Mittwoch, 2. August 2017

Turne! Turne! Von der Wiege bis zur Bahre: Die Jahnhalle - Ein Zeitsprung an der Kaiserstraße

Eine Postkartenansich der neuen Jahn-Halle aus dem Jahr
1901 (Fotoquelle Stadtarchiv Mülheim)
Die Jahn-Halle an der Kaiserstraße, so wie wir sie hier auf einer Postkarte des Stadtarchivs sehen, gibt es heute nicht mehr. Die historische Aufnahme entstand kurz nach der Eröffnung der Jahn-Halle am 14. September 1901. Möglich gemacht hatte ihren Bau der damalige Vorsitzende des Mülheimer Turnvereins, Carl Pohl. Doch schon sieben Jahre später wurde die Turnhalle an der Kaiserstraße ein Opfer der Flammen und musste neu aufgebaut werden.

Auch im  2. Weltkrieg blieb die Sporthalle  nicht verschont. Ihr Wiederaufbau zog sich über mehrere Etappen bis in die 1960er Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Jahnhalle auch von der Britischen Militärregierung und als Kinosaal für das "Majestic" genutzt.

Auch wenn die Sporthallengebäude wechselten, so blieb doch Mülheims heute ältester Sportverein, der die Halle mit Leben erfüllt. Die Mülheimer Turngemeinde (so heißt sie seit einer Fusion mit anderen Mülheimer Turnvereinen im Jahr 1938)  wurde am 11. August 1856 als Mülheimer Turnverein von 36 Sportfreunden ins Leben gerufen. Den Gründungstag war der 78. Geburtstag des 1852 verstorbenen Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn.

Jahn war es, der 1811 in Berlin den ersten Turnverein Deutschlands in Berlin gegründet und den Turnsport populär gemacht hatte. In Zeiten der napoleonischen Besatzung sah Jahn das Turnen nicht nur als gesundheits- und gemeinschaftsfördernd, sondern auch als einen Beitrag zur Wehrertüchtigung an.

Als Abgeordneter des Frankfurter Paulskirchen-Parlaments war Jahn in den Revolutionsjahren 1848 und 1849 ein Verfechter der nationalen Einheit eines freien Deutschlands. Deshalb war die Gründung eines Mülheimer Turnvereins im Jahr 1856 auch ein politisches Bekenntnis zu eben diesen politischen Zielen.


Dieser Text erschien am 31. Juli 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

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