Sonntag, 16. Juli 2017

Die Kümmerin: Alexandra Teinovic vom Mülheimer Nachbarschaftsverein der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft sorgt dafür, dass sich Nachbarn näher kommen und gemeinsam aktiv werden. Ihre Alltagshilfe ist gefragt


Alexandra Teinovic ist auf ihrer bisher 46-jährigen Lebensreise schon viel unterwegs gewesen. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin und Romanistin knüpfte als Vetriebs- und Marketing-Mitarbeiterin für einen großen Telefonanbieter und für einen spanischen Schuhfabrikanten internationale Verbindungen. Als Familienberaterin an ihrer Hochschule, der Heinrich-Heine-Universität, half sie Kollegen, deren Familienleben aus den Fugen geraten war, wieder auf ihre Spur zurückzukommen.

In einem Moment, in dem sie Lust auf eine berufliche Veränderung hatte, wies sie eine Kollegin auf eine Stellenausschreibung der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft (MWB) hin, die damals, 2008/2009. einen Nachbarschaftsverein aufbaute. Mülheim und Genossenschaft. Das waren für die Ökonomin aus Düsseldorf damals Fremdworte. Doch sie machte sich schlau und wagte den Sprung ins kalte Wasser.

Das habe ich bis heute nicht bereut. Denn ich bin ein Mensch, der gut auf andere Menschen zugehen und Netzwerke organisieren kann“, sagt Teinovic über sich selbst. Und nach inzwischen neun Jahren, in denen sie als Netzwerkerin für die MWB in Mülheim unterwegs und aktiv ist, sagt sie: „Ich habe hier offene Menschen getroffen, die mich aufgenommen haben und es mir leicht gemacht haben, hier heimisch zu werden.“

Ihre vielseitiger Arbeitstag, der sie als Kümmerin und Frau für alle Fälle ausweist, beginnt in der Regel um 8 Uhr im Büro des Mülheimer Nachbarschaftsvereins an der Friedrich-Ebert-Straße 2. Mit einer Tasse Kaffee im Anschlag checkt sie ihre E-Mails und hört ihren Anrufbeantworter ab.
Sie telefoniert unter anderem mit einem Mann, der aus Mülheim kommt, heute aber in einer weit entfernten deutschen Großstadt lebt und arbeitet. Er macht sich Sorgen um seinen dementen Vater, der in einer Styrumer MWB-Wohnung lebt. Sie verspricht, bei seinem Vater vorbeizuschauen und einen Pflegedienst einzuschalten.

Obwohl die Frau vom Nachbarschaftsverein feste Sprechstunden, zwischen 10 und 12 Uhr hat, kommen und gehen bei ihr zu jeder Zeit Menschen ein und aus, die die Frau vom Mülheimer Nachbarschaftsverein als eine Frau mit einem offenen Ohr für alle Problemlagen kennen- und schätzen gelernt haben. „Können Sie mir mal erklären, wie ich meinen Fernseh- und Sateliten-Receiver einstellen muss?“ „Können Sie mal meinen Arztbrief anschauen und mir erklären, was da drin steht?“ „Worauf muss ich eigentlich achten, wenn ich eine Patientenverfügung aufstelle?“

Die Frau vom Nachbarschaftsverein kümmert sich nicht nur telefonisch, sondern kommt auch persönlich vorbei. Bevor es los geht, muss Teinovic, die übrigens auch einige Semester Medizin studiert hat, in der Tiefgarage der Sparkasse den Stecker ziehen. Denn dort wird ihr Elektro-Dienstwagen aufgeladen, wenn sie gerade mal nicht in der Stadt unterwegs ist. „Mit einer Stromladung für 1,50 Euro komme ich 60 Kilometer weit“, beschreibt sie die Vorzüge ihres umweltfreundlichen City-Flitzers.

An der Eigenheimhöhe in Heißen schaut sie bei zwei alteingesessenen Mieterinnen vorbei. Im Gespräch mit ihnen geht es um eine Patientenverfügung, aber auch um die Hundehaufen auf der kleinen Wiese vor ihrem Haus, um die wunderbar gewachsenen Hortensien und den letzten gemeinsamen Ausflug, den Teinovic für den Nachbarschaftsverein organisiert hat. „Das war wirklich sehr schön und informativ“, hört man über den Tagesausflug ins Neandertal. „Frau Teinovic ist ein sehr sympathischer Mensch. Sie ist sehr aufgeschlossen und kümmert sich auch um unsere kleinen Probleme und Wehwehchen. Mit ihrer Arbeit hat sie dafür gesorgt, dass wir Nachbarn uns jetzt besser kennen und regelmäßig miteinander sprechen“, sind sich Erika Sader und Ingrid Hegemann von der Eigenheimhöhe einig.

Ich organisiere nicht nur Tagesausflüge in die Region, sondern auch Nachbarschaftsfeste in der Stadt“, erzählt Teinovic, während sie zu einem Treffen mit vier Nachbarn von der Salierstraße fährt. Dort soll Ende September ein Nachbarschaftsfest gefeiert werden.
Im Gespräch geht es darum, wo was aufgestellt werden soll und was gebraucht wird. Die vier Mieter, mit denen Teinovic das Fest plant, gehören zum Organisationsteam der Siedlung und haben ihr auch gleich einen Lageplan mitgebracht.


Auch wenn Teinovic auf das Know-How und den Fundus, a# la Grill, Bierzelt-Garnituren und Pavillons, der Genossenschaft zurückgreifen kann, legt sie großen Wert darauf, „dass sich die Mieter und Nachbarn auch selbst mit einbringen.“

Dieser Text erschien am 15. Juli 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

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