für Gemeinde und Ordensgemeinschaft schmerzlichen Entscheidung
geführt haben.


Pater Bernhard ist der siebte Pallotiner, der die 3000-Seelen-Gemeinde im Norden Mülheims seelsorgerisch betreut und leitet. Der erste Pallottiner-Pater, der 1955 nach Winkhausen kam, war Pater Franz-Josef Bezler. Zuletzt (das Neue Ruhrwort berichtete) initiierte Pater Bernhard zusammen mit seinem evangelischen Amtsbruder Hans-Joachim Norden und Dr. Sonja Clausen vom Mülheimer Centrum für
bürgerschaftliches Engagement von der benachbarten
Markuskirchen-Gemeinde einen  Arbeitskreis für die örtliche
Flüchtlingshilfe.

Aufgrund der seit Jahren bewährten Zusammenarbeit zwischen der katholischen und der evangelischen Gemeinde in Winkhausen, nannte Küppers protestantischer Kollege den Stadtteil einmal ein "positives Bermuda-Dreieck der Ökumene." Zu diesem starken Dreieck gehören auch
eine Gemeinschaftsgrundschule und Kindertagesstätten am Steiger Weg.
Pater Bernhard ließ in seiner Internet-Mitteilung keinen Zweifel daran, dass es aufgrund des akuten Priestermangels schwer sein wird, nach dem Weggang der Pallottiner einen neuen Seelsorger für Christ König zu finden. Deshalb appelliert Pater Bernhard in seinem Internet-Beitrag: "Ich bitte die Gemeindemitglieder nach Kräften mitzuhelfen, dass wir gute Weichen stellen können für die neue Phase der Gemeinde und den Übergang konstruktiv gestalten, damit auch in Zukunft lebendiges Gemeindeleben möglich sein wird."

Aufgrund des demografischen und gesellschaftlichen Wandels geht das Bistum in seinen Prognosen davon aus, dass die Gemeinde Christ König im Jahr 2030 nur noch rund 1600 Mitglieder haben wird.

Die 1835 von dem italienischen Priester Vinzenz Pallotti (1795-1850) gegründete Ordensgemeinschaft und die von Manfred von Schwartzenberg geleitete Pfarrei St. Barbara hatten sich darauf verständigt, ihre Winkhauser Kommunität erst aufzulösen, wenn der laufende Pfarreientwicklungsprozess Ende 2017 abgeschlossen sein wird. So können neue Wege und Ansätze in der Seelsorge vor Ort besser in die Pfarrei-Planung integriert werden.

Wie das Bistum mitteilt, werden die Pallottiner dem Ruhrgebiet auch über das Jahr 2017 hinaus erhalten bleiben. Pater Paul Rheinbay und sein Team werden weiterhin im Essener Kardinal-Hengsbach-Haus Meditations- und Kontemplationsangebote machen. Außerdem bleibt der
ebenfalls zur Winkhauser Kommunität gehörende Pallotiner-Pater Franz Nguyen für die seelsorgerische Betreuung der vietnamesischen Katholiken im Ruhrbistum verantwortlich. Der dritte Pater im Bunde der Winkhauser Pallotiner, Johannes Kopp, war in diesem Jahr verstorben.
Er hatte sich vor allem durch seine engagierte und kenntnisreiche Arbeit im Bereich Zen-Kontemplation und Meditation einen Namen gemacht.

Die gleichen Gründe, die Ende des kommenden Jahres zur Aufhebung der Winkhauser Kommunität führen werden, haben die Pallottiner in diesem Jahr auch dazu gezwungen ihr Jungen-Gymnasium, das Vinzenz-Pallotti-Kolleg in Rheinbach bei Bonn  sowie eine Gemeinde und ihre Jugendbildungsstätte in Olpe aufzugeben. Das ehemalige Sankt-Paulusheim, eine Internatsschule in Bruchsal, ist inzwischen Teil der Schulstiftung des Erzbistums Freiburg. Die von den Pallottinerinnen ins Leben gerufene Vinzenz-Pallotti-Stiftung trägt ein Krankenhaus und ein Altenheim in Bergisch-Gladbach sowie ein Bildungshaus und ein Altenheim in Limburg.


Eine Vorzeige-Institution der Pallottiner ist und bleibt ihre
Hochschule in Vallendar, zu der eine philosophische, eine theologische und eine pflegewissenschaftliche Fakultät sowie eine Jugendbildungsstätte gehören.
Dieser Text erschien am 15. Oktober 2016 im Neuen Ruhrwort

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